Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

Monatsarchive: November 2011

Artikel-Übersicht

barrikade-Prinzipien

Die Barrikade und der Schützengraben Ricardo Flores Magón

Öffnet die Augen!Aktuell – Hammer

Dr. Seidmans Plakat-Märchen [Folkert Mohrhof]

• Abrechnung mit Gegen die Arbeit von Michael Seidman (2011)

Rezension Helen Graham: »… ein unzulängliches Buch«

Wenn man genauer hinsieht, ist es ganz anders. [Hans Hanfstingl]

Amboss – Artikel

85 Jahre Sowjetgranaten – Eine Dokumentation [J.S.]

Der Fall »Scala« Barcelona 1978 [Folkert Mohrhof]

Die Odyssee des Rudolf Rocker-Manuskriptes »Nationalismus und Kultur« 1949 [Folkert Mohrhof]

Mastkorb – AS-Theorie

Kollektivbetriebe als ‚konstruktiver Sozialismus‘ [Folkert Mohrhof]

Anarchismus und Fußball – die Easton Cowboys aus Bristol [Roger Ball]

»Organzing« – Auf dem Weg zu neuen Ufern? [Heiko Grau-Maiwald]

Deutsche Wobblies gegen den Anarchosyndikalismus? [Folkert Mohrhof]

Torpedo & Harpune – Geschichtliches

FAUD, AAU und Seemannsbund 1919

Die Syndikalistische Bauarbeiter-Internationale ISBF

Die unüberbrückbare Kluft zwischen FAUD und AAU

Konferenz der FAUD Nordwest und des Block antiautoritäter Revolutionäre 1924

Die FAUD (A.-S.) als MinderheitenbewegungReinhold Busch 1931

Die Erinnerungen von Jan Appel

• Hamburg

Rechtsextreme Putschpläne in Hamburg-Altona 1919-1923 [Folkert Mohrhof]

Holtzweg I:  Von der Hamburger Warte zum Fridericus  [Folkert Mohrhof]

Der Holtzweg II:     [Folkert Mohrhof]

Sülze-Unruhen in Hamburg Juni 1919 [js]

• Spanien

Brief von Joaquín Ascaso, Januar 1939

Würdigung des Anarchosyndikalisten und Genossenschaftlers Joan Peiró i Belis [Folkert Mohrhof]

Die Wandlungen des Diego Abad de Santillán


Rezensionen

Auf dem Weg – Gelebte Utopie der Kooperative CECOSESOLA in Venezuela [fm] # 7 • April 2012

Kein Befehlen, kein Gehorchen – Helge Döhring [fm] # 7 • April 2012

Geschichte der Novemberrevolution – Richard Müller [J.S.] – # 7 • April 2012

Gegen die Arbeit – Michael Seidman 2011

Die Kommune von Kronstadt – Klaus Geitinger 2011  [J.S.]

Frieden, Freiheit, Brot! – Joachim Paschen 2009 [Peter Kuckuck]

Schwarze Scharen – Helge Döhring 2011 [fm]

Kapp-Putsch – Rudolf Rocker, Reprint 2010

Der Fliegerblick – Detlef Siegfried 2001 [fm]

Hass. Jetzt! Mit geballter Faust in der Tasche – Schweden 2009 [fm]

Warum IAA? – Martin Veith

Der EVMB – Söldner Moskaus – Stefan Heinz 2010 [fm]

Der Bonzenspiegel

Vorwort – 1926

Die Zentralverbände im Kriege.

Noske stattet der Technischen Nothilfe den ersten Dank ab.

Noske und die Syndikalisten.

Die Barrikade und der Schützengraben

Die Barrikade und der Schützengraben

Sie stehen einander gegenüber, die beiden verfeindeten Verteidigungsmittel, die Barrikade des Volks und der Schützengraben des Militärs. Die Barrikade zeigt der Sonne ihre enorme unregelmäßige Masse und scheint stolz zu sein auf ihre Unförmigkeit. Der militärische Schützengraben zeigt seine geometrisch gezogenen Linien und lächelt über seinen buckligen Rivalen. Hinter der Barrikade ist das Volk, in Aufruhr, hinter dem Schützengraben  befindet sich die Miliz.

»Was für eine schreckliche Sache ist eine Barrikade!« ruft der Schützengraben aus und fügt hinzu: »Schrecklich wie die Leute, die hinter ihr stehen!«

Von hinter der Barrikade ertönen die mannhaften Noten revolutionärer Gesänge, im Schützengraben herrscht Schweigen.

»Wie klar sichtbar es ist«, sagt der Schützengraben, »dass hinter diesem Monstrum nur verlorene Menschen stehen! Ich habe noch nie gesehen, dass derartiger Unfug zu etwas Anderem taugt, als die Kanaillen vor ihrem wohlverdienten Tod zu schützen. Dreckige und stinkende Leute, Banditen, aufständische Plebs, das ist das Einzige, was eine derart hässliche Sache schützen kann. Hinter mir hingegen sind die Verteidiger von Gesetz und Ordnung, die Stützen der republikanischen Institutionen, disziplinierte und korrekte Leute, Garantie der öffentlichen Ordnung, Schild des Lebens und der Interessen der Bürger.«

Die Barrikaden sind in sich selbst verliebt und diese ist keine Ausnahme von der Regel. Sie fühlt, dass ihr Inneres aus Stöcken, Kleidung, Töpfen, Steinen und noch vielem mehr vor Empörung zittert und mit einem Tonfall, in dem die Feierlichkeit und die Strenge der höchsten Entschlossenheit des Volkes liegt, sagt sie: »Halt ein, du Beschützer der Unterdrückung, du Festung des Verbrechens, du stehst der Bastion der Freiheit gegenüber! Hässlich und bucklig wie ich bin, habe ich doch Größe, weil ich nicht von bezahlten Menschen errichtet wurde, von Söldnern im Dienste der Tyrannei. Ich bin die Tochter der Verzweiflung des Volkes, das Produkt der gequälten Seele der Demütigen und aus meinem Innern wachsen die Freiheit und die Gerechtigkeit.«

Es folgt ein Augenblick der Stille während dessen die Barrikade nachzudenken scheint. Sie ist unförmig und schön zugleich: Unförmig aufgrund ihrer Konstruktion, schön aufgrund ihrer Bedeutung. Sie ist eine starke und robuste Hymne auf die Freiheit, sie ist der großartige Protest des Unterdrückten. Die würdevollen Noten eines Horns, die aus dem Schützengraben dringen, brechen das Schweigen. Ein Märzwind fegt die verlassenen Straßen der aufständischen Stadt. Das Geräusch von Waffen, die zusammenstoßen, dringen aus der Barrikade und dem Schützengraben. Die Barrikade fährt fort: »Ich bin stolz darauf, die edle Brust des Sohnes des Volkes zu verteidigen und ich würde mir selbst die Innereien herausreißen, wollte mich der Scherge zu seiner Verteidigung benutzen.«

Eine Kanonenkugel trifft die Mitte der Barrikade ohne eine Bresche schlagen zu können. Die gesamte Barrikade kracht und das Krachen ähnelt den Anstrengungen eines Kolosses, der seine sämtlichen Kräfte darauf verwendet, einem Angriff zu widerstehen. Nichts! Ein paar Splitter, die springen und in der Sonne glänzen wie Funken, die von einer Schmiede abfallen. Die Barrikade fährt fort: »Der Tyrann erbleicht, wann immer auch nur mein Name fällt und die Kronen wackeln auf den Köpfen der großen Banditen, wo ich stehe. Was gäbest du, Wache von Schergen, dafür, hinter dir den eifrigen Atem des Volkes zu spüren, das für seine Freiheit kämpft? Du erhebst dich, um Unterdrückung und Sklaverei zu verewigen, ich erhebe mich als Ankündigung von Forderungen und Fortschritt. Ich bin unförmig und buckelig, aber, für den, der leidet, strahle ich wie die Morgenröte und von meiner Unebenheit geht ein Licht aus, das für die Männer den Platz der Pflicht markiert.«

Das Horn des militärischen Schützengrabens spielt den Befehl »Achtung!« und direkt danach »Feuer!«. Ein Hagelschauer von Geschossen trifft die äußere Wand der Barrikade und bringt Holz-, Ziegel- und Scherbenteile zum Springen. Die Barrikade bleibt stehen. Mutig widersteht sie den Angriffen des Maschinengewehrs, den schrecklichen Angriffen der Kanonenkugel und den wilden Bissen der Gewehrkugeln. Die Trommeln verdoppeln ihr Spiel im Schützengraben und das Horn vibriert wütend, so dass man es klar vernimmt inmitten des Donnerns der Salven, wie der unheilvolle Schrei eines Jagvogels inmitten des Sturms. Die Barrikade kracht wie ein Riese, der in einem Duell von Titanen von hinten einen Keulenhieb erhält. Während die Barrikade ihre Kräfte sammelt, fährt sie auf folgende Weise fort: »Eine Barrikade in jeder Stadt zur selben Zeit und die Freiheit würde aus meinem leuchtenden Inneren hervorquellen, strahlend wie der Atem eines Vulkans! Dunkel, wie ich bin, erleuchte ich. Wenn der Arme mich sieht, seufzt er und sagt: »Endlich…!« ♦

• Regeneración # 213, 20. 11. 1915   — barrikade # 1 – November 2008

Broschüre zum mexikanischen Magónismo: Magon-Broschüre vom Café Libertad Kollektiv eG, 2005

Quelle:

Ruben Trejo
Magonismus: Utopie und Praxis in der Mexikanischen Revolution 1910-1913
Edition AV, 2006 – 250 Seiten – ISBN 978-3-936049-65-7

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