Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

Monatsarchive: Oktober 2012

Karl Roche zum 150. Geburtstag

Am 31. Oktober wurde vor 150 Jahren (1862) in Königsberg der Genosse Karl Roche geboren

Aus Anlaß seines Geburtstages veröffentlichen wir heute eine vollständig überarbeitete Biografie von ‚Isegrim‚, ‚K.R.‚, ‚kr‚ alias Karl Roche.

Vorbemerkung

Wir legen mit diesem Text eine erweiterte und überarbeitete Fassung unserer bisherigen Forschungen zur Biographie Karl Roches vor. Er hat immer noch den Charakter einer vorläufigen Skizze. Obwohl bei weitem nicht vollständig, konnten wir doch wieder Lücken schließen und wohl jetzt definitiv Fehlinformationen korrigieren, die sich vor allem in der älteren Literatur finden und meist die Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918 betreffen.1

Als ‚Barfuß-Historiker‘, ohne akademische Institutionen (und deren finanzielle Mittel) in der Hinterhand, sind wir selbstverständlich immer etwas eingeschränkt in unseren Forschungen, da wir beispielsweise alle Recherchen aus der eigenen Tasche finanzieren müssen (von dem Zeitaufwand ganz zu schweigen). Deshalb sind wir den uns nahestehenden Personen und Einrichtungen, die in der Regel wie wir ihre Forschungen für ‚Genossen Lohn‘ betreiben, für ihre Unterstützung, ihr großzügig geteiltes Wissen – und ihren nicht minder großzügig geteilten Materialfundus – besonders verbunden. Nennen möchten wir vor allem Frank Potts (Berlin und Amsterdam), der mit seinen Archivrecherchen manches Loch zu schließen half; weiter das Institut für Syndikalismus-Forschung, und dort besonders Helge Döhring, der mit Material, Rat und Tat und konstruktiver Kritik nicht geizte. Schließlich geht unser Dank an die Kolleginnen und Kollegen in den Stadt- und Staatsarchiven und Universitäts-Bibliotheken in Bochum, Hamburg, Bremen, der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Hamburg, der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg und, last but not least, dem InternationaalInstituutvoorSocialeGeschiedenis (IISG) in Amsterdam.

Folkert Mohrhof – Jonnie Schlichting

Archiv Karl RocheRegionales Archiv zur Dokumentation des antiautoritären Sozialismus (RADAS) – Hamburg am 31. Oktober 2012

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Wer war  K a r l   R o c h e  ?

Eine politisch-biographische Skizze zu seinem 150. Geburtstag
31. Oktober 1862 – 1. Januar 1931

Johann Friedrich Carl2 Roche: Geboren am 31. 10. 1862 in Königsberg/Ostpreußen – gestorben am 1. 1. 1931 in Hamburg. Er war verheiratet mit Emma Auguste, geb. Lange, geboren am 22. 8. 1864 in Thorn/Ostpreußen. Sie hatten miteinander wenigstens 2 Kinder3.
Seine Eltern sind Christian Roche und Dorotea, geb. Böhm4.

Nach Absolvierung der Volksschule5 schlägt sich Roche mehrere Jahre als Wanderarbeiter (wohl hauptsächlich in der Landwirtschaft6) durch. In diesem Zusammenhang wird er mehrfach »wegen Landstreichens und Bettelns« zu Gefängnis und Zwangsarbeit in kommunalen Arbeitshäusern (»Überweisung«) verurteilt.7

Im Jahre 1887 oder 1888 – noch während des »Sozialisten-Gesetzes« – tritt Roche der illegalen sozialdemokratischen Partei bei8. Roche muß keinen Militärdienst leisten, da er sein linkes Auge verloren hat9. 1891 wird er in der von der »Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands« geführten Gewerkschaftsbewegung aktiv10, zuerst im »Verband der Fabrik-, Land- und gewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands«11, für den er als Agitator hauptsächlich im Hamburger Umland tätig ist. In dieser Zeit wird Roche zweimal zu mehrmonatigen Haftstrafen wegen »Beleidigung« bzw. »Majestätsbeleidigung« verurteilt12. Im Jahre 1897 erfolgt der Übertritt zum »Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands«13, auch hier ist er bis Anfang 1902 vor allem im Bereich Groß-Hamburg und in Schleswig-Holstein als Agitator sowie literarisch (Artikel im Verbandsorgan Der Arbeiter) aktiv14 – was ihm wegen »öffentlicher Beleidigung« eine vierzehntägige Haftstrafe einbringt15.

Im April 1902 geht Roche nach Elberfeld-Barmen (Wuppertal)16, wo er 1905 vom »Verband« als Gauleiter für Rheinland-Westfalen angestellt wird17. Anfang 1906 übersiedelt er nach Bochum/Westfalen, wo er als »Lokalangestellter« (Zweigstellenleiter) tätig ist18, bis er ab dem 2. Mai 1907 wieder nach Hamburg kommt, um als »Bürohilfsarbeiter« beim Hauptvorstand des »Verbandes« zu arbeiten.19 Anläßlich seines Umzugs nach Hamburg 1907 stellt die Polizeiverwaltung der Stadt Bochum Roche das Qualitätszeugnis aus, er sei »in der sozialdemokratischen Partei wie in der freigewerkschaftlichen Arbeiter-Bewegung in schärfster und gehässigster Weise tätig« gewesen20, was sich u. a. in zwei Geldstrafen »wegen öffentlicher Beleidigung eines Polizeibeamten« niederschlug.

Für den Hauptvorstand verfaßt Roche drei größere Untersuchungen, ohne daß seine Autorenschaft gewürdigt, geschweige denn genannt wird21. Die ausgesprochen schlechte Behandlung der angestellten ’niederen Chargen‘ durch die Vorstandsmitglieder und der ungehobelte Umgangston mit ihnen erinnert an ostpreußische Gutsbesitzer, nicht an Kollegen und Genossen, die die Befreiung der arbeitenden Klassen auf ihre Fahnen geschrieben haben. Roche kommen erste Zweifel: »Als ich drei Monate im Büro war, wusste ich, diese Menschen predigten öffentlich das lautere Wasser der Nächstenliebe, Selbstlosigkeit und Solidarität und berauschten sich heimlich am toll machenden Wein niedrigster Herrschsucht22 Eine weitere Merkwürdigkeit sind die Geschäfte des Genossen Albert Töpfer23, der als stellvertretender Verbands-Vorsitzender und Redakteur des Bauhilfsarbeiters ein Jahresgehalt von 2.600 Mark erhält (und insgesamt ein Jahreseinkommen von 5.000 Mark versteuert), Besitzer von mehreren Mietshäusern mit insgesamt 60 Wohnungen ist, die mit 270.000 Mark Hypotheken belastet sind 24. (Einer von Töpfers Mietern ist übrigens Karl Roche samt Familie.)

Am 19. 4. 1909 wird Roche wegen seiner verbandsöffentlich geäußerten Kritik am Hauptvorstand (darunter Unterschlagungen von Mitgliedsbeiträgen durch den Hauptkassierer) schließlich fristlos gefeuert25; der Hauptvorstandskollege und Redakteur des Verbandsorgans Albert Töpfer kündigt ihm zum 1. Mai 1909 die Wohnung26. Roche zieht mit seiner Familie in das Hamburger Umland, ins ländliche Osdorf27 im Kreis Pinneberg in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.

Da die Hamburger SPD Roche die Gelegenheit verweigert, im Parteiorgan Hamburger Echo zum Rausschmiß Stellung nehmen zu können, verläßt er nach 22 Jahren die Partei28 und tritt zur lokalistischen »Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften«29 über. Im Verlag der FVdG erscheint noch im selben Jahr der Bericht über seine ‚Abenteuer‘ beim Hauptvorstand des »Zentralverband der Bauhülfsarbeiter Deutschlands« unter dem Titel »Aus dem roten Sumpf «30.

Titelseite der Roche-Broschüre
„Aus dem roten Sumpf“ von 1909

Ende August 1909 veröffentlicht schließlich der Vorstand des Bauhilfsarbeiter-Verbandes eine Erklärung, daß »sich R. als individueller Anarchist entpuppt« habe und seine Maßregelung von der Mehrzahl der Mitglieder gebilligt werde, weil er »wenig vorteilhafte Seiten« habe und »wiederholt bewiesen [hat], daß er völlig unwürdig war, eine Stelle zu bekleiden, nach der er sich jahrelang gedrängt hat«. Das zeige sich auch daran, wie »skrupellos R. bei dem Zusammenschmieren seiner Schmähschrift zu Werke gegangen ist33

Roche erwidert in der Einigkeit (die sozialdemokratische und Gewerkschafts-Presse ist ihm verschlossenen): »Jetzt habe ich Euch in die weite Arena der Öffentlichkeit gezerrt und jetzt müßt Ihr tanzen. Also noch einmal: Heraus mit dem Flederwisch! Euch bleibt nur zweierlei übrig: Entweder Ihr bringt mich vor den Strafrichter wegen Beleidigung usw. oder Ihr stellt den Mitgliedern Eure Mandate zur Verfügung. Ein Drum und Rum gibt es nun nicht mehr. Und darum noch einmal: Heraus mit Eurem Flederwisch! Meine Patronen sind noch nicht alle!«34

Nun – es gibt keine Rücktritte, sondern einen Prozeß. Die Verbandsvorständler Gustav Behrendt, Sjurt Wrede und Albert Töpfer verklagen Roche als Verfasser des »Sumpf« und seinen Verleger Fritz Kater. Da einige Zeugen Roches abgesprungen sind, werden am 7. Mai 1910 Roche zu 200 Mark oder 20 Tagen Gefängnis und Kater zu 50 Mark oder 5 Tagen Gefängnis vom Hamburger Schöffengericht verurteilt; die Berufungsverhandlung vom 10. September 1910 bestätigt das Urteil35. Allerdings muß sich der Arbeiterführer und »Hausagrarier« Albert Töpfer von dem Gericht ins Stammbuch schreiben lassen: »Wohl ist aber dem Angeklagten [Karl Roche] darin zu folgen, daß ein solches ohne Mittel erworbenes Hausbesitzertum sich mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie nicht verträgt. Es ist ein Mangel an Überzeugungstreue, wenn ein Mann, der sich zur Bekämpfung des Kapitalismus anstellen und bezahlen läßt und dabei selbst sich durch die Inanspruchnahme dieses Kapitalismus zu bereichern sucht36

Ein Kuriosum noch am Rande: Die sozialdemokratische Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung behauptete, daß Roche vom »Reichsverband gegen die Sozialdemokratie«37 für den »Sumpf« bezahlt worden wäre – was der Zeitung eine erfolgreiche Klage des »Reichsverbandes« wegen Beleidigung einbrachte. Der sozialdemokratische Lübecker Volksbote brachte es fertig, daraus zu machen: »Sogar der Reichsverband schüttelt ihn ab, nämlich den ehemaligen Hilfsarbeiter im Zentralverband der Bauarbeiter, Karl Roche38

Roche, der sich als Hausierer39 und Fischhändler40 durchschlagen muß, wird neben Paul Schreyer und ErnstSchneider zu einem der wichtigsten Protagonisten des Syndikalismus in Hamburg. Außerdem ist er im Verein föderierter Anarchisten Hamburg, die zur Anarchistischen Föderation für Hamburg und Umgebung gehört, tätig. Seit 1912 arbeitet er an der von der Anarchistischen Föderation Hamburg-Altona herausgegebenen Monatszeitung Kampf41.

Norddeutsches Zentrum der Lokalisten war vor 1914 Hamburg. Ihre Basis war vor allem im Bereich der Transport-, Hafen und Werftarbeiter, außerdem die Berufe des Bauhandwerks und Dienstleistungssektors, die sich zur »Freien Vereinigung aller Berufe« (seit 1913 »Syndikalistische Vereinigung aller Berufe«) zusammengeschlossen hatten. Sie bildeten mit einigen Fachverbänden und der »Föderation der Metallarbeiter« ein Gewerkschaftskartell. Dem Kartell, das eine Vorläuferorganisation der »Arbeiterbörsen« der FAUD war42, schloß sich der 1913 entstandene »Syndikalistische Industrie-Verband« an, der von Hafenarbeitern und Seeleuten gegründet worden war.43 Hier wurde erstmals das Konzept der »Einheitsorganisation« zur Diskussion gestellt44, (das dann in größerem Maßstab ab 1919 die Arbeiter-Unionen umsetzten) und in Hamburg durch die von KarlRoche geleitete Syndikalistische Vereinigung aller Berufe schon entgegen den Statuten der FVdG praktiziert wurde45. »Die im Vergleich zur gebräuchlichen Praxis der FVdG in Bremen und Hamburg betriebene Aufgabe des Berufsverbandsprinzips zugunsten eines vereinheitlichten Aufbauschemas diktierte dabei mindestens ebenso der Zwang zu Konzentration wie der Wille zur Beseitigung einer verankerten Berufsideologie.«46. Das waren also ganz pragmatische Gründe – nämlich die Wahrung der Handlungsfähigkeit als minoritäre Gewerkschaft, die es sich nicht leisten konnte, berufsständische Ressentiments über die Gebühr zu berücksichtigen. Der 1. Weltkrieg unterbrach diese Diskussion, wie so manches andere.

Er wird Vorsitzender der »Syndikalistischen Vereinigung aller Berufe« und Kartelldelegierter und Schriftführer des im Juni 1913 gegründeten »Syndikalistischen Industrieverbandes«. Neben einer umfangreichen Tätigkeit als Referent veröffentlicht Roche in den beiden Organen der Lokalisten, Die Einigkeit und Der Pionier. Außerdem ist er Verfasser der unter dem Pseudonym Diogenes erschienenen Schrift »Die Ohnmacht der Sozialdemokratie im Deutschen Reichstag«47.

Vorne rechts am Tischende: Carl Windhoff; ihm gegenüber Karl Roche; an der Wand stehend, zweiter von rechts: Fritz Kater

Zusammen mit Fritz Kater und Karl Windhoff wählt die FVdG Roche zum Delegierten für den ersten internationalen Syndikalistenkongreß, der vom 27. September bis zum 2. Oktober 1913 in London tagt48. Die Reise der drei Delegierten wird von der preußischen Polizei fürsorglich observiert49.

Auf dem 11. Kongreß der FVdG im Mai 1914 ist Roche einer der Delegierten für Hamburg und Referent zum Thema »Genossenschaften und Syndikalismus«50.

Zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 werden die Zeitungen der FVdG, der Pionier und die Einigkeit, wegen ihrer konsequenten antimilitaristischen und den Krieg ablehnenden Haltung verboten51, und die Arbeit der FVdG muß sich auf ein Minimum beschränken. Als Ersatz gibt die Geschäftskommission ab dem 15. August 1914 ein wöchentlich erscheinendes organisationsinternes Mitteilungsblatt heraus. Nach dessen Verbot am 5. Juni 191552 erscheint ein Rundschreiben, das schließlich am 28. 4. 1917 verboten wird53.

Laut den Überwachungsakten der Preußischen Polizei hat sich Roche nach Ausbruch des Krieges nicht mehr politisch betätigt. Der Königliche Landrat des Kreises Pinneberg meldet am 19. 4. 1915 nach Berlin, »daß die fortgesetzten Beobachtungen des Roche nichts belastendes ergeben haben. Roche verhält sich ruhig, ist nicht auf Reisen gewesen und scheint seine schriftstellerische Tätigkeit für die anarchistische Partei eingestellt zu haben.« Und im Bericht vom 6. 11. 1915 heißt es, »dass nach den bisherigen Beobachtungen Roche kein ernsthafter Anhänger des Anarchismus zu sein scheint. Der Gemeindevorsteher [von Osdorf] hegt zwar die Vermutung, dass Roche nach Beendigung des Krieges seine schriftliche Tätigkeit für anarchistische Blätter, wie er sie vor dem Kriege ausgeübt hat, wieder aufnehmen wird.

Im übrigen lebt Roche ruhig, nüchtern und zurückgezogen; er betrieb früher einen Hausiererhandel, hat diesen aber seit einigen Jahren eingestellt, und arbeitet, angeblich krankheitshalber, nur sehr selten. Seine Ehefrau geht auf Arbeit; von ihrem Arbeitsverdienste sowie von Unterstützungen der Kinder und seitens der Gemeinde lebt er. Er ist faul und will nicht arbeiten, und auch unzuverlässig54

Am 21. 9. 1916 meldet die Hamburger Polizei ihren Preußischen Kollegen, daß Roche am 11. 9. 1916 nach Hamburg, Lindenallee 25. IV, gezogen ist. » Roche ist wieder unter Beobachtung gestellt worden55 Die Pinneberger Überwacher wissen da allerdings noch nicht, daß Roche umgezogen ist: in ihrem Bericht vom 28. 9. 1916 heißt es, daß Roche »sich durchaus ruhig und unauffällig verhält, er unterhält überhaupt keinen Verkehr und lebt vollständig zurückgezogen56 Kein Wunder, wenn der Überwachte 17 Tage zuvor ausgezogen ist.

Die insgesamt besser informierte Politische Polizei in Hamburg berichtet am 20. 7. 1917 nach Berlin, Roche (er wohnt mittlerweile Amandastr. 61, Haus 2) »ist seit Ende v. J. im hiesigen Friedhofsbureau als Hilfsschreiber beschäftigt. Roche ist öffentlich nicht hervorgetreten; er hat jedoch in den ersten Monaten nach seinem Zuzuge mit mehreren hiesigen Anarchisten verkehrt, insbesondere war er eng befreundet mit dem Tischler Albert Fricke57. Auch hat Roche wiederholt gesprächsweise in Kreisen seiner Bekannten zu erkennen gegeben, daß er noch anarchistische Gesinnungen hegt. Er ist nach wie vor ein Anhänger der anarchistischen Bewegung, hält sich aber seit einigen Monaten – anscheinend infolge seiner jetzigen Stellung – von den übrigen Anarchisten fern. Roche wird weiter beobachtet58.

Im letzten Kriegsjahr, seit dem 20. Juni 1918, wird Roche, der aufgrund seines Alters (und seines fehlenden Auges) nicht zum Militär muß, auf der Vulcan-Werft als Nietenschreiber zwangsverpflichtet59 – eine strategisch günstige Stelle in der Revolutionszeit 1918/19 …

Erstaunlicherweise berichtet die Hamburger Polizei noch am 19. Juni 1918 an das Königlich Preußische Polizei-Präsidium zu Berlin: »Der Händler Carl Roche ist seit langer Zeit krank und ohne Arbeit …«60 – übrigens der letzte Eintrag in der Berliner Akte.

Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches treten auch die Syndikalisten wieder an die Öffentlichkeit und erhalten einen unerwartet großen Zustrom an neuen Mitgliedern. Die Einigkeit wird in Der Syndikalist umbenannt61. Die erste Ausgabe erscheint am 18. Dezember 1918.

Roche ist einer der führenden Propagandisten der wiedererstandenen FVdG. Schon im Januar 1919 unternimmt er zusammen mit Fritz Kater eine erste Agitationsreise durch Norddeutschland62. Roche ist jetzt Geschäftsführer der »Syndikalistischen Föderation Hamburg«63. Neben einer umfangreichen Vortragstätigkeit vor allem im norddeutschen Raum64 und Artikeln im Syndikalist veröffentlicht Roche vier der wichtigsten programmatischen Texte der FVdG im ersten Revolutionsjahr:

• Was wollen die Syndikalisten? Programm, Ziel und Wege der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, Berlin 1919 (Verlag »Der Syndikalist«)
• Einheitslohn und Arbeitersolidarität [Vortrag, gehalten am 20. April 1919], Berlin 1919 (Verlag »Der Syndikalist«)
• Zwei Sozialisierungsfragen. 1. Wer soll sozialisieren? [Vortrag, gehalten am 1. Mai 1919 in Hamburg] 2. Ist die zusammengebrochene Wirtschaft für die Sozialisierung reif? [Vortrag, gehalten im Mai 1919], Hamburg 1919 (Verlag der Syndikalistischen Föderation Hamburg)
• Organisierte direkte Aktion, Berlin 1919 (Verlag »Der Syndikalist« Fritz Kater).65

Seit dem Sommer des Jahres publiziert er auch in der Tageszeitung der Hamburger KPD, der Kommunistischen Arbeiter-Zeitung, zu gewerkschaftlichen Themen.

Am 29. November 1919 wird Roche von der Hamburger »Vulcan-Werft AG« gefeuert. In dem Kündigungsschreiben werden ausdrücklich seine führende Rolle in der Syndikalistischen Föderation Hamburg und die Propagierung der »passiven Resistenz« als Kündigungsgrund genannt: »Seine Führung und Leistung haben uns voll befriedigt, bis R. nach der politischen Umwälzung nach und nach Führer einer Richtung wurde, die durch Wort und Schrift in Betriebsversammlungen der Werft zur passiven Resistenz aufforderte. Diese Einwirkung war derart, daß wir uns von R. trennen mußten66 Ein Spitzelbericht der Politischen Polizei hatte schon im Oktober des Jahres notiert: »Der Haupthetzer auf der Vulcanwerft ist der Syndikalist Roche. Sein Einfluss auf die Arbeiterschaft ist ungeheuer und mit Recht wird behauptet, daß er die Seele des verderblichen Widerstandes gegen Vernunft und Ordnung eines großen Teils der Arbeiterschaft ist67

Im Dezember 1919, noch vor Gründung der »Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten)«, verlassen Roche und ErnstSchneider die FVdG und wechseln zur »Arbeiter-Union«68; sie sind auch in der oppositionellen Hamburger KPD69 aktiv. Mit ihnen geht offenbar die große Mehrheit der Syndikalisten Hamburgs. Anlaß für diesen Schritt mögen einerseits die von Rudolf Rocker in der »Prinzipienerklärung des Syndikalismus« begründete Ablehnung der Diktatur des Proletariats und des bewaffneten Aufstandes, andererseits die – in der FAUD nicht unumstrittene – Umstellung von den traditionellen Fachverbänden auf das Industrieverbandsprinzip sein, während Roche das Konzept der betrieblichen Einheitsorganisation (»Betriebsorgani­sation«) favorisiert.

Seit Anfang 1920 ist Roche einer der führenden Köpfe der unionistischen Bewegung in Hamburg, neben Fritz Wolffheim und Heinrich Laufenberg, die zu diesem Zeitpunkt die unbestrittenen Sprecher der gesamten linken Opposition in der KPD gegen die Berliner Zentrale um Paul Levi sind (bevor die beiden sich bis August 1920 mit ihrem sogenannten ‚Nationalbolschewismus‘ innerhalb der Linken mehr und mehr isolieren).

Roches erste größere Publikation für die AAU ist Anfang 1920 die Schrift Demokratie oder Proletarische Diktatur! Ein Weckruf der Allgemeinen Arbeiter-Union, Ortsgruppe Hamburg, [Hamburg] 1920. Er publiziert regelmäßig in der Tageszeitung der Hamburger KPD (seit April 1920 der KAPD), der Kommunistischen Arbeiter-Zeitung, und ist als Referent bei Veranstaltungen für Partei und Union vor allem im norddeutschen Raum aktiv. Seit März ist er Redakteur der KAZ-Rubrik »Arbeiter-Union«.

Roche tritt auf der 1. Reichskonferenz der AAU im Februar 1920 erfolgreich den Versuchen der Bremer KPD-Opposition (Karl Becker) entgegen, die Union zu einer wirtschaftlichen Hilfs­organisation der Partei zu machen70. Das erste, sehr föderalistische Programm der AAU, angenommen auf der 2. Reichskonferenz im Mai 1920, trägt wesentlich Roches Handschrift. Da die Bremer Opposition um Becker und Paul Frölich sich nicht an der Gründung der »Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands« beteiligt71 und zur KPD-Zentrale zurückkehrt, verlagert sich das Zentrum der Unionisten nach Hamburg72.

Roches Kontakte zur FAUD scheinen trotzdem weiter bestanden zu haben, er versucht in den nächsten Jahren mehrfach, wenn auch vergeblich, zumindest für Hamburg eine Kartellierung oder sogar organisatorische Vereinigung von Unionisten, Syndikalisten und Anarchisten herbeizuführen.

Als Vorsitzender der Pressekommission ist Roche Herausgeber der seit 1920 in Hamburg erscheinenden AAU-Zeitung des »Wirtschaftsbezirkes Wasserkante«, Der Unionist, und einer der Redakteure.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1920 nimmt in der AAU der Einfluß der KAPD zu. Die Richtung, die den Dualismus von Partei und Union zugunsten der Union überwinden will und die ökonomisch-politische Einheitsorganisation vertritt, gerät in die Defensive. Ihre Schwerpunkte liegen in Hamburg und Ostsachsen73. Auf der 3. Reichskonferenz der AAU im Dezember 1920 in Berlin (an der Roche teilnimmt) zeichnet sich ab, daß es keine Mehrheit für das Konzept der Einheitsorganisation gibt74. Noch im selben Monat schließen die ostsächsischen Unionisten die KAPD-Mitglieder aus, Hamburg folgt Ende Mai 192175.

Roche faßt die Position der Opposition noch einmal in der Schrift Die Allgemeine Arbeiter-Union, (Hamburg [1921]; Herausgegeben von der Pressekommission der A.A.U. Groß-Hamburg) zusammen, die wahrscheinlich Anfang 1921 erscheint.

Nach dem Mitteldeutschen Aufstand im März 1921 (der sogenannten »Märzaktion«)76 wird Roche als Vorsitzender der Pressekommission des Unionist im April 1921 zu einem Jahr Festungshaft verurteilt, der Drucker des Unionist zu 15 Monaten77. Roche kommt allerdings spätestens im November des Jahres wieder frei78.

Aber kann er deshalb nicht an der 4. Reichskonferenz der AAU (wiederum in Berlin) teilnehmen, auf der das von der KAPD favorisierte dualistische Modell Union (als ‚Massenorganisation‘) und Partei (als theoretisch führender Kader) die Mehrheit gewinnt. Außerdem wird der föderalistische Aufbau der Union zugunsten eines zentralistischen Modells aufgegeben79. Die Opposition innerhalb der AAU gründet darauf im Oktober 1921 die »Allgemeine Arbeiter-Union Deutschlands (Einheitsorganisation)«80.

Das Jahr 1923 stürzt die Weimarer Republik in einen existenzielle Krise. Die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen und der von der Reichsregierung unter dem Kanzler Wilhelm Cuno propagierte passive Widerstand dagegen, der mittels der Notenpresse finanziert werden soll und aus der schon galoppierenden Inflation eine Hyperinflation macht, ruiniert die Reichsfinanzen endgültig. Nach dem Sturz Cunos im Sommer übernimmt ein Koalitionskabinett unter Gustav Stresemann (DVP), bestehend aus SPD, Zentrum, DDP und DVP, die Regierung.

Die Bildung von SPD-KPD-Koalitionsregierungen in Sachsen und Thüringen im Herbst geht parallel mit der Weigerung Bayerns, die antirepublikanischen Umtriebe von rechts zu unterbinden. Zwar hat die KPD unter dem Druck der KomIntern mit dem bewaffneten Aufstand geliebäugelt, aber keinen Rückhalt in den vielbeschworenen »Massen« gefunden. Die Reichsregierung (mit dem Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) abgesprochen) löst das Problem wie üblich – sie verhängt die Reichsexekution über Sachsen und Thüringen, um die gegen rechts unzuverlässigen Reichswehrverbände nicht gegen Bayern schicken zu müssen.

Die KPD-Führung um Brandler und Thalheimer nimmt – in realistischer Einschätzung der Kräfteverhältnisse – relativ kampflos die Entmachtung der sächsischen und thüringischen Koalitionsregierungen durch die Reichsexekutive hin. Wahrscheinlich durch einen Kommunikationsfehler erreicht diese Entscheidung die KPD in Hamburg nicht81. Der gescheiterte Hamburger Aufstand der KPD vom 22. – 24. Oktober 1923 führt am 23. November zum reichsweiten Verbot nicht nur der KPD, sondern auch aller linksradikalen Organisationen einschließlich der FAUD, das bis zum 1. März 1924 andauert.82

In dieser Zeit gelingt es der Reichsregierung mit der Einführung der Rentenmark83 (15. November), die bis in schwindelnde Höhen angestiegene Inflation in den Griff zu bekommen und der Weimarer Republik eine kurze ökonomische und politische Stabilitätsphase zu bescheren, die mit dem New Yorker Börsenkrach 1929 endet.

Die AAUE in Hamburg bricht während der Illegalität faktisch zusammen. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum Roche zur Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands wechselt, um spätestens im Juli 1924 (wieder) in der FAUD aktiv zu werden84. Im FAUD-Verlag erscheint im selben Jahr seine Broschüre Der Proletarische Ideenmensch.85

Roche gehört zu den Initiatoren vom Block antiautoritärer Revolutionäre in Norddeutschland, der seit 1924 versucht, die radikale nichtbolschewistische Linke in Norddeutschland zumindest zu einer Aktionseinheit zusammenzufassen. In diesem Sinne ist auch die Konferenz des Bezirkes Nord-West der FAUD(S) vom 27. – 28. Dezember 1924 in Bremen gestaltet. Roche ist Referent der FAUD zum zentralen Thema: »Die Aufgaben der anti-autoritären Organisationen im Bezirk Nord-West«. An dieser Konferenz nehmen auch Vertreter der SAJD, AAUE, der IWW und der Hamburger Anarchisten teil86.

1925 erscheint von Roche die Broschüre Arbeiterjugend und natürliche Ordnung87. Er schreibt regelmäßig für das FAUD-Organ Der Syndikalist, außerdem für die seit 1927 erscheinende theoretische Zeitschrift Die Internationale und andere syndikalistische Publikationen.

In seiner letzten größeren Veröffentlichung, dem 1929 als Artikelserie in Der Syndikalist erschienenen »Handbuch des Syndikalismus«88 faßt er nochmal sein politisches Credo zusammen.

Seine letzten Lebensjahre ist Roche ein schwer kranker Mann. Er stirbt am 1. Januar 1931, wenige Monate nach seinem 68. Geburtstag. »Sein letzter Gruß, den er uns unmittelbar vor seinem Tode schrieb, enthielt ein Versprechen weiterer schriftstellerischer Mitarbeit, der seine letzte Sorge galt.« heißt es in dem Nachruf, der im Syndikalist89 erscheint. Und in der von Erich Mühsam herausgegebenen Zeitschrift Fanal schreibt Rudolf Rocker: »Seine rastlose Arbeit hat ihm nie Reichtum eingebracht; er ist als bitterarmer Proletarier gestorben, wie er immer gelebt hat90

 

Anmerkungen

1) Dies betrifft vor allem die – immer mal wieder reproduzierten – biographischen Angaben bei Hans Manfred Bock, demzufolge Roche »um die Jahrhundertwende als junger Seemann zur 'Freien Vereinigung' gekommen war« , und die auf einer Mitteilung von Augustin Souchys an Bock basieren (Bock 1969 und Bock 1993, S. 104; ebenso der Artikel Karl Roche auf der englischen Wikipedia). Souchy hat ganz offensichtlich Roche mit Ernst Schneider ('Icarus') verwechselt; zu Ernst Schneider siehe Schneider [1943]; Schneider [2003]; Mohrhof 2008, S. 30.
2) Die Schreibweise – Carl oder Karl – variiert, vor allem in den Akten der diversen mit der Überwachung 'subversiver Elemente' betrauten Dienststellen. Roche selbst schreibt seit den 1890er Jahren in seinen Publikationen seinen Vornamen mit 'K'.
3) Roche 1909, S. 31; LaB, Apr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 31; genaueres zu den Kindern konnten wir bisher nicht ermitteln.
4) LaB A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 3
5) Roche 1909, S. 12 – er verließ die Schule wahrscheinlich mit 14 Jahren, möglicherweise als Waise oder Halbwaise; so läßt sich zumindest eine Bemerkung in Roche 1919c, S. 7, deuten: »Der junge Arbeiter, der mit 14 Jahren sich selbst überlassen und auf den Arbeitsmarkt geworfen wird … «
6) darauf weisen die Verurteilungen zwischen 1881 und 1886 sowie Bemerkungen in Roche 1919c, S. 7 und Roche 1919d, S. 6 hin (siehe auch Roche 2009, S. 46 und S. 55 f.).
7) StAH PP 331-3 S 7762; LaB A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 3
8) Roche 1909, S. 7
9) LaB A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 3 – ob der Verlust seines Auges krankheitsbedingt oder aufgrund einer Verletzung geschah, war bisher nicht zu ermitteln.
10) Roche 1909, S. 7
11) Gegründet 1890, seit 1894: »Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands« – siehe hierzu Festschrift 1913 und Schuster 2000.
12) StAH PP 331-3 S 7762
13) Gegründet 1891 als »Verband der Bauhilfsarbeiter und verwandter Berufsgenossen« seit 1905: »Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands«; seit 1908: »Zentralverband der Bauhülfsarbeiter Deutschlands«; 1910 mit dem »Zentralverband der Maurer Deutschlands« zum »Deutschen Bauarbeiterverband« zusammengeschlossen – siehe Schuster 2000; s.a. Rütters – Zimmermann 2005, S. 44; 116 ff.
14) siehe z.B. die auf der Internet-Seite des Archiv Karl Roche aufgeführten Versammlungshinweise und Artikel aus dem Verbandsorgan Der Arbeiter.
15) StAH PP 331-3 S 7762
16) siehe StAH PP 331-3 S 7762: »Roche war bereits vom 1/10. 01 bis 1/2. 02 hier [Luruperweg 58] gemeldet und hat sich am 11/2. 02 auf Wanderschaft und am 4./4. 02 nach Barmen abgemeldet.«
17) Albert Töpfer, Mitglied des Hauptvorstandes und Redakteur des Arbeiter, schrieb Roche am 21. 3. 1905: »Auf dem Verbandstag (in Leipzig, K.R.) wird man um die Anstellung von zwei oder drei Gauleitern nicht umhin können. Ebenso bedarf es noch einer tüchtigen Kraft im Hauptvorstand und wenn man das Blatt achtseitig schafft, (wozu nicht geringe Luft vorhanden ist), auch einen tüchtigen Redakteur. Da tritt wieder die Frage auf: Wen? Ueberfluß an wirklich tüchtigen Leuten haben wir ganz gewiß nicht. Ich darf mir wohl die Frage erlauben, wie Du Dich zu irgend einem der angedeuteten Posten stellen würdest?« (mitgeteilt bei KR, Ich bin des trockenen Tons nun satt; in: Einigkeit, Nr. 36, 4. 9. 1909)
18) Roche wohnte zu dieser Zeit in der Wiemelhauserstr. 38a (heute: Universitätsstraße); im Vorderhaus (Wiemelhauserstr. 38) wohnte Paul Runge, Parteisekretär des Sozialdemokratischen Volksvereins für den Wahlkreis Bochum-Gelsenkirchen-Hattingen-Witten (Adreßbuch der Stadt Bochum 1907)
19) Roche 1909, S. 7; StAH PP 331-3 S 7762
20) StAH PP 331-3 S 7762 [Schreiben der Polizeiverwaltung des Oberbürgermeisters von Bochum an die Polizeibehörde Hamburg, 20. 5. 1907]
21) Lebenshaltung und Arbeitsverhältnisse der Deutschen Bauhülfsarbeiter. Herausgegeben vom Hauptvorstand des Zentralverbandes der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands, Hamburg 1908 – 76 S. (Verlag: Verband der Baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands Gustav Behrendt);
Die Tarifverträge der baugewerblichen Hülfsarbeiter bis zum Jahre 1907. Verband der Baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands, Hamburg 1908. – 483 S. (Verlag: Verband der Baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands Gustav Behrendt);
Zur Entwicklungsgeschichte des Verbandes der baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Mit einem Anhang über die bis Ende 1907 vom Verband abgeschlossenen Tarifverträge. Herausgegeben vom Zentralvorstand, Hamburg, 1909. – 76 S.;
für die Autorenschaft und die Umstände der Entstehung siehe Roche 1909, S. 11 – 14
22) Roche 1909, S. 11
23) einige biographische Angaben bei Schmit 1932, S. 1695 – allerdings eine völlig unkritische Eloge des amtierenden Grundstein-Redakteurs auf Töpfer.
24) Roche 1909, S. 10; Urteil des Schöffengerichts Hamburg vom 7. Mai 1910 gegen Fritz Kater und Karl Roche, in Auszügen mitgeteilt bei Karl Roche, Eine Nachlese; in: Einigkeit, Nr. 42, 15. 10. 1910
25) Roche 1909, S. 14ff
26) Roche 1909, S. 29f.
27) Osdorf wurde 1927 nach Altona eingemeindet, das wiederum 1937 mit dem »Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen«, kurz »Groß-Hamburg-Gesetz«, zu Hamburg geschlagen wurde; siehe wikipedia Hamburg-Osdorf; wikipedia Groß-Hamburg-Gesetz.
28) Roche 1909, S. 3
29) Die FVdG ging aus der lokalistischen Opposition innerhalb der sozialdemokratischen Freien Gewerkschaften hervor. Ursprünglich aus revolutionären Sozialdemokraten bestehend, die den reformistischen Kurs der Zentralverbände der Generalkommission ablehnten, wurde den Lokalisten 1907 von der Partei das Ultimatum gestellt, innerhalb eines Jahres sich den Zentralverbänden anzuschließen oder aus der SPD rauszufliegen. Die eine Hälfte (etwa 8000 Mitglieder) unterwarf sich, während die andere Hälfte mit den Sozialdemokraten brach und sich rasch dem revolutionären Syndikalismus annäherte. Nach dem 1. Weltkrieg entstand aus ihr die »Freie Arbeiter-Union Deutschlands«. (siehe Aigte 1930/1931; Bock 1969 und Bock 1993; Fricke 1988, S. 1010 – 1021; SyFo [2007]; Kater 1912; Klan/Nelles 1990; Kulemann 1908; Rübner 1994; Vogel 1977; einen schnellen Überblick und reichen Materialfundus bietet zudem die Internet-Seite des Instituts für Syndikalismusforschung).
30) Roche 1909; die Broschüre wurde erstmals in der Einigkeit, Nr. 31, 31. 7. 1909, angekündigt, ist also spätestens Anfang August erschienen. – Im Revolutionsjahr 1919, nach zehn Jahren, bringt Roche den »Sumpf« noch einmal heraus, denn, wie er im Vorwort zur Neuausgabe schreibt: »Die Zentralverbandsführer in Hamburg wie auch die Rechtssozialisten verbreiten Gerüchte über mich, hinterhältig und verlogen. Der „Rote Sumpf“ dient ihrem verleumderischen Beginnen zur Grundlage. Daher habe ich mich entschlossen, diese Schrift neu herauszugeben. … Das Schriftchen hat außer seinem historischen Interesse auch für den Tageskampf der Gegenwart Wert.
Auch eine gewisse Genugtuung beschleicht mich: Was ich vor zehn Jahren über die Arbeiterbewegung und deren Führer auszusprechen wagte, wofür ich geächtet wurde — heute sagen dasselbe Millionen.« (Roche 1919a, S. 1 f)
31) Der Bau-Hilfsarbeiter, Nr. 32, 7. 8. 1909
32) Hamburger Echo, Nr. 189, 15. 8. 1909
33) Der Bau-Hilfsarbeiter, Nr. 35, 28. 8. 1909
34) Karl Roche, Heraus mit dem Flederwisch!; in: Einigkeit, Nr. 33, 14. 8. 1909
35) Karl Roche, Eine Nachlese; in: Einigkeit, Nr. 42, 15. 10. 1910; Hamburger Echo, Nr. 106, 8. 5. 1910; Hamburger Echo, Nr. 213, 11. 9. 1910
36) Urteil des Schöffengerichts Hamburg vom 7. Mai 1910 gegen Fritz Kater und Karl Roche, in Auszügen mitgeteilt bei Karl Roche, Eine Nachlese; in: Einigkeit, Nr. 42, 15. 10. 1910
37) zum »Reichsverband« siehe Fricke 1970
38) Lübecker Volksbote, Nr. 177, 1. 8. 1910
39) LaB, A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 31
40) Der Bau-Hilfsarbeiter, Nr. 2, 8. 1. 1910
41) Kampf. (Unabhängiges) Organ für Anarchismus und Syndikalismus; erschien von 1912 bis 1914 in Hamburg; mit Sicherheit stammt der mit »K. R.« gezeichnete Artikel »Evolution rückwärts« (Jg. 1, Nr. 2, August 1912, Beiblatt, [S. 7 – 8]) von Roche; der mit »R.« gezeichnete Artikel »Aus der journalistischen Düngergrube am Speersort« (ebd., [S. 8] ist nicht sicher Roche zuzuordnen, sein Sprachstil macht es aber wahrscheinlich). – Zum Kampf siehe KAMPF! – Vorwort zum Reprint 1986 (Hamburg); zum Anarchismus in Hamburg vor dem 1. Weltkrieg siehe Heinzerling 1988.
42) zum Konzept der Arbeiterbörsen siehe Barwich [1923]
43) Rübner 1996, S. 75; zu den Aktivitäten der syndikalistischen Seeleute kurz vor dem 1. Weltkrieg siehe Mohrhof 2008
44) offiziell vom Bremer Delegierten Franz Martin auf dem 11. Kongreß der FVdG im Mai 1914 vorgeschlagen; siehe Rübner 1996, S. 76, Anm. 35
45) Rübner 1996, S. 76, Anm. 35
46) Rübner 1996, S. 77
47) Roche 1912 – wir halten die von Angela Vogel vermutete Auflösung des Pseudonyms (siehe Vogel 1977, S. 252, Anm. 26) nach Durchsicht der unter dem Namen Diogenes publizierten Artikel in der Einigkeit und im Pionier für überzeugend. Roche benutzte dieses Pseudonym später auch noch im Syndikalist.
48) Thorpe 1978, S. 57; Thorpe 1989, S. 69 ff – Roche berichtete in der Einigkeit (Nr. 41 und 42, 11. und 18. Oktober 1913) und im Pionier (Nr. 42, 15 Oktober 1913) über den Kongreß. – Zusammenfassend zum Kongreß: Thorpe 1978, Thorpe 1989.
49) LaB, A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 19 & 20
50) siehe die Dokumentation Den Kapitalismus muß man nicht totglauben, den Kapitalismus muß man totkämpfen. Karl Roche und die Genossenschaftsfrage 1911 – 1914; in: barrikade, Nr. 7, April 2012, S. 26 – 29. 
51) Bock 1969 und Bock 1993; Rübner 1994; Aigte 1930/1931
52) Das Weitererscheinen des »Mitteilungsblatt« verboten!; in: Rundschreiben, Nr. 1, 15. 6. 1915
53) Rundschreiben, Nr. 47, 15. Mai 1917 – zusammenfassend dazu Thorpe 2000.
54) LaB, A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 29; Bl. 31
55) LaB, A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 29; Bl. 32
56) LaB, A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 29; Bl. 33
57) Fricke war vor dem Krieg Verleger und verantwortlicher Redakteur des Kampf bis Nr. 10 (siehe KAMPF_Anhang).
58) Hat Roche, wie wir in der ersten Fassung dieser biographischen Skizze noch ziemlich überzeugt behauptet haben,(siehe AKR 2009, S. 5 f) zum Untergrundnetz der FVdG gehört, das den Zusammenhalt der Syndikalisten für die Zeit nach dem Kriege erfolgreich sicherte? Den oben zitierten Überwachungsakten zufolge hat er sich bis zu seinem Umzug nach Hamburg von der Bewegung ferngehalten. Das kann stimmen. Roche hatte sich während der Zeit beim Hauptvorstand des »Verbandes« Rheumatismus in den Beinen zugezogen und war demzufolge in seiner Mobilität eingeschränkt (siehe Roche 1909, S. 8f). Eine der wenigen Versammlungen der Hamburger FVdG während des Krieges fand am 8. Juli 1917 statt, an der 56 Personen, überwiegend Werftarbeiter, teilnahmen; Fritz Kater, der ursprünglich dort sprechen sollte, konnte nicht kommen; siehe Ullrich 1976 (Band 2), S. 153, Anm. 34.
Ob Roche Kontakt zur linken Opposition in der Hamburger SPD um Heinrich Laufenberg und Fritz Wolffheim hatte, die später an der Gründung der KPD wie der KAPD führend beteiligt waren, konnten wir bisher nicht ermitteln.
59) Zeugnis der Vulcan Werke, vollständig zitiert in Isegrim (d. i. Karl Roche), An der Unterweser; in: Syndikalist, Jg. 6, Nr. 30, 26. Juli 1924, Beilage.
60) LaB, A Pr. Br. Rep. 030 Nr. 16490, Bl. 37
61) Die Umbenennung hatte der 11. Kongreß der FVdG im Mai 1914 beschlossen, seine Umsetzung wurde allerdings durch den Kriegsausbruch und das Verbot verhindert; siehe Rübner 1996, S. 82, Anm. 58
62) Syndikalist, 1. Jg. 1918/19, Nr. 7
63) Syndikalist, 1. Jg., 1918/19, Nr. 14
64) siehe etwa Kuckuk 1996, S. 22
65) alle vier Broschüren sind nachgedruckt in Roche 2009
66) vollständig zitiert in Isegrim (d. i. Karl Roche), An der Unterweser; in: Syndikalist, Jg. 6, Nr. 30, 26. Juli 1924, Beilage.
67) Politische Polizei Hamburg – Wochenbericht Nr. 9 vom 13. 10. 1919; zitiert auf der Webseite des AKR: http://archivkarlroche.wordpress.com/2009/05/03/der-hetzer-roche/
68) Die unionistische Bewegung entstand spontan in der ersten revolutionären Nachkriegsphase. Sie orientierte sich theoretisch mehrheitlich am revolutionären Marxismus, organisatorische Grundlage war die berufsübergreifende Betriebsorganisation (im Bergbau die Schachtorganisation); aufgebaut war sie in der Regel nach dem Räteprinzip. Ein kleinerer Teil der Unionisten schloß sich im Dezember 1919 mit der FVdG zur FAUD zusammen (Rocker 1919), die Mehrheit beteiligte sich am Gründungsprozeß der AAUD, während eine weitere Strömung (»Union der Hand- und Kopfarbeiter«) sich zeitweilig der KPD annäherte (die darüber nicht immer sehr glücklich war). Aus dieser Strömung entstanden nach 1925 die »Revolutionären Industrie-Verbände«. (Bock 1969 und Bock 1993; Bötcher 1922; Hermberg 1922; Langels 1989; siehe auch Bärhausen u.a. 1986, S. 8)
69) Die Hamburger KPD gehörte fast vollständig zur antiparlamentarisch-antigewerkschaftlichen Opposition gegen die Berliner Zentrale; siehe Protokoll KPD 3. Parteitag.
70) siehe Bock 1969 und Bock 1993, S. 188 ff; Böttcher, S. 75 ff.
71) Der Gründungsparteitag der KAPD fand am 4. und 5. April 1920 in Berlin statt; siehe Bock 1977.
72) siehe Bock 1969 und Bock 1993, S. 188ff; Siegfried 2004, S. 128f.
73) Bekannte Vertreter sind, neben Roche (Hamburg), der Herausgeber der Berliner Aktion, Franz Pfempfert, und Otto Rühle (Dresden).
74) siehe Die 3. Reichskonferenz der AAUD, 12. – 14. Juni 1920 in Leipzig. Eingeleitet und bearbeitet von Jonnie Schlichting; in: barrikade Nr. 7, April 2012, S. 34 – 39.
75) siehe Bock 1969 und Bock 1993, S. 214f; zu Hamburg siehe auch: Partei oder Gewerkschaft; in: Alarm, Jg. 3/1921, Nr. 19
76) Angress 1972, S. 139ff; Bock 1969 und Bock 1993, S. 295ff.
77) Zeitdokument; in: Alarm, Jg. 3/1921, Nr. 17
78) so spricht Roche am 27. 11. 1921 auf einer Veranstaltung der FAUD zur Ermordung des spanischen Ministerpräsidenten Dato durch zwei CNT-Genossen über die Leiden der Festungsgefangenen in Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel; siehe: ZP-Stelle Hamburg – Bericht # 105 – 29.11.1921 (Staatsarchiv Bremen 4,65).
79) siehe Siegfried 2004, S. 129
80) siehe Bock 1969 und Bock 1993, S. 214f
81) siehe Voß 1981; Wollenberg 1973
82) siehe Voß u.a. 1981
83) Eine Rentenmark = 1 Billion Papiermark; 1 US$ = 4,20 Rentenmark
84) Der erste von Roche signierte Artikel im Syndikalist erschien schon in der Ausgabe 43 – 44/ 4. November 1923 – gleich nach den KPD-Putsch vom 23. Oktober in Hamburg: »Die Opfer einer politischen Narrheit«.
85) Roche 1924
86) Die Konferenz des Bezirks Nordwest der FAUD und der Block antiautoritärer Revolutionäre.Bremen am 27. und 28. Dezember 1924 – Eine Dokumentation. Eingeleitet und bearbeitet von Jonnie Schlichting; in: barrikade Nr. 4, Dezember 2010, S. 15 – 22.
87) Roche 1925
88) Roche 1929
89) Karl Roche [Nachruf]; in: Syndikalist, Jg. 11, Nr. 2, 10. 1. 1931 [http://www.syndikalismusforschung.info/rochetod.htm]
90) R [Rudolf Rocker?], Karl Roche; in: Fanal, Jg. 5 (1930/1931), Nr. 5, Februar 1931, S. 119 [http://archivkarlroche.wordpress.com/archiv-karl-roche/nachruf-aus-fanal/]

Quellen
1. Archive
 AKR: Archiv Karl Roche Hamburg
 LaB: Landesarchiv Berlin
 StAH: Staatsarchiv Hamburg
 SyFo: Institut für Syndikalismusforschung Bremen
2. Periodika
 AGWA: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit (Germinal)
 Alarm: Alarm. Organ für freien Sozialismus [Herausgegeben von Carl Langer], Hamburg
 barrikade: barrikade Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus, Hamburg (AKR)
 Einigkeit: Die Einigkeit. Organ der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, Berlin
 Internationale (FAUD): Die Internationale. Zeitschrift für revolutionäre Arbeiterbewegung, Gesellschaftskritik und sozialistischen Neuaufbau. Hrgg. von der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (AS), Berlin
 Kampf: Kampf. (Unabhängiges) Organ für Anarchismus und Syndikalismus, Hamburg
 KAZ (Hamburg): Kommunistische Arbeiter-Zeitung, [Organ der KPD, Ortsgruppe Hamburg; seit 1920: Organ der Kommunistischen Arbeiterpartei und der Allgemeinen Arbeiterunion Deutschlands, hrgg. von der Ortsgruppe Hamburg], Hamburg
 Mitteilungsblatt: Mitteilungsblatt der Geschäftskommission der Freien Vereinigung Deutscher Gewerkschaften, Berlin
 Pionier: Der Pionier. Unabhängiges sozialrevolutionäres Organ, Berlin
 Rundschreiben: Rundschreiben an die Vorstände und Mitglieder aller der Freien Vereinigung Deutscher Gewerkschaften angeschlossenen Vereine, Berlin
 Syndikalist: Der Syndikalist. Organ der Sozialrevolutionären Gewerkschaften Deutschlands; seit 1920: Organ der Freien Arbeiter-Union Deutschlands, Berlin
 Unionist: Der Unionist. Organ der Allgemeinen Arbeiter-Union, Wirtschaftsbezirk Wasserkante; seit 1921: Organ der Allgemeinen Arbeiter-Union (Einheits-Organisation), Wirtschaftsbezirk Wasserkante, Hamburg
3. Literatur
 Aigte 1930: Gerhard Aigte, Über die Entwicklung der revolutionären syndikalistischen Arbeiterbewegung Frankreichs und Deutschlands in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Freie wissenschaftliche Arbeit; in: Internationale (FAUD), Jg. IV, Nr. 2 (Dezember 1930) bis Nr. 10 (August 1931) – teilweiser Neudruck unter dem Titel Gerhard Aigte, Die Entwicklung der revolutionären syndikalistischen Arbeiterbewegung Deutschlands in der Kriegs- und Nachkriegszeit (1918-1929), Bremen 2005 (FAU Bremen)
 Angress 1973: Werner T. Angress, Stillborn Revolution. Die Kampfzeit der KPD 1921 – 1923 [1963], Wiener Neustadt (Räteverlag)
 AKR 2009: Archiv Karl Roche, Wer war Karl Roche? Eine biographische Skizze; in: Roche 2009
 Bärhausen u.a. 1986: Anne Bärhausen/ Ruth Meyer/ Rüdiger Zimmermann, Baugewerkschaften in der Bibliothek der Sozialen Demokratie/ Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung. 2. erg. Aufl., Bonn
 Barwich [1923]: Studienkommission der Berliner Arbeiterbörsen/Franz Barwich (1923), »Das ist Syndikalismus«. Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus. Mit Texten von Franz Gampe, Fritz Kater, Augustin Souchy u.a. Mit einer Einleitung von Helge Döhring, Frankfurt/M 2005 (Edition AV) – erweiterter und vermehrter Neudruck von: Franz Barwich, Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus. Mit einem Vorwort von A. Souchy, Berlin [1923] (Der Syndikalist)
 Barwich u.a. 1973: Franz Barwich/ Erich Gerlach/ Arthur Lehning/ Rudolf Rocker/ Helmut Rüdiger, Arbeiterselbstverwaltung, Räte, Syndikalismus, Berlin/W (Karin Kramer)
 Bock 1969: Hans Manfred Bock, Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Zur Geschichte und Soziologie der Freien Arbeiter-Union (Syndikalisten), der Allgemeinen Arbeiter-Union Deutschlands und der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, Meisenheim am Glan (Anton Hain)
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 Bock 1993: Hans Manfred Bock, Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Ein Beitrag zur Sozial- und Ideengeschichte der frühen Weimarer Republik. Aktualisierte und mit einem Nachwort versehene Neuausgabe [von Bock 1969 – die Seitenzählung ist bei beiden Ausgaben identisch], Darmstadt (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft)
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 Roche 1909: Karl Roche, Aus dem roten Sumpf oder Wie es in einem nicht ganz kleinen Zentralverband hergeht, Berlin (Verlag Fritz Kater)
 Roche 1912: Karl Roche (Diogenes), »Die Ohnmacht der Sozialdemokratie im Deutschen Reichstag, eine Wanderung durch die Berichte der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion«, Berlin (Fritz Kater)
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 Roche 1919b: Karl Roche, Was wollen die Syndikalisten? Programm, Ziel und Wege der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, Berlin (Verlag »Der Syndikalist«)
 Roche 1919c: Karl Roche, Einheitslohn und Arbeitersolidarität [Vortrag, gehalten am 20. April 1919], Berlin (Verlag »Der Syndikalist«)
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 Roche 1919e: Karl Roche, Organisierte direkte Aktion, Berlin (Verlag »Der Syndikalist« Fritz Kater).
 Roche 1920: Karl Roche, Demokratie oder Proletarische Diktatur! Ein Weckruf der Allgemeinen Arbeiter-Union, Ortsgruppe Hamburg, Hamburg
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 Roche 1924: Karl Roche, Der Proletarische Ideenmensch, Berlin (Der Syndikalist)
 Roche 1925: Karl Roche, Arbeiterjugend und natürliche Ordnung, Berlin (Der Syndikalist)
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 Roche 2009: Karl Roche, Sozialismus und Syndikalismus. Agitationsschriften aus dem Jahre 1919 (Archiv Karl Roche #2) Moers (Syndikat A)
 Rübner 1994: Hartmut Rübner, Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus (Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte Band 5), Berlin – Köln (Libertad)
 Rübner 1996: Hartmut Rübner, Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933; in: AGWA No. 14/1996 (Germinal)
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 Siegfried 2004: Detlef Siegfried, Das radikale Milieu. Kieler Novemberrevolution, Sozialwissenschaft und Linksradikalismus 1917 – 1922, Wiesbaden (DUV)
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 Voß 1981: Angelika Voß, Der »Hamburger Aufstand« im Oktober 1923; in: Voß u.a. 1981
 Voß u.a. 1981: Angelika Voß/ Ursula Büttner/ Hermann Weber, Vom Hamburger Aufstand zur politischen Isolierung. Kommunistische Politik 1923 – 1933 in Hamburg und im Deutschen Reich, Hamburg (Landeszentrale für politische Bildung)
 Wollenberg 1973: Erich Wollenberg, Der Hamburger Aufstand und und die Thälmann-Legende, in: Schwarze Protokolle. Zur Theorie der linken Bewegung, Nr. 6/Oktober 1973, Berlin/W

* * *

Schon wieder Seidman!

Im September schlug der us-amerikanische Historiker Michael Seidman erneut zu.

Er nahm sich das Buch des englischen Historikers Paul Preston The Spanish Holocaust in der Londoner Times – dem TLS – Times Literary Supplement – vom 7. September 2012 vor. Hier ist die Rezension. Daran anschließend eine öffentliche Antwort des schottischen Genossen Stuart Christie  (http://www.christiebooks.com/ChristieBooksWP/2012/09/the-tls-letter-to-the-editor-whatever-happened-to-serious-and-authoritative/) die wir (vorerst) nur im Original wiedergeben – die Übersetzung ist bereits in Arbeit. Sollte jemand die Kapazität haben, die Seidman-Rezension zu übersetzen, wären wir äußerst dankbar.

Seidman-Victimized-TLS-7-Sep-12

Hier die Ünersetzung:

Spitzfindigkeiten eines offenen Pro-Franco-Kritikers

Anmerkungen zur Rezension Michael Seidmans von Paul Prestons “Der Spanische Holocaust”

Times Literary Supplement, 7. September 2012

Was ist mit dem herausgeberischen Urteilsvermögen bei TLS los? Was in aller Welt hat den Herausgeber dazu verleitet, das herablassende und unverschämte Gelaber eines Pro-Franco-Apologeten wie Michael Seidman in seiner Buchbesprechung von Paul Prestons “Der Spanische Holocaust” zu veröffentlichen?

Wenn man von Beschwerden über Prestons „Diskreditierung des moralischen Kapitals der Nationalisten“ einmal absieht, scheint Seidmans wichtigste Kritik die Verwendung des Begriffs „Holocaust“ zur Beschreibung des Blutbads, das von „rebellischen Offizieren“ ausgelöst wurde, „die bald von Mussolini und Hitler unterstützt wurden“ (womit unterstellt wird, dass keines der beiden Regimes an den Plänen zum Umsturz der Republik beteiligt war). Diese Ablehnung des Wortes Holocaust ist entweder akademische Pedanterie oder ein übereifriger politischer Versuch Seidmans, den Begriff ausschließlich und natürlich ungebeten für die jüdischen Opfer des Nazi-Antisemitismus zu vereinnahmen; auf Kosten der 5, 6 oder 7 Millionen anderen Opfer der Nazi-Mordmaschine – Antifaschisten (jüdisch und nicht-jüdisch), Intellektuelle, Sozialisten, Anarchisten, Kommunisten, Liberale, Zeugen Jehovas, Roma, geistig Kranke, Behinderte usw. usw. – zwischen Januar 1933 und Mai 1945.

Bisher habe ich auch noch nichts gesehen von der von Seidman beschriebenen “Lawine neuerer Literatur”, die „Prestons antiquierte Sichtweisen“ der Repression in der republikanischen Zone „in Frage stellt“, nämlich dass sie

„Teil eines größtenteils absichtlichen und kalkulierten Versuchs war, (sehr allgemein definierte) ‚Faschisten’ und Rechte zu eliminieren – ebenso wie Mitglieder des Klerus, die für eine fünfte Kolonne und potentielle Hindernisse für die Arbeiter- oder Volksrevolution gehalten wurden. Diese Morde standen in enger Verbindung mit den linken Parteien, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten und wurden gewöhnlich von diesen gutgeheißen.“

Wie Seidmann (oder sonst jemand) schlussfolgern kann, dass solch eine Verschwörung zwischen so unterschiedlichen und miteinander konkurrierenden Gruppen der „Linken“ existierte, ist mir ein Rätsel und wirft ein ungünstiges Licht auf sein Verständnis von Geschichte, Politik und Kultur Spaniens zwischen den beiden Weltkriegen. Hätte es solch eine Verschwörung gegeben, wäre sie wahrscheinlicher von der nationalen und regionalen Führung gegen ihre eigenen bekannten Dissidenten gerichtet gewesen – einfache Kämpfer und Intellektuelle, die die Parteihegemonie in Frage gestellt hatten – und nicht die unbekannten Mitglieder der fünften Kolonne, die hinter den republikanischen Linien geschnappt wurden, sich oftmals den Gewerkschaften einschließlich der CNT, der kommunistischen oder der sozialistischen Partei anschlossen und häufig die allerdogmatischsten Parteigetreuen waren.

Seidman tut so, als wäre alles erst 1936 losgegangen. Mord und Chaos auf beiden Seiten: zugestanden. Grausamer Mord aufgrund von Abneigung, Eigeninteresse, Gier usw. – das ganze Spektrum war abgedeckt. Zugegeben: niemand war über jeden Tadel erhaben und, wie ich selbst in meinem neuesten dreibändigen Werk ¡Pistoleros! – 1918-24” gezeigt habe, gab es auch keinen Mangel an Täteren im anarchistischen Lager.

Dennoch, Seidmans eigene Zahlen aus dem Zeitraum “während des spanischen Konfliktes” (ich nehme an, er meint 1936-39, also den Bürgerkrieg) belegen ein 13 zu 5 Verhältnis an Tötungen zugunsten der Nationalisten (Faschisten, katholische Autoritäre und Vertreter von „Ein Spanien“). Letzteres erklärt, wie sich Generäle wie z.B. Cabanellas – die in den frühen Jahren der Republik und Monarchie Freimaurer und/oder Republikaner gewesen waren – in „Faschisten“ verwandelt haben. Oder hatten sie schon immer diese autoritäre Einstellung? Eine Einstellung, die sie mit vielen (bis gestern noch Monarchisten) „Neurepublikanern“ gemeinsam hatten, was Vorfälle erklären kann wie die blutige Repression von Castilblanco 1931, Arnedo 1932 und Casas Viejas 1933 etc., und die Einrichtung der Guardia de Asalto als Polizeitruppe zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Der berüchtigte „Republikaner“ und Freimaurer Eduardo López Ochoa führte die Niederschlagung und Unterdrückung des Aufstands in Asturien 1934 an. „Republikanisch“ hieß nicht automatisch „links“, noch nicht einmal „liberal“. Daher auch die Skepsis in den Reihen der CNT. Siehe dazu Melchor Rodriguez’ Artikel “April to April” (KSL Bulletin), der die Opfer der Sicherheitskräfte der neuen Republik gezählt hat.

Die Vernarrtheit in die Romantisierung der Republik lässt uns vor ihren raueren Seiten die Augen verschließen, die die Armen und die arbeitenden Klassen erleben mussten. Die Kirche, die besitzenden Klassen und die Anhängern von „Ein Spanien“ fühlten sich möglicherweise durch Teile der republikanischen Rhetorik und Gesetzgebung angegriffen, aber sie waren nicht Schlagstöcken, Kugeln und Artilleriefeuer ausgesetzt wie die Arbeitenden. Wurde General Sanjurjo nach seinem versuchten Putsch gegen die Republik 1932 genauso hart bestraft wie der Bauer Seisdedos oder die aufständischen Bergleute und Bauern von Llobregat? Einzelheiten der unterschiedlichen Behandlung wären interessant.

Ablehnung der Republik allein war noch kein Vergehen, sofern sie nicht in praktische Aktion mündete wie Desertieren, Widerstand, praktische Opposition. Doch unter dem frankistischen Befehl 108 der National(istisch)en Verteidigungsjunta (13/09/36) wurde die Beschlagnahmung von Eigentum derer vorgesehen, die für Widerstand gegen die nationalistische Bewegung „direkt oder unterschwellig verantwortlich, durch Handeln oder Anstiftung“ sein sollten.

Das frankistische Politische Transparenzgesetz vom 9.2.39 (das die Beschlagnahmung von Gütern regelt) wurde im Nachhinein anwendbar erklärt auf die Ereignisse von Oktober 1934 (was einem einen Hinweis auf die Geistesverfassung der Gesetzgeber gibt: warum nicht 1931, 32, 33?), und sollte der/die Beschuldigte in der Zwischenzeit verstorben sein, gingen alle Verbindlichkeiten und Strafzahlungen, die daraus entstanden, auf seine/ihre Erben oder Verwandten über. Zwei Drittel dieser Beschlagnahmungen betrafen „Übeltäter“ aus der Arbeiterklasse und viele davon mussten erlassen werden, nicht aus Mitleid, sondern mangels beschlagnahmbarer Güter. Bußgelder wurden erlassen und durchgesetzt gegen Republikaner und andere, die bereits 1936 erschossen wurden. Der sozialistische Volksfrontfunktionär (PSOE) Vicente Martin Romera (ermordet am 7. August 1936 in Madrid auf Befehl von Colonel Cascajo) bekam ein Nachkriegs- und nachträgliches Bußgeld von 125 000 Peseten, die seine Familie aufbringen musste, um „freien Zugang zu seinem Besitz“ zu erhalten.

Bußgelder und Beschlagnahmungen waren oft Begleitumstände von Hinrichtungen (und zwar sowohl vor- als auch nachher). In Albacete hatten 43 % der von Kriegsgerichten verurteilten ein Verfahren nach dem Politischen Transparenzgesetz und 80% der Bestraften waren Landarbeiter oder Handwerker. 1942 ersetzte eine Änderung dieses Gesetzes ökonomische Sanktionen mit Berufsverboten, bis das Gesetz am 13.4.45 außer Kraft gesetzt wurde – in Bezug auf neue Fälle. Die bereits laufenden Vorgänge wurden bis 10.11.66 weiter verfolgt. Ich möchte die Republik nicht romantisieren, aber (von einer kommunistischen Machtübernahme abgesehen) bezweifle ich, dass eine Verfolgung in diesem Ausmaß stattgefunden hätte.

Zu Seidmans außerordentlicher Feststellung, dass “Nationalisten verhältnismäßig mehr Kriegsgefangene in ihre Armee eingegliedert haben als alle anderen an Bürgerkriegen im Mitteleuropa des 20. Jahrhundert beteiligten Parteien“ – ist Seidman nicht klar, dass die Kriegsgefangenen in dieser Frage keine Wahl hatten, da die einzige Alternative ein Hinrichtungskommando und ein Massengrab waren? Dieser Bezug auf das nationalistische Recycling von Kriegsgefangenen soll Prestons Anschuldigungen betreffs „Vernichtungsprogrammen“ widerlegen, aber tut er das? In welche Einheiten wurden sie wiedereingegliedert? Wie wurden sie kommandiert, diszipliniert und eingesetzt? In welchen Sektoren wurden sie eingesetzt? Gegen welche republikanischen Kräfte? Gab es möglicherweise Abschreckungsmaßnahmen gegen Zurückweichler? (Maschinengewehre à la Trotzki im russischen Bürgerkrieg oder à la Stalin im Zweiten Weltkrieg? Wie hoch war ihre Sterblichkeitsrate verglichen mit nationalistischen „Freiwilligen“einheiten oder regulären Kräften? Ich weiß es nicht. Ich frage ja nur. Kurz gesagt, solche Recyclingprogramme standen nicht notwendigerweise im Widerspruch zu Vernichtungsplänen, sondern konnten sehr wohl ein Teil davon sein – den Feind durch den Feind töten lassen, während man gleichzeitig die Nachhut von Unzufriedenen säubert.) In seiner eigenen Republik der Egos gesteht Seidmann einen Mangel an Arbeitskräften statt Truppen ein.

Zu Prestons so genannter “Entschuldigung” der spanischen Linken und ihrer angeblichen Tendenz, den sowjetischen Einfluss auf das Paracuellos-Massaker an angeblichen oder bekannten Antirepublikanern durch eine gemischte Truppe spanischer Linker überzubewerten: dieses Massaker scheint unter anderem von Santiago Carrillo veranstaltet worden zu sein, früher bei der Vereinten Sozialistischen Jugend (JSU) und zum damaligen Zeitpunkt bei der Spanischen Kommunistischen Partei (PCE) – und letztere hat wenig getan, das nicht durch das Politbüro und seine Komintern-Berater gefiltert war.

Was Seidmans Argument zu den katalanischen Carlisten in der nationalistischen Armee angeht: liegt es nicht nahe, dass der Verdacht nicht unberechtigt ist, eine fünfte Kolonne sei aktiv in den ländlichen Gebieten Kataloniens, aus der diese Figuren kamen, ebenso typische Requetés, die nicht im richtigen Alter für den Militärdienst gewesen sein mögen, dafür aber andere Dienste leisteten? Dies soll keine Entschuldigung sein, sondern vielleicht eine teilweise Erklärung für die mörderische Behandlung, die Rechten und dem katholischen Klerus zu Teil wurden.

Wenn Preston (laut Seidman) feststellt, dass der “Radikalismus” der republikanischen Führung eher rhetorischer als wirklicher Natur war, ist dieses Argument eigentlich überflüssig. Präsident Azañas angebliche Ankündigung, mit seinen Reformen “Hackfleisch” aus der Armee zu machen (“triturar el ejército”) stiftete genauso viel (vielleicht mehr) Aufregung und Verbitterung in diesen Kreisen wie gewalttätige Streiks. Desgleichen die jakobinische, aufklärerische Kritik an der Kirche. Die CEDA entstand aus dem Begehren, katholische Prinzipien ungeachtet des Regimes zu verteidigen, das Ewige gegen die Umstände: darum ging es bei CEDAs „Accidentalism“: der Schwerpunkt auf dem (Un)Realen anstatt dem Formalen. Ein republikanischer Anhänger der katholischen Werte war gut, ein monarchistischer Nicht-Anhänger derselben böse. Das Gleiche gilt sicher für libertäre oder linke Werte, oder?

Preston mag die “Straßen”angriffe auf Sachen nach dem Februar 1936 unterschätzen, aber Seidmann sollte die „Esst die Republik“-Verhöhnungen während des bienio negro, die Hinterlassenschaft der Repression von Oktober 34, die einschneidenden Beschränkungen von Gewerkschaftsrechten usw., den offenen Flirt der spanischen Rechten mit Autoritarismus und Faschismus im restlichen Europa, das österreichische Beispiel von 1934 usw. im Blick behalten. Gibt es denn nicht wenigstens die Möglichkeit, dass die Straße dadurch in Bewegung geriet und durch ihre eigenen Angelegenheiten anstatt durch hochtrabende Rhetorik irgendeiner republikanischen Leuchte? Mit seinen Bemerkungen über das generelle Herunterspielen der raueren Seiten des Klassenkampfs hat er Recht, aber ich frage ihn: wie „sicher“ waren die Leben, Freiheiten, Nachkommen und Dächer über den Köpfen von NICHT-Rechten und NICHT-Besitzenden? Als Spezialist für die Details der Revolte in all ihren unbequemen und unangenehmen Ausprägungen, die nicht in ordentliche ideologische Modelle passen, sollte Seidman einmal ein typisches Arbeiterleben 1923-43 untersuchen, um Verbesserungen zu entdecken. Diese mögen nicht mit den definierten Konturen von Republik, Monarchie, Diktatur und (noch mal) Diktatur übereinstimmen. Zweitens. Er scheint zu sagen: Schau über das Formale hinaus auf das REALE, aber wenn Prestons Schwerpunkt auf einer Bearbeitung „von oben“ liegt, geht eine Menge davon verloren. Das Leben wird nicht immer von Rednern oder Druckerzeugnissen bestimmt. Die CNT bezog sich stets auf die anonimos, und es gab anonyme Akteure und Faktoren auch außerhalb der CNT.

Der Mord an Calvo Sotelo war in der Tat eine „kaltblütige Tötung“. Was waren Casas Viejas und die vielen anderen ähnlichen Vorkommnisse? Es waren nicht Regierung oder Justiz, die aus Casas Viejas einen Skandal machten, oder? Was hat Seidman zu sagen über irgendeinen Arbeiterklassen-„Franco“, der durch Casas Viejas zur „Revolution“ getrieben wurde oder die Repression irgendeines Streiks?

Zu seiner Erwähnung des Besonderen Militärtribunals des Generalissimus, das 15 000 Fälle von 36 bis 38 abgewiesen hat: Wie viele in der Anklage genannten waren bereits tot? Hingerichtet? Geflohen? Weitere 15 000 wurden aufrechterhalten, und wahrscheinlich erfolgte eine Verurteilung. Er zitiert den Rückgang von Todesurteilen „nach 1941“ (also nach drei Jahren Massenhinrichtungen), doch vernachlässigt jegliche „Kontextualisierung“ wie Bezüge auf den Zweiten Weltkrieg (denkt daran, das war in etwa die Zeit, als Ramón Serrano Súñer den Deutschen mitteilte, dass Spanien kein Interesse am Schicksal spanischer Roter in den Händen der Nazis habe), Spaniens Schwierigkeiten, seine Bevölkerung zu ernähren und die Todesrate in frankistischen Gefängnissen durch Seuchen und Hunger, verschlimmert durch Mangel an medizinischer Betreuung und regelmäßig angewendete Folter. Besser für die Statistik, wenn viele dieser Häftlinge außerhalb starben, arbeitslos und nicht vermittelbar, auf Schwarzen Listen registriert, wohnungslos, abhängig von der Wohltätigkeit der Kirche oder den sozialen Diensten der Falange, nicht gerade die Verkörperung der Mildtätigkeit. Und er vergisst den Höhepunkt der Hinrichtungen zwischen 1947 und 49 zu erwähnen, ein ganzes Jahrzehnt nach dem Krieg und nach all dem Exil, den Verurteilungen und Hinrichtungen der Nachkriegsjahre.

Was Seidmans Kommentare über die nationalistische Agrarpolitik angeht: kann es sein, dass die flüchtigen Grundbesitzeren noch nicht zurückgekehrt waren, dass es stark an Arbeitskräften mangelte, da so viele Männer im erwerbsfähigen Alter an der Front dienten und dass das Angebot von Anreizen für die „besetzenden“ Bauern eine Übergangsstrategie für die Dauer des Krieges in Erwartung der Rückerstattung des gesamten fruchtbaren spanischen Bodens war? Bringt die Opposition um, steckt Leute wegen geringfügigerer Verfehlungen in den Knast, belegt so viele, wie es geht, mit Bußgeldern, zieht die im dienstfähigen Alter ein und ermutigt (!) den Rest, die Produktion zu steigern?

1957 wurde ein Juan García Suárez hingerichtet, allerdings erst, nachdem der kanarische Bischof persönlich an Franco geschrieben hatte, um ihn an die „Tausende Menschen“ zu erinnern, die die „Nationalisten“ auf den Kanaren getötet hatten. Bischof Pildain schrieb: “Sehr geehrter Herr Don Francisco Franco Bahamonde, spanisches Staatsoberhaupt. Sehr geehrter Herr: Ich, Antonio Pildaín y Zapiain, Bischof der apostolischen Diözese von Las Palmas, fühle mich als Hirte der Seelen und spiritueller Vater der Kanaren verpflichtet, sie zu ersuchen, die Todesstrafe von Juan García Suárez umzuwandeln, der von einem Kriegsgericht vor Ort zum Tode verurteilt wurde. Dieser Tod würde auf den Kanaren, wo nichts passiert ist, sehr schlecht aufgenommen werden, da hier all die barbarischen Handlungen von Nationalisten und nicht von Republikanern verübt wurden. Ich möchte dieses Thema lieber nicht zu sehr vertiefen und erinnere Eure Exzellenz an alles, was auf dieser Insel passiert ist, besonders in der Jinámar-Schlucht, wo mehrere Tausend umkamen.“ (Santos Julia [Hg.] Victimas de la Guerra Civil, Temas de Hoy, S. 335-336). Pildaín machte eine mündliche Aussage gegenüber den Historikern José Luis Morales und Miguel Torres, einer der beiden erinnert sich an folgendes: „Bischof Pildaín erwähnte mir gegenüber, dass zwischen 5000 und 6000 Menschen in dieser Gegend umgekommen sind. Die meisten von ihnen verschwanden.“

Stelle das “nicht passiert” der 5000:0-Todesbilanz auf den Kanaren gegenüber! Wann gab es auf den Kanaren eine militärische Bedrohung? Wenn „nichts passiert ist“, können wir davon ausgehen, dass die Inseln ohne ernsthaften Widerstand gefallen sind. Ergehe ich mich in Viktimologie, wenn ich frage, welche Auswirkungen dies auf die Versuche haben könnte, republikanische und nationalistische Gewalt gegeneinander aufzurechnen?

Ich könnte ewig so weitermachen, aber ich erkenne einfach Seidmans Bezugsrahmen nicht an, besonders sein Argument, dass “die spanischen Konterrevolutionäre keinen Rassenkrieg gegen die Juden geführt haben, sondern sich auf die Bekämpfung von Revolutionären konzentrierten, welche ihr Leben, ihr Eigentum und ihren Glauben bedroht haben.“ Wen meint er nur? Franco und seine Kohorte klero-faschistischer Mörder waren niemals „Konterrevolutionäre“, sondern reaktionäre Putschisten, die – mit Hilfe von Nazideutschland, dem faschistischen Italien und einflussreichen Teilen des britischen Establishments – eine regulär gewählte republikanische Regierung stürzten (was immer man von dieser Regierung halten mag) und wer weiß schon genau wie viele Zehntausende Unschuldiger massakrierten – die in keinster Weise eine Bedrohung von Leben, Eigentum oder Glauben darstellten (wie von Bischof Antonio bezeugt) – in einem Versuch, einem eingebildeten „proletarischen Barbarentum“ entgegen zu treten und Spanien 400 Jahre zurück zu werfen zu den mittelalterlichen katholischen Werten des Heiligen Römischen Reiches.

Nein, in Wirklichkeit waren die “Konterrevolutionäre” während der spanischen Revolution und des Bürgerkrieges Azaña, Prieto, Negrín, Companys, Jesús Hernández, Federica Montseny, Mariano R. Vázquez und all die anderen „angesehenen Führer“ auf der republikanischen Seite; ebenso waren es nicht Faschisten, Angehörige der fünften Kolonne, Priester und Nonnen, die vorwiegend hinter den republikanischen Linien verfolgt wurden, sondern Tausende Revolutionäre und einfache Kämpfer, die zwischen Juli 1936 und Dezember 1937 ihren Intrigen und Manövern entgegentraten, die bürgerliche Ordnung wieder herzustellen und zu festigen.

Die Entscheidung, Paul Prestons unbezahlbares Werk über den frankistischen Holocaust der Spitzfindigkeit eines solch offenen Pro-Franco-Kritikers wie Michael Seidman vorzuwerfen, wirft ein ungünstiges Licht auf die vormals hohen herausgeberischen Standards von TLS unter früheren Herausgebern wie Arthur Crook und John Gross (und Stellvertretern wie Nicolas Walter). Was ist nur aus „ernsthaft“ und „maßgeblich“ geworden?

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Das Orginal:

What has happened to editorial judgement at the TLS? What on earth led the editor to commission the patronisingly offensive twaddle from such a pro-Francoist apologist as Michael Seidman in his review of Paul Preston’s “The Spanish Holocaust”?

Apart from complaining about Preston’s ‘discrediting the moral capital of the Nationalists’, Seidman’s principal objection appears to be the use of the term “Holocaust” to describe the carnage triggered by the “rebellious officers, whom Hitler and Mussolini quickly aided” (the implication being that neither regime had been complicit in the plans to topple the Republic). This objection to the word Holocaust is either academic pedantry or a zealous political attempt by Seidman to ‘own’ the term on behalf, exclusively and of course unbidden, of the Jewish victims of Nazi anti-semitism at the expense of the other 5, 6 or 7 million victims of the Nazi killing machine — anti-Nazis (Jewish and non-Jewish), intellectuals, socialists, anarchists, communists, liberals, Jehovah’s Witnesses, gypsies, the mentally ill, the disabled, etc., etc. — between January 1933 and May 1945.

I have yet to come across the “avalanche of recent literature” Seidman writes about as ‘challenging’ Preston’s ‘antiquated views’ on the repression in the Republican zone, that it was

part of a largely deliberate and calculated effort to eliminate “fascists” (very broadly defined), rightists — and also members of the clergy, who were perceived as fifth columnists and potential obstacles to workers’ or people’s revolution. The murders were closely connected to, and usually approved by, the parties of the Left, Socialists, Communists and anarchists.’

How Seidman (or anyone else for that matter) concludes that there was such a conspiracy between such disparate and contending groups on the ‘Left’ escapes me, and reflects poorly on his understanding of the history, politics and culture of Spain between the two world wars. Had such a conspiracy existed it was more likely to have been targeted by the national and regional leaderships against their own known dissidents – rank-and-file militants and intellectuals who challenged party hegemony – not the unknown fifth-columnists caught behind Republican lines who more often than not joined the labour unions, including the CNT, and the communist and socialist parties and often proved to be the most ‘ultra’ of the party faithful.

Seidman speaks as though everything kicked off in 1936. Murder and mayhem on both sides: agreed. Grisly murder tainted by grudge, self-interest, gain, etc., it covered the whole spectrum. No one was above reproach, agreed, and as I relate in my own recent 3-volume work, ¡Pistoleros! – 1918-24”, there was no shortage of offenders in the anarchist camp either.

However, Seidman’s own figures taken from the period “during the Spanish conflict” (I’m assuming he means 1936-’39, i.e. the civil war) show a 13 to 5 kill rate in favour of the Nationalists (fascists, Catholic authoritarians and “One Spainers”). The latter explains how generals such as Cabanellas — who were freemasons and/or republicans under the early Republic and monarchy — morphed into “fascists” in 1936. Or were they perhaps always of the same authoritarian mind-set? A mind-set they shared with many (until yesterday monarchists) “new” republicans, explaining incidents such as the bloody repression at Castilblanco in 1931, Arnedo in 1932 and Casas Viejas in 1933, , etc., and the establishment of the Assault Guard as a public order-only police force. The notoriously “republican” and freemason Eduardo López Ochoa led the crackdown and repression of the Asturias uprising in 1934. “Republican” did not necessarily mean “leftist” or even “liberal”. Hence the scepticism in CNT ranks. See Melchor Rodriguez’s article “April to April” (KSL Bulletin) counting those who perished at the hands of the new Republic’s security forces.

Infatuation with romanticism about the Republic tends to blind us to its rougher edges as experienced by the poor and the working classes. The Church, the propertied classes and the One-Spainers might have taken offence at some of the rhetoric and legislation from the Republic, but they never had to suffer batons, bullets and artillery fire as did the workers. Was General Sanjurjo, after his attempted coup against the Republic in 1932, punished as severely as the peasant Seisdedos or the rebel coalminers and peasants of Upper Llobregat? It would be interesting to have the details of the differential treatment.

The Republic did not make mere disaffection an offence, unless it was translated into action in the form of desertion, obstruction, practical opposition. But under the Francoist’ Order 108 from the National(ist) Defence Junta (13/09/36) provision was made for the confiscation of goods from those deemed to have been “directly or subordinately responsible, by action or incitement” for opposition to the Nationalist Movement.

The Francoists’ Political Accountability Law of 9/2/39 (providing for confiscation of assets) was made retrospectively applicable to events from October 1934 (which must be some sort of a clue to the legislators’ mindset— why not 1931, ’32, ’33?), and in the event of the accused’s having died in the meantime all liability and penalties arising therefrom became applicable to his/her heirs or relations. Two thirds of these confiscation proceedings applied to working class “culprits” and most of these had to be set aside, not from melted hearts, but due to the lack of seizable assets. Fines were applied and enforced against republicans and others who had been shot back in 1936. The Popular Front socialist (PSOE) deputy Vicente Martin Romera (murdered on 7 August 1936 in Madrid on the orders of Colonel Cascajo) was hit with a post-war and posthumous fine of 125,000 pesetas which, his family had to pay in order to recover “free access to his assets”.

Fines and confiscations were often accompaniments (before as well as after the fact) to executions. In Albacete 43 per cent of those sentenced by courts martial had Political Accountability files opened on them and 80 per cent of those punished were farm labourers or manual workers. In 1942 an amendment to this Law replaced economic sanctions with positive disbarments before the law was repealed on 13/4/45, as far as fresh proceedings were concerned. Those already in train were pursued until 10/11/66. I don’t want romanticise the Republic but (barring a communist take-over) I doubt that it would have carried victimisation to those lengths.

As for Sediman’s extraordinary statement that “Nationalists may have integrated proportionally more POWs into their army than any other civil war belligerents in twentieth-century Europe” – Has it not occurred to Seidman that the POWs had little choice in the matter, the other option being a firing squad and a mass grave? This reference to the Nationalist recycling of POWS into their army is intended to counter Preston’s allegations regarding a “programme of extermination”, but does it? Into which units were they recycled? How were they officered, disciplined and deployed? In what sectors were they deployed? Facing which republican forces? Any chance they might have had a deterrent used against retreaters? (Machine guns à la Trotsky in the Russian civil war or à la Stalin in the Second World War? What was their rate of attrition as compared to Nationalist “volunteer” units or regulars? I do not know. I merely ask. In short such recycling was not necessarily in contrast to extermination plans but might well have been integral to them — using the enemy to kill the enemy while clearing one’s rearguard of the openly disaffected.) In his own Republic of Egos, Seidman admits to a manpower shortage in Nationalist Spain — a shortage of workers not of troops.

As to Preston’s so-called “exculpation” of the Spanish left and his alleged tendency to over-state the Soviet influence on the Paracuellos massacre of suspected or known anti-republicans by a motley crew of Spanish leftists, that massacre seems to have emanated from, among others, Santiago Carrillo, late of the Juventudes Socialistas Unificadas (JSU) and by then of the Spanish Communist Party (PCE) — and little was done by that last body that was not filtered through the politburo and its Comintern advisers.

Seidman’s point about Catalan Carlists in the Nationalist armies: does it not suggest that there might be some justification in suspicions of a 5th column operating in the rural areas of Catalonia where these characters came from, and of typical Requetés who might not have been of an age for military service but might have served in other ways? This is not to excuse but rather, perhaps, to partly explain the murderous treatment inflicted on right-wingers and the Catholic clergy.

When Preston suggests (according to Seidman) that the “radicalism” of republican leaders was more rhetorical than actual, the point is redundant. President Azaña’s alleged talk of “making mincemeat” of the army (“triturar el ejército”) with his reforms created as much (maybe more) alarm and rancour in those circles as any strike violence. Likewise the Jacobin, Enlightenment critique of the Church. The CEDA grew out of a desire to defend Catholic principles regardless of the regime, the eternal against the circumstantial: that’s what CEDA’s “accidentalism” was about: a focus on the (un) real over the formal. A republic observant of Catholic values was good, a monarchy unobservant of them, bad. Well, ditto libertarian or leftist values, surely?

Preston may underestimate the “street” attacks after February 1936 on property but Seidman needs to bear in mind the “Eat Republic” taunts of the right during the bienio negro, the legacy of the October ’34 repression, the severe curtailment of union rights, etc., the blatant flirtation of the Spanish Right with authoritarianism and fascism elsewhere in Europe, the Austrian example of 1934, etc. Is there just a chance that the street was moved by this and its own issues rather than some high-flown rhetoric from some republican luminary? He is right in what he says about the general downplaying of the rougher face of the class struggle but I would ask him this: how “safe” were the lives, liberties, offspring and roof over the heads of the NON-rightists and the NON—property-owner? As someone who specialises in the minutiae of revolt in all its uncomfortable and inconvenient manifestations that do not fit into neat ideological models, Seidman ought to trace a typical worker’s life 1923-1943 and spot the improvements. They might not overlap the defined outlines of Republic, Monarchy, Dictatorship and (again) Dictatorship. Mark Two. Look past the formal to the REAL is what he seems to be saying but if Preston’s focus is on working “from above”, a lot of this is going to be missed. Life isn’t always played out by the speechmakers or in print. The CNT was forever referring to the anonimos and there were anonimos players and factors outside the CNT as well.

The murder of Calvo Sotelo was indeed a “cold-blooded killing”. What were Casas Viejas and the many other similar incidents? It was not the government or judiciary that made a scandal of Casas Viejas, was it? What has Seidman to say of some working-class “Franco” pushed into “revolution” by Casas Viejas or the repression of some strike?

His mention of the Generalisimo’s Special Military Tribunal dismissing 15,000 cases in ’36-’38. How many of those named in the charges were already dead? Executed? Escaped? And another 15,000 were upheld and presumably sentencing followed. He cites the decline in death sentences “after 1941” (i.e. after 3 years of mass executions) but he misses out any “contextualization” such as references to WW2, (remember, this would have been about the time that Ramón Serrano Súñer was telling the Germans that Spain had no interest in the fate of any Spanish Reds in Nazi hands) Spain’s difficulty in feeding herself and the death rate in Francoist prisons from disease and starvation, aggravated by lack of medical attention and the regular use of torture. Better for the statistics if many of those prisoners died off-site, unemployed and unemployable, blacklisted, homeless, dependant on the charity of the Church or the social services wing of the Falange, hardly the hallmark of mercy. And he fails to mention the spike in executions in 1947-49, a full decade after the war and after all those exiles, convictions and executions in the post-war years.

As to Seidman’s comments about the Nationalists’ rural policies, was it the case that maybe the runaway estate-owners had not yet returned, that the workforce was seriously depleted due to so many men of economic age serving at the front and that the offering of incentives to the “squatter” peasants might have been a makeshift stratagem for the duration of the war pending the recovery of all of Spain’s productive land? Kill the opposition, jail the lesser offenders, fine as many as you can, conscript those of serviceable age and encourage (!) the rest to step up production?

In 1957 a Juan García Suárez was executed but not before the local bishop of the Canaries wrote to Franco in person to remind him of the “thousands of people” whom the “Nationalists” had killed in the Canaries. Bishop Pildain wrote: “Most Excellent Sir Don Francisco Franco Bahamonde, Spanish Chief of State. Most Excellent Sir: I, Antonio Pildaín y Zapiain, bishop of the apostolic diocese of Las Palmas, find myself obliged, as pastor of the souls and spiritual father of Canarians to ask that you commute the capital sentence on Juan García Suárez, sentenced to death at a council of war held in this place. That death would be looked at very dimly in the Canaries where nothing happened, since all the barbarity committed hereabouts came from the Nationalists and not the republicans. I would rather not go too deeply into this matter and remind your excellency of everything that happened on this island, especially in the Jinámar gorge where several thousands perished.” (Santos Julia [editor] Victimas de la Guerra Civil, Temas de Hoy, pp. 335-336). Pildaín made an oral statement to historians José Luis Morales and Miguel Torres, one of whose recollections was: “Bishop Pildaín mentioned to me that he reckoned from the figures that between 5,000 and 6,000 people must have perished hereabouts. Most of them vanished.”

Contrast the “nothing happened” with the 5,000-to-zero relative kill rate in the Canaries! At what point were the Canaries under military threat? If  “nothing happened” we can take it for granted that the islands fell without serious resistance. Am I indulging in victimology when I ask what implications this might have for attempts to equate republican and Nationalist violence?

I could go on and on, but I just don’t recognise Seidman’s terms of reference, especially his point that “The Spanish counter-revolutionaries did not wage a racial war against Jews, but concentrated on combating revolutionaries who threatened their lives, property and faith”. Who is he talking about? Franco and his cohort of clerico-fascist murderers were never “counter-revolutionaries”, they were reactionary golpistas who — with the help of Nazi Germany, Fascist Italy, and influential elements in the British Establishment — overthrew a legitimately elected republican government (whatever one might think of that government) and massacred who knows exactly how many tens of thousands of innocents — who posed no threat whatsoever to life, property or faith (as witnessed to by Bishop Antonio) — in an attempt to counter perceived “proletarian barbarism” and roll Spain back 400 years to the Medieval Catholic values of the Holy Roman Empire.

No, in fact, the “counter-revolutionaries” during the Spanish Revolution and Civil War were Azaña, Prieto, Negrín, Companys, Jesús Hernández, Federica Montseny, Mariano R. Vázquez, and all the other ‘notable leaders’ on the Republican side; nor was it fascists, fifth-columnists, priests and nuns whom they were primarily targeting behind republican lines, but the thousands of revolutionaries and rank-and-file militants who, between July 1936 and December 1937, challenged their plots and manoeuvres to restore and consolidate bourgeois order.

The decision to give Paul Preston’s invaluable work on the Francoist Holocaust to the sophistry of such a blatantly pro-Francoist reviewer such as Michael Seidman reflects poorly on the formerly rigorous editorial standards of the TLS under previous editors such as Arthur Crook and John Gross (and chief subs such as Nicolas Walter). Whatever happened to ‘serious’ and ‘authoritative’?

Yours, etc.,

Stuart Christie