Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

AAU und Seemannsbund

Flugblatt der Arbeiter-Union (AU) und des syndikalistischen Deutschen Seemannsbund (DSB),
verteilt am 18. und/oder 19. September 1919 in Hamburg

Hintergrund (1)

In Bremen hatten die Hafenarbeiter 1919 einen closed shop beschlossen, in dem der syndikalistische Deutschen Seemannsbund (DSB) und der zentralgewerkschaftliche Deutsche Transportarbeiter-Verband (DTV, im Flugblatt als T.A.V. abgekürzt) gleichberechtigt agierten. Die Mitgliedsbücher wurden von dem Gewerkschaftsobmann, der jeweils als erster am Arbeitsplatz eintraf, kontrolliert. Am 12. 9. 1919 weigerte sich ein DTV-Obmann, seinem syndikalistischen Kollegen das Mitgliedsbuch zu zeigen. Daraufhin verließen die Schauerleute das Schiff und verlangten die Entlassung des DTVlers wegen Bruch des Abkommens. Auf diesen Vorfall bezieht sich der Anfang des Flugblattes.

Ausgeweitet hatte sich der Konflikt dann aber offenbar aufgrund der Haltung des Bremer Hafenbetriebsvereins und des örtlichen Arbeitsamtes sowie der Maßregelung der Seeleute der »Florenz«.(2)

AU und DSB riefen während der nächsten Tage in den deutschen Hafenstädten die Schauerleute und Seeleute zum Sympathiestreik auf. Am 18. 9. streikten in Bremen die Seeleute, in Hamburg einen Tag später, am 19. 9. 1919. Der Hamburger DTV, Sektion Hafenarbeiter, verweigerte in seiner Mitgliederversammlung vom 1. 10. 1919 die Unterstützung, »da sich der Kampf des Seemanns­bundes und der Union gegen die gewerkschaftliche Organisation, den Deutschen Trasnsport­arbeiterverband, und damit gegen die Arbeiter selbst richtet«.

Da laut dem Flugblatt der Konflikt zwischen dem DSB und dem DTV in Bremen beigelegt war, der Solidaritätsstreik sich ausdrücklich nicht gegen den DTV (resp. die Verletzung des Bremer Abkommens durch einen DTV-Obmann) richtete, wirft diese Stellungnahme ein bezeichnendes Licht auf die Haltung des Hamburger DTV. Daß nebenbei der DTV klammheimlich für sich reklamiert, ‘die Arbeiter selbst‘ einzig und allein zu vertreten, sich mit ihnen gar gleich setzt, unterstreicht dies nur.

Jonnie Schlichting

Anmerkungen:

(1) nach Klaus Weinhauer, Alltag und Arbeitskampf im Hamburger Hafen. Sozialgeschichte der Hamburger Hafenarbeiter 1914-1933, Paderborn – München – Wien – Zürich 1994, S. 207, mit weiteren Nachweisen.

(2) Diese Informationen fehlen bei Weinhauer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: