Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

Der KPD-Aufstand in Hamburg 1921

Vor hundert Jahren …

Der kommunistische Aufstandsversuch
in Hamburg am 23. März 1921

Bei diesen geschichtlichen Ereignissen kann es keine Objektivität geben … die sozialdemokratische Lüge vom Sozialismus ist ebenso übel wie die kommunistische Phrasendrescherei oder gar das bürgerliche Geschwätz von der Demokratie. Geputscht hatten ja 1920 bereits die Rechtsextremen unter Kapp und alle „Guten“ zusammen haben Hitler nicht verhindert. Sie waren eher alle Steigbügelhalter der Nazis!

Die Frage, ob die Sozialdemokraten und ihre Verbündeten eine Alternative gehabt hätten, ist ebenso töricht wie widerlegt angesichts der eindeutigen Haltung der reaktionären SPD-Führung. Sie sah ihre einzige Aufgabe in der Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems garniert mit demokratisch-parlamentarischer Soße. So orientierte sich die bürgerliche Ebert-Scheidemann-Regierung letztlich an der Phrase des „liberalen“ Eugen Richter aus dessen Wahlkampf 1894 – „Keine Revolution, keine Reaction, Reformen!“. Nur dass sie faktisch die reaktionären Kräfte des Kaiserreichs rief, finanzierte und zu Freikorps zusammenstellen ließ, die die revolutionäre Arbeiterschaft bekämpfen und liquidieren sollte.

Wahr ist sicherlich auch – dass ohne die organisierten Revolten und spontanen Hunger-Unruhen noch weniger Druck auf die Herrschenden ausgeübt worden wäre, die Probleme der Arbeitslosigkeit und Unterernährung anzugehen. Anderseits wuchs die Angst der besitzenden Klassen vor einem Umsturz dermaßen, dass diese Kreise immer wieder ihre politischen Ziele mit rechten Putschversuchen abzusichern versuchten. Hitler war dann die letzte Konsequenz.

Die Sipo und ab 1920 in Hamburg die Orpo – Sicherheits- und Ordnungs-Polizei (entspricht heute der Bereitschaftspolizei) waren militarisierte Polizeitruppen zur Aufstandsbekämpfung, die mit Militärausrüstungen wie Panzerwagen und auch Maschinengewehren ausgestattet war. Sie bestanden großenteils aus ‚abgerüsteten‘ Freikorps-Söldnern. Als Schupo wurden die „normalen“ Polizeibeamten auf den Wachen bezeichnet.

Panzerauto »Ehrhardt 21«
• Stacheldraht in Hamburg 1919
• Polizeiwache Davidwache, Reeperbahn/Ecke Davidstraße – St. Pauli, Hamburg 1919

Gegen diese schwerbewaffneten und ausgebildeten Mannschaften befeuerte die VKPD ihre Anhänger, sich bei diesen oder den normalen Polizeibeamten Schusswaffen zu „besorgen“. So wollte man einem Bürgerkrieg gewinnen?

Die Masse der demonstrierenden Kommunisten und Schaulustigen wäre niemals in der Lage gewesen, vollkommen unbewaffnet, einen kommunistischen Aufstand oder Putsch anzuzetteln. Das war den VKPD-Führern natürlich bewusst, deren Aufstandsversuche bereits ohne entsprechende Bewaffnung 1919 und 1920 gescheitert war. Damals hatten die Revolutionäre wenigstens noch Maschinengewehre und Handgranaten bei ihren Sturmangriffen auf die Polizeiwachen zur Verfügung (siehe Sturm auf die Davidwache Ostern 1919). 

Die Rote Fahne, 21. März 1921

Die Rote Fahne, 24. März 1921

Die Vorgeschichte – Mitteldeutscher Aufstand
und die neue »Offensiv-Strategie« der Komintern

… aber nach der Bolschewisierung der aus USPD-Mehrheit und Rest-KPD entstandenen VKPD karrte diese nun ihre Mitglieder „vor die Maschinengewehre“ – und das nicht nur am 23. März 1921 in Hamburg unter der Leitung von Ernst Thälmann (Hamburger USPD-Führer). Die lokalen Ereignisse anderenorts finden sich in der örtlichen Presse (wir verweisen da auf das online-Europeana-Archiv).

Für die SPD-Regierung in Berlin galt es, die „Demokratie“ zu sichern, die revolutionären Arbeiter hatten ihre Forderungen nach einer Räterepublik immer noch nicht aufgegeben hatten … Besonders nach dem reaktionären Kapp-Putsch 1920 bereiteten sich die Revolutionäre auf einen Gegenschlag vor. Der Konflikt wurde seitens des preußischen Innenministers Severing (SPD) dadurch weiter angefacht, dass er reaktionäre Organisationen, militärische Formationen wie die Orgesch (Organisation Escherich) nicht entwaffnete – sondern die revolutionären Selbstverteidigungs-Gruppierungen der Arbeiterschaft zu entwaffnen anstrebte.  Und das im Mansfelder Revier in Sachsen. Das führte dann zum Mitteldeutschen Aufstand, den die VKPD reichsweit über einen Generalstreik am 23. März 1921 zum Aufstand ausweiten wollte. Hier sei nur an die revolutionären Aktionen der Aufstandsführer der KAPD Max Hölz und Karl Plättner erinnert. Die Arbeiterschaft reagierte aber nur massiv auch in Hamburg und dem Ruhrgebiet.

Vor dem Aufstandsversuch war im Februar 1921 die KPD-Führung zurückgetreten und der alte Parteiführer Paul Levi kritisierte nach der katastrophalen Niederlage die angeordnete neue „Offensiv“-Strategie der kommunistischen Internationale (Komintern) als „bakunistischen“ Putsch; später landete später er dann wieder bei der SPD …

Es wird so getan, als wenn die Aufstandsversuche illegitim gewesen wären … natürlich kann man das so sehen, zumal ja die Sieger immer die Geschichte schreiben oder meinen, das Recht auf ihrer Seite zu haben und niederträchtig auf die Verlierer nach ihrer Ermordung auch noch eintreten zu müssen. Dass alle Putschabsichten seit der enormen Militarisierung bereits aussichtslos sein mussten, das hatte m.E. bereits der niedergeschlagene Spartakus-Aufstand im Januar 1919 in Berlin gezeigt. Der Reaktion war auch mit Aufstandsversuchen nicht mehr beizukommen.

Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Berlin, der KAPD; ohne Datum, vermutlich: 24. März 1921

Hamburg – Mittwoch, 23. März 1921

Hamburger Anzeiger Donnerstag. 24. März 1921:

Ein schwerer Tag für Hamburg.

Die deutschen Kommunisten haben Anweisung von Moskau erhalten, den Umsturz mit allen Mitteln des Terrors im deutschen Vaterlande herbeizuführen. Überall soll die Räteregierung ausgerufen werden; man beabsichtigt, sich aller öffentlichen Gebäude zu bemächtigen, alle Verkehrsmittel zu Wasser und Lande stillzulegen und dann den letzten entscheidenden Stoß mit Hilfe bolschewistischer Kräfte zu führen, die an den deutschen Hafenplätzen Waffen, Munition, Lebensmittel und dergleichen landen sollen. Ja Rußland ist es gelungen, die Sowjetherrschaft auf den Spitzen der Bajonette zu errichten und sie bis zum heutigen Tage zu erhalten, obwohl noch keine Million Menschen der Sowjet-Organisation angehören. In Deutschland wird ein ähnliches Experiment mißglücken. Das Selbstbewußtsein des Volkes verlangt nicht nach neuen Sklavenketten, sondern nach Selbstregierung. Nach der Verwirklichung des gestern vom Bürgerschaftspräsidenten Roß gebrauchten Wortes, daß keiner herrschen soll, und daß an die Stelle des Staates, in dem bevorrechtigte Minderheiten das Regiment führten, der Volksstaat getreten ist. Und der Kommunismus strebt eine Minderheitsherrschaft an, die sich auf Blut und Eisen, wie einstens diejenige königlicher Selbstherrscher, stützt.

Die hamburgischen Kommunisten haben am Mittwoch den Wahnwitz begangen, mit ihrer kleinen Schar die Räteherrschaft ausrichten zu wollen. Die Hetze der Hamburger Volkszeitung, die gestern ungeschwächt fortdauert, hat ihre Früchte getragen. Die Erwerbslosen und die Werftarbeiter, die letzteren meist von auswärts nach Hamburg gezogene Elemente, stellten die Kerntruppen des Kampfes dar. Den Erwerbslosen wurde vorgeredet, man kämpfe um ihre Einreihung in den Kreis der zu Beschäftigenden. Ein Teil der Werftarbeiter folgte der Aufforderung zur Tat, angeblich um die Sozialisierung der Werke zu erreichen. Wäre einer gekommen, um diesen Kreisen die Unmöglichkeit ihres Verlangens im einzelnen nachzuweisen, er  wäre mit Hohn und Spott bedacht worden, und wenn er mit Engelszungen geredet hätte. Und was ist nun am 23. März erreicht worden? 39 Tote und Verwundete blieben auf der Wahlstatt als zu beklagende Opfer ihrer gewissenlosen Verführer, von denen einer, nämlich der Hauptschreier, Reich, sich gestern nachmittag im Bürgerschaftssaal herumdrückte, wo nur mit Worten geschossen wurde. Herr Reich war sozusagen in der Etappe! Das rote Blut der Arbeiter färbte deutsche Erde völlig nutzlos. Sehen diejenigen, die sich immer wieder von den kommunistischen Aufwieglern vor die Gewehrläufe der Sicherheitspolizei treiben lassen nicht ein. daß man sie als Kanonenfutter in genau derselben gewissenlosen Weise verbraucht, wie das oft genug im Kriege geschehen ist? Die Dinge liegen nicht so, wie im Juni 1920. Damals war Hamburg dem kommunistischen Zugriff wehrlos ausgeliefert. Gestern hat die Polizeitruppe bewiesen, daß sie Ruhe und Ordnung zu schützen vermag. Diese weitergehenden, noch so kühn ausgeheckten Pläne der Volkszeitungsleute zerbrechen an diesem Schutzwall, den die Republik leider hat errichten müssen. Wenn die Vernunft versagt, und blinde Leidenschaften die Oberhand gewinnen, hat der Staat das Recht, sich mit der Waffe in der Hand zu verteidigen und seine Existenz zu schützen.

Dieses Recht läßt sich die Sowjetrepublik am wenigsten nehmen. Der deutsche Staat übt es mit aller Rücksichtnahme aus. Wenn es aber um das nackte Leben geht, ist eine kräftige Abwehr besser als eine zögernde Verteidigung. Die kommunistischen Drahtzieher werden sich nach dem Verlauf des gestrigen blutigen Mittwoch sagen, daß sie in Hamburg auf Granit beißen. Eine Erkenntnis die zur Klärung der Sachlage dienen kann.

* * *

Während auf dem Heiligengeistfelde Sicherheitswehr und Aufrührer Brust an Brust standen, vollzog sich im Bürgerschaftssaal der letzte Akt der hamburgischen Regierungsbildung nach der Wahl 1921. Eine kommunistische Abgeordnete redete zur Einleitung etliche Gemeinplätze über die Rechte des hamburgischen Proletariats. Dann wurde der Wahlakt auf Grund des von den Mehrheitssozialisten und Demokraten beschlossenen Wahlaufsatzes vollzogen. In trauter Harmonie fanden sich Kommunisten, Deutschnationale und Deutsche Volkspartei in der Ablehnung dieses Senates. Um ihrer Mißstimmung nachdrücklich Ausdruck zu geben, blieb dieses merkwürdige Dreigespann auch der Vereidigung der Senatoren fern, die sich eine Viertelstunde nach der Wahl im großen Festsaal des Rathauses abspielte. Es war ein anderes, aber doch ähnliches Schauspiel wie bei früheren Vereidigungen von Senatoren. Das feierliche Amtsornat der Senatoren, das spanische Habit, ist  verschwunden, weniger weil die Revolution es wollte, als die Stoffteuerung. (…)

Seite 3:

Ausnahmezustand in Hamburg und Altona.

Infolge der Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch gewissenlose Elemente hat sich der hamburgische Senat veranlaßt gesehen, zur Verhütung weiterer Ausschreitungen über das Gebiet des Hamburger Staates mit Ausnahme des Amtes Ritzebüttel den Ausnahmezustand zu verhängen und die in den Artikeln 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Reichsverfassung festgesetzten Grundrechte vorübergehend außer Kraft zu setzen.

Die vollziehende Gewalt ist dem Polizeiherrn Senator Hense übertragen, der gleichzeitig zum Regierungskommissar ernannt ist.

*

Der Ausnahmezustand ist nicht nur über Hamburg, sondern auch über Altona verhängt worden. Die preußische Staatsregierung hat mit der Bekanntmachung des Ausnahmezustandes, die bereits durch Maueranschlag erfolgt ist, das Polizeiamt Altona beauftragt.

Zum Regierungskommissar ist auch für den Stadtkreis Altona der Hamburger Polizeiherr Senator Hense bestellt worden.

Es wird darauf hingewiesen, daß Ansammlungen strengstens verboten sind und gegen Zuwiderhandelnde von der Waffe unnachsichtlich Gebrauch gemacht wird.


Wahnsinn oder Verbrechen?

Das am Dienstagabend vom Unterbezirk Groß-Hamburg der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands verbreitete Flugblatt, in dem die Arbeiter aufgefordert wurden, es nicht mehr bei Resolutionen, Versammlungen und leeren Demonstrationen (bisher waren die allwöchentlichen Demonstrationen doch immer „machtvolle“ und „gewaltige“ Kundgebungen) bewenden zu lassen, hat seine furchtbare Wirkung getan. Etwa 20 Tote und einige Dutzend Verletzte sind das Ergebnis. Moskau wollte Taten sehen. Immer ist man in Petersburg oder Moskau mit dem Rubel sehr freigebig gewesen, aber niemals umsonst. Und so auch jetzt bei den Bolschewismen.

Die gestrige Ausgabe der Volkszeitung leistete sich das Kunststück an Hetzarbeit und verlogener Darstellung der Vorgänge auf den Werften. Ihren Anhängern täuschte sie eine Macht vor. Die nötige Stimmung war erzeugt; der Ruf, endlich zu Taten überzugehen, war nicht ungehört verhallt.

Wir berichteten, gestern bereits über die Vorgänge bei Blohm & Voß, daß die Werft geschlossen und die gesamte Belegschaft entlassen sei. Ähnliche Vorgänge spielten sich auf den anderen großen Werften ab. Doch wurden hier teilweise die Radaumacher von den Arbeitern kurzerhand hinausgeworfen. Aber die Werftleitungen sahen sich durch die Vorgänge ebenso wie Blohm & Voß veranlaßt, die Betriebe auf unbestimmte Zeit zu schließen. Bei der Wiedereröffnung wird sicher wie im Vorjahre eine Sichtung der Arbeiterschaft vorgenommen und die fortgesetzt Unzufriedenen werde draußen bleiben.


Die ersten Toten und Verwundeten.

Nach der Schließung der Werft von Blohm & Voß und nachdem die Belegschaften anderer Betriebe die Arbeit eingestellt hatten, fanden sich auf Steinwärder größere Gruppen von Arbeitern zusammen, in denen aufreizende Reden gehalten wurden. Dies veranlaßte den Senat, den Ausnahmezustand über Hamburg zu verhängen. Nach 8 Uhr zog eine große Anzahl Vulkanarbeiter über den Roßdamm nach dem Elbtunnel. Sie wurden von den Polizeimannschaften aufgefordert, einen andern Weg einzuschlagen. Ein Redner forderte die Menge auf, die Polizeikette zu durchbrechen. Wieder versuchten die Polizeimannschaften zur Vernunft zu reden. Schließlich versuchten die Demonstranten, die Polizeimannschaften zu entwaffnen. Jetzt waren diese gezwungen, von der Waffe Gebrauch zu machen. 4 Tote und 18 Verwundete blieben auf dem Platz. Nun stob die Menge auseinander.

Von anderer Seite — einem Werftschlosser, der dem Heimschutz angehört — wird uns der Vorgang allerdings wesentlich anders geschildert. Nach den Angaben dieses Augenzeugen haben die von ihrer Arbeit heimkehrenden Arbeiter den Weg über die Ellernholzbrücke von den Sicherheitsmannschaften versperrt gefunden. Da sie einen anderen nicht hätten, so verhandelten sie mit dem die Truppe führenden Leutnant, und dieser erlaubte schließlich den Durchzug, beging aber den Fehler, seine Leute nicht aus dem Wege zu nehmen, so daß möglicherweise eine unbeabsichtigte Reibung bei dem Durchzug der Arbeiter im Gedränge entstand. Ohne einen sichtbaren Grund habe plötzlich ein jüngerer Mann der Sicherheitswehr, der dem Augenzeugen schon vorher durch sein unruhiges und aufgeregtes Betragen aufgefallen sei, einen scharfen Schuß abgegeben und eine Handgranate geworfen. Hierauf liefen alle Leute der Sicherheitspolizei, etwa 15 bis 20 Mann zurück und gaben ebenfalls Feuer; sie trafen die Arbeiter, die die Sperre bereits passiert hatten, aber sich noch vor der Brücke befanden. Die Arbeiter liefen fast alle nach der Werft zurück, ein Teil suchte Deckung und passierte die Brücke später einzeln.

Die Hauptkämpfe am Millerntor.

Das Heiligengeistfeld war während des gestrigen Tages in seinem ganzen Umfange mit Stacheldraht abgesperrt und hinter dem Stacheldraht an der Feldstraße, Eimsbüttelerstraße mit einer dichten Schutzmannskette besetzt. Die Kommunisten
hatten die Versammlung — absichtlich? — nicht angemeldet, also wurde sie verboten. Eine Bekanntgabe durch die Zeitungen war nicht mehr möglich, so daß sich gegen 4 Uhr an den Hauptzugangs wegen zum Heiligengeistfeld größere Mengen an. sammelten. Die Glacischaussee war ebenfalls abgesperrt, auch für den Straßenbahnverkehr. Gegen 4 ½  Uhr belebte sich die Eimsbüttelerstraße von heimkehrenden Arbeitern, die schleunigst nach Hause gingen. Aber dann kamen diejenigen, die überall mit dabei sein müssen und vor allen Dingen, wenn
die Sozialisierung praktisch geübt werden soll. So kam es, daß gegen 5 Uhr die Zugangsstraßen zum Millerntor und die Elbanlagen mit einer tausendköpfigen Menschenmenge dicht besetzt waren. Von Steinwärder hallen einige Schüsse herüber. Die Menge schwillt immer mehr an. Einige Panzerautomobile fahren wie zur Warnung langsam durch die Menschenmassen, die schleunigst den Weg freigeben. Auch das Bismarckdenkmal ist dicht besetzt.

Es werden Drohungen gegen die Polizei ausgestoßen, die aber unbeachtet bleiben. Um 5 ½ Uhr wird die Menge aufgefordert, den Platz beim Hochbahnhof Millerntor zu räumen und die Anlagen zu die Anlage zu verlassen. Die Antwort ist das übliche Geheul. Plötzlich wird auf die Polizeimannschaften mit Flaschen, Steinen und Eisenstücken geworfen. Es wird noch einmal zur Räumung des Platzes aufgefordert, ein Schuß aus der Menge ist die Antwort. Ein Wachtmeister sinkt tot zu Boden.

Nun macht die Polizei ebenfalls von der Waffe Gebrauch. Erst ein paar blinde Schüsse, dann

schießen die Panzerautos scharf.

Jetzt ist der Platz im Nu geräumt. Geräumt? Nein, die Sanitätsmannschaften beginnen ihre traurige Arbeit. Etwa

12 Tote und eine ganze Menge verwundeter

sind fortzuschaffen. Über Namen usw. ist bisher noch nichts macht bekannt.

Auch vom Holstenplatz dröhnen scharfe Schüsse herüber. Hier hat es Gottseidank keine Menschenleben gekostet. Es ist bei Verwundeten geblieben. Alle Straßen sind im Nu mit den fluchtenden Menschenmassen angefüllt, über die Stolpernden wird hinweggetreten, so daß auch hier noch zahlreiche Verletzungen entstehen.

Nach der Katastrophe.

Beabsichtigt war, den Krakeel um 5 Uhr beginnen zu lassen, doch wurde dieser Plan im Laufe des gestrigen Tages geändert. Der Hauptschlag sollte beim Eintritt der Dunkelheit geführt werden. Dann sollte die Aufforderung der Volkszeitung, sich Waffen zu verschaffen, im die Tat um gesetzt werden, indem die Sicherheitspolizei angegriffen und ihrer Waffen beraubt werden sollte. Munition scheint man noch zu besitzen. Doch war die Polizei frühzeitig von der Absicht unterrichtet und hatte entsprechende Sicherheitsmaßregeln getroffen. Es kam aber gar nicht so weit. Die für diese Tat ausersehenen Stoßtrupps schienen inzwischen begriffen zu haben, daß

die Zeit der Volkswehr endgültig vorüber

ist. Das — leider notwendige — derbe Zupacken um 5 ½ Uhr beim Millerntor und Holstenplatz nahm selbst den größten Draufgängern den Mut, sich ihre Knochen entzweischießen zu lassen.

Um 9 ½ Uhr wurden die Absperrungen ausgehoben; die Straßenbahnen fuhren wieder wie üblich.

Nun haben ja die neuen Führer der Kommunisten ihre Probe bestanden. Moskau hat seinen Willen. Der Rubel kann wieder im Bewußtsein treu erfüllter Pflicht in die unergründlichen Taschen der Drahtzieher gleiten.

Ob aber die entlassenen Werftarbeiter, die von dem ganzen Radau nichts wissen wollten, sich nicht endlich dazu aufraffen, sich mehr energisch als höflich Ruhe zu verschaffen? Auch gestern wieder hat es sich gezeigt, daß es nur eine Minorität war, die sie der Not und dem Elend ausgeliefert hat. Wir zweifeln nicht daran, daß die der Kommunistischen Partei angehörenden Entlassenen den Lohnausfall von den
Veranstaltern der Tollhauskomödie ersetzt bekommen. Wer ersetzt aber den Tausenden von anderen Arbeitern, die ohne Schuld ihren Verdienst einbüßen, den Lohnausfall?

Heute morgen am Hafen.

Heute morgen sammelten sich auf dem Platz vor den St. Pauli-Landungsbrücken die auf der Werft von Blohm & Voß, der Vulkanwerft und der Deutschen Werft die dort beschäftigt gewesenen Arbeiter in großer Zahl. Anscheinend war der Mehrzahl der Leute die von den Werftleitungen verfügte Entlassung der Arbeiter nicht  bekannt; denn sie waren wie üblich für den Tag mit Lebensmitteln ausgerüstet. Die Leute verließen aber, nachdem der Sachverhalt von den dort ausgestellten verstärkten Polizeiposten mitgeteilt war, den Platz und begaben sich nach Hause. Einige Raisonneure wurden schnell von den Polizeiposten zur Ruhe gebracht.

Auf den übrigen Werften wird gearbeitet.

Die Straßen an der Wasserkante, in denen sich Polizeiwachen befinden, sind in einem Abstand von ca. 100 Meter mit Stacheldraht abgesperrt. Die Drahtverhaue tragen die schon bekannten Schilder mit der Aufschrift: „Hier wird geschossen!“

Der amtliche Bericht.

Der Chef der Ordnungspolizei berichtete gestern amtlich:

„Gegen 3 ½ Uhr nachmittags versuchten etwa 150 Arbeiter der Vulkanwerft über Roßdamm-Elbtunnel in die Stadt zu gelangen. An der Ellernholzbrücke wurde der Aufforderung der Absperrung, in kleinen Trupps durch den Freihafen zu passieren, nicht Folge geleistet. Vielmehr forderte ein Hetzer trotz des Ausnahmezustandes die Menge auf, gewaltsam in geschlossenem Zuge durchbrechen. Als sie sich hierzu verleiten ließ, mußte die Wache von der Schußwaffe Gebrauch machen. Hier hatten die Demonstranten etwa 4 Tote und 10 Verwundete. Dann wurde der Aufforderung, in kleinen Trupps weiter zu gehen, nachgekommen. Ein Teil der Menge zog von Wilhelmsburg-Veddel in die Stadt. Um 4.15 Uhr nachmittags wurde die Werft von aufrührerischen Elementen, die sich hinter Barrikaden zu verteidigen suchten, gesäubert. Die herausgedrängten Aufrührer hatten mehrere Verwundete. Sie zogen durch den Elbtunnel nach dem Millerntor zu. Hier kam es zu einem Zusammenstoß mit der Absperrung. Der Zugwachtmeister Adler der 11. Hundertschaft der kasernierten Ordnungspolizei wurde von rückwärts aus einem Haufe erschossen. Als die Ordnungspolizei daraufhin zur Waffe greifen mußte, traten auf Seiten der Widerstand leistenden Menge schwere Verluste, etwa 16 bis 20 Tote und Verwundete, ein. Kurz darauf ereignete sich am Justizgebäude ein weiterer Zusammenstoß. Hierbei hatten die Demonstranten etwa 6 Verwundete.

6 Uhr 45 wurden die noch in der Vulkanwerft befindlichen Aufrührer herausgedrängt. Verluste traten hierbei nicht ein. Zurzeit ist Stadt und Hafen ruhig.“

Die Toten und die Verhafteten.

Wie jetzt festgestellt worden ist, sind bei den Zusammenstößen am Mittwoch im ganzen 19 Personen erschossen und zahlreiche Personen sehr schwer verletzt worden. Von den Schwerverletzten sind inzwischen im Hafen-Krankenhaus weitere Personen verstorben, so daß sich die Zahl der Toten auf 30 erhöht hat. Im Hafen-Krankenhaus befinden sich jetzt noch 38 Personen, die zum Teil ebenfalls schwere Verletzungen erlitten haben und von denen nach Ansicht der Ärzte noch einige streben werden. Die Toten konnten noch nicht anerkannt werden, da sie meistens ohne Ausweispapiere und zum Teil bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind. Das ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß sie zu Boden gestürzt waren und dann die Menge rücksichtslos über sie hinwegtrat.

17 Haupträdelsführer

sind verhaftet worden und befinden sich in sicherem Gewahrsam. Sie alle verweigern die Angabe über den Aktions-Ausschuß und gaben nur an, daß sie auf Befehl unbekannter Leute gehandelt haben.

Die Volkszeitung verboten und besetzt.

Durch Verfügung der Behörden ist das weitere Erscheinen der Volkszeitung bis auf weiteres verboten worden. Das Geschäftslokal ist durch Orpo-Leute stark besetzt worden. Der elektrische Strom ist abgesperrt und die Druckmaschinen stehen unter polizeilicher Bewachung, damit dort auch keine anderen Druckschriften fertiggestellt werben können.

Wie die Bestien

hausten die Aufrührer auf der Werft von Blohm & Voß. Der Kriminalbeamte Ziegler, der zur kritischen Stunde in einer Erkundungssache auf Steinwärder zu tun hatte, wurde von einem Mann erkannt. Wie ein Lauffeuer ging der Ruf „Spitzel, Kriminal“ durch die Reihen. Zahllose Leute, meist Burschen zwischen 16 und 20 Jahren, eilten herbei. Ziegler wurde gepackt, zu Boden gerissen und arg mißhandelt. Man riß ihm das Zeug bis auf das Hemd vom Leibe, riß ihm die Schuhsohlen von den Stiefeln führte ihn dann völlig nackend in einen dunklen Raum. Eisen wurde herbeigeholt, mit denen man Ziegler die Füße zusammenband, um ihn ins Wasser zu werfen. In diesem Augenblick erschienen Orpo-Leute und befreiten Ziegler, der recht erhebliche Verletzungen erlitten hat.

Sämtliche Wachen abgesperrt.

Sämtliche Wachen in Hamburg sind durch Drahtverhaue abgesperrt worden und unter verstärkten polizeilichen Schutz gestellt worden. Es sind Schilder angebracht, die die Aufschrift tragen: „Halt, sonst wird geschossen!“ Alle Polizeibeamte sind schon bewaffnet, und es ist Befehl erteilt worden, bei etwaigen Zusammenstößen sofort von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Hamburg ist

auf alles gerüstet.

Die in Neumünster und in Schwerin liegende Reichswehr befindet sich in Alarm für Hamburg und kann mit bereitstehenden Sonderzügen in einer Stunde nach Hamburg geworfen werden. Von Hannover trafen heilte im Automobil zwei Regierungsvertreter hier ein, um sich amtlich über die Vorkommnisse zu unterrichten und Hilfe anzubieten. Nachdem sie mit Senator Hense konferiert hatte fuhren sie sofort nach Hannover zurück.

* * *

spr. Lebensmittelversorgung. 1900 Gr. Brot oder 1750 Gr. Brot und drei Rundstücke. Auf Abschnitt 1 der Lebensmittelkarte 200 Gr. amerikanisches Weizenmehl; auf Abschnitt M der blauen Bezugskarte für Kinder bis zum ersten Jahr 300 Gr. amerikanisches Weizenmehl. 150 Gr. Zucker. Da die Butterbestände geräumt und neue Zufuhren einstweilen nicht zu erwarten sind, muß die Verteilung von Butter einstweilen eingestellt werden. Nährmittel für Kinder: 750 Gr. Weizengrieß oder 500 Gr. weicher bzw. 400 Gr. gerösteter Zwieback auf den Nährmittelabschnitt N der Bezugskarte für Kinder bis zum ersten Jahr, 250 Gr. Weizengrieß auf den Warenbezugsabschnitt H der Kinderbrotkarte.

spr. Die Erwerbslosigkeit in Altona. In der Woche vom 14. bis 19. März betrug die Zahl der unterstützten männlichen Vollerwerbslosen 3119 (Vorwoche 3195), die der weiblichen 502 (502), die Gesamtzahl 8621 (3637). Danach ist ein Rückgang um 76 zu verzeichnen. Im Nachweis wurden 3582 männliche und 859 weibliche Arbeitsuchende gezählt. •

Kommunistische Unruhen in Hamburg.
Etwa 15 Tote, 30 Schwerverwundete.

Was die kommunistischen Führer zweifellos von vorn herein herbeizuführen beabsichtigt hatten, das ist leider Wirklichkeit geworden: Es ist zwischen der Ordnungspolizei und den kommunistischen Stoßtruppen zu schweren blutigen Zusammenstößen gekommen, die Menschenleben gekostet haben. Wir haben gestern abend schon kurz daraus hingewiesen, daß die Kommunisten absichtlich die vorgeschriebene Anmeldung der von ihnen einberufenen Demonstrationsversammlung auf dem Heiligengeistfeld unterlassen hatten, nur weil sie es darauf anlegten, daß Blut fließen sollte!

Im übrigen wollten die Kommunisten diesmal den radikalen Flügel der Erwerbslosen und den radikalen Flügel der Werftarbeiter vor ihren Wagen spannen. Es handelt sich ganz offenbar garnicht um die Erreichung irgendwelcher wirtschaftlichen Ziele — wer das wirklich glauben sollte, mußte schon hoffnungslos naiv sein — sondern es handelte sich ausschließlich um die erste Vorbereitung für eine politische Aktion nach moskowitischem Diktat.

Planmäßig gingen gestern morgen kommunistische Führer auf unsere großen Werften, schmuggelten sich mit den Belegschaften zusammen hinein und versuchten diesen vorzureden, daß für sie jetzt die Stunde gekommen sei, die Werften zu „sozialisieren“; das heißt in diesem Falle nichts anderes, als die Werften unter die Zwangsgewalt der radikalen Führer zu bringen. Es ist damit noch in keiner Weise gesagt, daß die Mehrheiten der verschiedenen Belegschaften mit dem Vorgehen der Ultraradikalen einverstanden waren. Die Kommunisten haben hier aber wieder durch ihr gewalttätiges Vorgehen für den Augenblick die Gewalt an sich gerissen, trotzdem die besonnenen Elemente unter den Werftarbeitern wiederholt sich dem widersetzten. Aehnliche Vorgänge, wie auf der Werft von Blohm & Voß spielten sich auf der Vulkanwerft, der Reiherstiegwerft und der Abteilung Finkenwärder der Deutschen Werft ab: Die Radikalen wollten die Direktionsgebäude besetzen, die Herrschaft an sich reißen und radikale Erwerbslose einstellen. Die Leitungen der Vulkanwerft und der Abteilung Finkenwärder der Deutschen Werft kamen dem zuvor, indem sie schon vorher die Schließung der Werft und die Entlastung der gesamten Arbeiterschaft verkündeten. (Das Nähere ergibt sich aus den Anzeigen in der heutigen Nummer.)

Der erste blutige Zusammenstoß.

Der Chef der Ordnungspolizei teilt mit: Gegen 3 ½ Uhr nachmittags versuchten etwa 1500 Arbeiter der Vulkanwerft über Roßdamm-Elbtunnel in die Stadt zu gelangen. An der Ellernholzbrücke wurde der Aufforderung der Absperrung, in Trupps durch den Freihafen zu passieren, nicht Folge geleistet. Vielmehr forderte ein Hetzer trotz des Ausnahmezustandes die Menge auf, gewaltsam in geschlossenem Zuge durchzubrechen. Als sie sich hierzu verleiten ließ, mußte die Wache von der Schußwaffe Gebrauch machen. Hier hatten die Demonstranten etwa 4 Tote und 10 Verwundete. Dann wurde der Aufforderung, in kleinen Trupps weiter zu gehen, nachgekommen. Ein Teil der Menge zog von Wilhelmsburg-Veddel in die Stadt. Um 4 ½ Uhr nachmittags wurde die Werft von aufrührerischen Elementen, die sich hinter Barrikaden zu verteidigen suchten, gesäubert. Die herausgedrängten Aufrührer hatten mehrere Verwundete. Sie zogen durch den Elbtunnel nach dem Millerntor zu. Feuerwehrleute der Wache 8 verbanden die Schwerverwundeten und ließen sie mit Krankenwagen ins Krankenhaus transportieren.

Kurze Zeit darauf wurde vom Senat der
Ausnahmezustand über Hamburg verhängt.

Uns ging darüber folgende amtliche Mitteilung zu: Infolge der Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch gewissenlose Elemente hat sich der Senat veranlaßt gesehen, zur Verhütung weiterer Ausschreitungen über das Gebiet des Hamburger Staates mit Ausnahme des Amtes Ritzebüttel den Ausnahmezustand zu verhängen und die in den Artikeln 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Reichsverfassung festgesetzten Grundrechte vorübergehend außer Kraft zu setzen. Die vollziehende Gewalt ist dem Polizeiherrn Senator Hense übertragen, der gleichzeitig zum Regierungskommissar ernannt ist.

Der zweite schwere Zusammenstoß

ereignete sich kurz vor 6 Uhr in der Nähe des Heiligengeistfeldes. Starke Aufgebote der Polizei hatten mit Last- und Panzerautos und Maschinengewehren den Platz gesichert, der überdies mit Stacheldraht umzogen war. Auch die Glacischaussee war für jeden Verkehr abgesperrt, erst in später Abendstunde konnte die Straßenbahn hier wieder fahren. Trotzdem zogen mehrere tausend Kommunisten heran. Sie bewarfen die Sicherheitsmannschaften und die Autos mit Steinen und kleinen Eisenstücken und versuchten, sie zu entwaffnen. Auch Waffen wurden in der Menge nach den Anordnungen der Führer mitgeführt.

Ueber den Verlauf berichtet der Chef der Ordnungspolizei folgendes: Es kam zu einem Zusammenstoß mit der Absperrung. Der Zugwachtmeister Adler der 11. Hundertschaft der kasernierten Ordnungspolizei wurde von rückwärts aus einem Hause erschossen. Als die Ordnungspolizei daraufhin zur Waffe greifen mußte, traten auf Seiten der Widerstand leistenden Menge schwere Verluste, etwa 16 bis 20 Tote und Verwundete, ein. Kurz darauf ereignete sich am Justizgebäude ein weiterer Zusammenstoß. Hierbei hatten die Demonstranten etwa 6 Verwundete.

Bald darauf zogen die Kommunisten in kleineren und größeren Trupps nach Wilhelmsburg, wo sich in zwischen etwa 5000 ihrer radikalen Genossen versammelt hatten. Von den Führern wurde die Parole ausgegeben, sich bis zum Eintritt der Dunkelheit mit Waffen zu versehen, weil dann der große Angriff beginnen solle. Auch in Hamburg wurde die gleiche Parole ausgegeben. In den Treffpunkten der Kommunisten, in verschiedenen berüchtigsten Kneipen der Altstadt, in den Gängevierteln zwischen dem Steinweg und der Wexstraße versammelten sich die einzelnen moskowitischen Stoßtrupps und Abteilungen, um hier die näheren Befehle zu empfangen. So wurde im Ebräergang von einem sehr elegant gekleideten Herrn an etwa 40 „Kommunisten-Unterführer“, wie sie sich nannten, die Weisung erteilt, nach Eintritt der Dunkelheit ihre Gruppen bewaffnet bereit zu halten, da noch während dieser Nacht die gesamte Ordnungspolizei Hamburgs entwaffnet und die öffentlichen Gebäude und die Zeitungsbetriebe besetzt werden sollten.

Allmählich verschwanden die zweifelhaften Gestalten, die sich anfangs in den Straßen umhergetrieben hatten, immer mehr. Um zehn Uhr abends wieder, nur noch die starken Streifen der Ordnungspolizei zu Fuß, zu Rad und auf den Lastautos, die ununterbrochen die Stadt durchschwärmten, auf die von den Kommunisten angestellten Unruhen hin. Sonst lag alles ruhig da. Immerhin war der Verkehr in den Straßen und den Kaffeehäusern schwächer als sonst. Viele hatten es vorgezogen, im Hause zu bleiben, anstatt in die Gefahr zu kommen, in die Ruhestörungen hineingezogen zu werden.

Bei Schluß der Redaktion war noch nichts von dem eingetroffen, was die kommunistische Parole in Aussicht gestellt hatte. In den Kreisen der Ordnungspolizei rechnete man mit der Möglichkeit von Angriffen in den frühen Morgenstunden.

§ Von den Toten des 23. März, die bisher noch nicht identifiziert waren, sind inzwischen noch folgende Leichen anerkannt worden: Bohrer Paul Steenwärder, geboren am 2. 12. 1898, wohnhaft Thüringerstr. 67; Tapezierer Friedrich Dürner, geboren am 19. 1. 1876, wohnhaft Wiesenstraße 40; Schlosser Otto Emil Richard Ohm, geboren am 20.12. 1878, wohnhaft Sillemstr. 32, Haus 4; sowie Bäckergeselle Alfred Georg Reitz, geboren am 3. 3. 1883, wohnhaft Erichstr. 37, Haus 1. Es konnten bislang 23 Opfer rekognosziert werden, die der Generalstaatsanwalt zur Bestattung freigegeben hat. Die Bestattung der Opfer findet am Mittwoch und Donnerstag auf Wunsch der Angehörigen getrennt statt, da viele der Gefallenen Familiengrabstellen haben.

Neue Hamburger Zeitung, 30. März 1921 – Morgenausgabe

* * *

Und hier nur ein Auszug der Stellungnahme der FAUD bzw. ihrer Wochenzeitung Der Syndikalist vom 30. April 1921:

Der Syndikalist, Nr. 17 – 30. April 1921:

Am 18. März begann die „Rote Fahne“ mit den Aufrufen zur Bewaffnung:

„Ein jeder Arbeiter pfeift auf das Gesetz und er erwirbt sich eine Waffe, wo er sie findet!

(…) Nun war das Geschick im Lauf. Vom Mansfeldischen sprang der Funke nach Hamburg über. Dort gab es sofort reichlich Tote, und wir können uns kein Urteil erlauben, ob dort die „neue Theorie“ auf fruchtbaren Boden gefallen war. Jedenfalls waren die Hamburger Genossen naiv genug gewesen, zu glauben, eine Parteizentrale, die mit dem Aufstand herumfackle, wisse was sie tue und zu glauben, die Zentrale wolle, was sie sage. Sie gingen als „aufs Ganze“. Man sandte ihnen einen expressen Boten, der „bremsen“ sollte. Als der Expresse gebremst hatte, fand man, daß er zuviel gebremst hatte. Man sandte einen anderen Expressen, der die Bremsung bremsen sollte. Als aber der zweite Expresse kam, war die Hamburger Bewegung schon gebrochen. Und damit war die Gesamt“aktion“ im wesentlichen bereits am Ende ihrer Kräfte. Die „Aktion“, die entstanden war in einem Kopf, der zudem keinen blassen Schimmer hat von deutschen Verhältnissen, und die politisch vorbereitet und geführt war von politischen Kindsköpfen, hatte die Kommunisten allein gelassen.

(…)

Wie aber dachte sich die Zentrale das Verhältnis der Kommunisten zu den Massen? (…) Nun hatten sie ihre Toten. In Hamburg und im Mansfeldischen lagen sie. Aber die Situation war von Anfang an so ohne jede Voraussetzung für eine Aktion, dass nicht einmal die Toten die Massen in Bewegung zu bringen vermochten. Man hatte aber noch ein anderes Mittel bereit. In Nr. 133 der „Roten Fahne“ vom Sonntag, dem 20. März, steht ein Artikel mit der Überschrift: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich! Ein Wort an die sozialdemokratischen und unabhängigen Arbeiter.“ (…) Es heißt da am Ende:

Die Rote Fahne, 20. März 1921

Man denke sich: für die unabhängigen und sozialdemokratischen Arbeiter lag in dieser Situation kein Grund zu einer Aktion vor. Der geniale Kopf, der die Aktion ersonnen, war ihnen unbekannt, ein Beschluß der Kommunistischen Partei war für sie kein Ereignis, das sie, ohne dass sie eine Begründung kannten, in eine Aktion riß, und wir vermuten: hätten sie die Begründung gekannt, so würde ihr Wille zur Aktion nicht größer geworden sein. Man verstehe: diesen Arbeitern, die der Aktion völlig verständnislos gegenüberstanden, stellt man als Bedingungen dafür, dass sie mitmachen dürfen, die, dass sie möglichst ihre bisherigen Führer an die Laterne knüpfen. Und für den Fall, dass sie sich dieser Bedingung nicht willig fügen, wird ihnen die Alternative gestellt: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich!“ Eine Kriegserklärung für vier Fünftel der deutschen Arbeiter zu Beginn der Aktion!

(…) Die Zentrale hatte zu entscheiden, was weiter geschah. Sie entschied sich für „Steigerung der Aktion“. Die Aktion, die irrsinnig begonnen war, in der kein Mensch wußte, worum man eigentlich kämpfe, in der die Zentrale – offenbar weil ihr nichts anderes einfiel und weil sie den Kniff für furchtbar klug hielt – zurückgriff auf die Gewerkschaftsforderungen aus dem Kapp-Putsch (!), die Aktion, die Narretei sollte gesteigert werden. Sie war steigerungsfähig. Zu den Toten im Mansfeldischen und Hamburg kamen die Toten von Halle. Auch sie brachten nicht die „Stimmung“. Nach den Toten von Halle kamen die Toten von Essen. Aber die „Stimmung“ blieb aus. Nach den Toten von Essen kamen die Toten von Mannheim. Aber noch immer keine „Stimmung“. Man wird nervös in der Zentrale wegen des Ausbleibens der Stimmung. In dieser Situation dann am 30. März, sprach jenes Zentralmitglied jenen Stoßseufzer aus, daß doch vielleicht in Berlin die Sipo „die Ruhe verlieren“ möge, damit die Arbeiterschaft „gereizt“ werde. (…) Und daneben wurde die Arbeiterschaft, die „gereizt“ werden sollte, in der „Roten Fahne“ weiter „behandelt“. Am selben 30. März 1921 schrieb dieses Blatt folgendes: „Schmach und Schande über den Arbeiter, der jetzt noch beiseite steht, Schmach und Schande über den Arbeiter, der jetzt noch nicht weiß, wo sein Platz ist.“

(…) Was soll man dazu sagen? Da verblaßt auch der Name Ludendorff. Der schickte, die Niederlage sicher vor Augen, Klassenfremde, Klassenfeinde in den Tod. Die aber schickten ihr eigen Fleisch und Blut zum Sterben für eine Sache, die sie selbst schon als verloren erkannt, zum Sterben, damit ihre, der Zentrale Position, nicht gefährdet werde. Wir wünschen den Genossen, mit denen wir selbst lange frohe und trübe Zeit durchlebt haben, keine Buße für das, was sie getan; nur eine Kasteiung mögen sie sich auferlegen, um ihrer selbst und um der Partei willen, in deren Nutzen zu handeln sie wohl glaubten, und das ist: deutschen Arbeitern nicht mehr unter die Augen treten.

• Aus dem Artikel: Paul Levi und die März-Aktion der V.K.P.D., Der Syndikalist, Ausgabe 17 vom 30. April 1921

21. 3.1921
Die KPD proklamiert im Mansfelder Industrierevier den Generalstreik. Mit der „Märzaktion“ soll die Republik gestürzt werden. Es kommt zu schweren Kämpfen mit Regierungstruppen, bei denen auf beiden Seiten 200 Menschen ums Leben kommen. Am 2. April zieht die KPD den Streikaufruf zurück. Nach dem Aufstand treten 400.000 Mitglieder aus der Partei aus, das entspricht der Hälfte aller Mitglieder.

29. 3. 1921

Als Reaktion auf die kommunistischen Streiks in Mitteldeutschland werden außerordentliche Gerichte zur schnelleren Verurteilung der festgenommenen Aufständischen eingerichtet.

https://www.dhm.de/lemo/jahreschronik/1921
Der Unionist – Nr. 13 vom 30. März 1921Das Urteil gegen Karl Roche – 13. April 1921

Das Urteil gegen Karl Roche – 13. April 1921

Die eingerichteten Außerordentliche Gerichte machten kurzen Prozeß. Wir greifen hier nur die Zeitungsmeldungen zur Verurteilung des Genossen Karl Roche für die Unionist-Ausgabe Nr. 13 heraus.

Hamburger Anzeiger, 13. April 1921:

Weitere Aufruhrsachen vor dem Sondergericht.
Kommunistische Flugblätter und Weiterdruck der Volkszeitung.

Wegen Vorbereitung zum Hochverrat haben sich vier Personen zu verantworten: Der Gewerkschaftssekretär der V. K. P. D. Karl Sehnbruch, der Student der Philosophie Werner Heinz Neumann aus Berlin, zurzeit politischer Kommissar der V. K. P. D. Wasserkante, der Buchdruckereibesitzer Albert Friedrich Heil und der frühere Bauarbeiter und jetzige Invalide Karl Roche. Es handelt sich um die Herausgabe aufreizender Flugblätter und den Druck des Unionists, des Organs der „Arbeiterunion“, und um die Fortsetzung der verbotenen Volkszeitung. Der Angeklagte Heil ist Inhaber einer kleinen Druckerei, in der der Unionist gedruckt wird. In der letzten Nummer dieser Zeitung sollen aufreizende Artikel enthalten sein, wofür der Angeklagte Roche verantwortlich gemacht wird, der aber die Verantwortung ablehnt. Er habe lediglich die Manuskripte in die Druckerei gebracht, aber sich um den Inhalt nicht gekümmert. Am Tage vor Ostern druckte Heil im Auftrage der Leitung der V.K.P.D. ein aufreizendes Flugblatt, dessen Inhalt er aber nicht gelesen haben will. Die Polizei bekam Wind von der Sache, besetzte die Druckerei und nahm die Angeklagten Sehnbruch und Neumann, die dort erschienen, in Haft. Sehnbruch, der aus München ausgewiesen ist, war erst ein paar Tage in Hamburg und will nichts gewußt haben. Neumann ist nach Hamburg gekommen und hat sich der V.K.P.D. zur Verfügung gestellt. Er behauptet, eine Fortsetzung der verbotenen Volkszeitung sei nicht beabsichtigt gewesen: er habe sich lediglich um den Druck der in Kiel und Bremen erscheinenden Kopfblätter der Volkszeitung gehandelt, die nicht verboten gewesen seien.

Der Staatsanwalt beantragt die Freisprechung von Sehnbruch und Neumann, gegen die nichts erwiesen sei; gegen Roche und Heil wird Festungshaft von einem Jahre  und von 18 Monaten beantragt. Das Urteil lautet gegen Sehnbruch und Neumann antragsgemäß auf Freisprechung, gegen Roche auf ein Jahr und gegen Heil auf 18 Monate Festungshaft. •

Neue Hamburger Zeitung, 13. April 1921:

Außerordentliches Gericht des Reichs.

Ik. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat stehen vor dem Gericht: der Gewerkschaftssekretär Karl Sehnbruch, der Student Werner Heinz Neumann, der Buchdruckereibesitzer Albert Friedrich Heil und der Bauarbeiter Carl Roche. Es handelt sich um die Herausgabe aufreizender Flugblätter und die Fortsetzung der verbotenen Volkszeitung. Der Angeklagte Heil hat eine kleine Buchdruckerei, in der der Unionist, das Organ der Arbeiter-Union, gedruckt wird. Es wurde am Tage vor Ostern von der Führung der V. K. P. D. beauftragt, Flugblätter für Landarbeiter zu drucken, auch verhandelte man mit ihm über den Druck einer Zeitung, die nach der Meinung der Polizei die verbotene Volkszeitung ersetzen sollte. Heil nahm den Auftrag aus geschäftlichen Rücksichten an, politisch hat er nichts mit den Kommunisten und Unionisten zu tun.

Der Angeklagte Roche soll bei diesen Geschäften die Vermittlerrolle gespielt haben. Die Polizei besetzte die Heilsche Druckerei und nahm Sehnbruch und Neumann, die in der Druckerei erschienen, in Haft. Sehnbruch wurde seiner Darstellung nach vom Parteisekretär Behring in die Heilsche Druckerei gesandt, um sich zu erkundigen, ob die Flugblätter fertig seien. Weiter will er von der Sache nichts wissen.

Neumann, ein Berliner Student der Philosophie, ist vor einiger Zeit nach Hamburg gekommen, um sich der V. K. P. D. zur Verfügung zu stellen. Er hatte eine Legitimation als „politischer Kommissar der V. K. P. D. Wasserkante“ bei sich, als er verhaftet wurde. Er bestreitet, daß eine Fortsetzung der verbotenen Volkszeitung beabsichtigt gewesen sei; es habe sich lediglich um den Druck der in Bremen und Kiel erscheinenden Kopfblätter der Volkszeitung gehandelt, die nicht verboten gewesen seien. Dem Roche wird vorgeworfen, daß er in dem Unionist aufreizende Artikel veröffentlicht habe. Er erklärte, daß er für den Inhalt dieser Zeitung nicht verantwortlich gemacht werden könne, er sei lediglich Bote gewesen.

Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragt der Anklagevertreter die Freisprechung für Sehnbruch und Neumann, deren Schuld nicht einwandfrei nachgewiesen sei. Heil und Roche müßten bestraft werden, weil sie aufreizende Druckschriften zu verbreiten versucht hätten. Gegen Roche wird ein Jahr Festungshaft, gegen Heil werden 18 Monate Festungshaft beantragt. Das Urteil lautet in bezug auf Neumann und Sehnbruch antragsgemäß auf Freisprechung. Roche trage die Verantwortung für die aufreizenden Artikel des Unionist. Er wird zu einem Jahr Festungshaft verurteilt.

Heil, der aus geschäftlichen Interessen die aufreizenden Druckschriften hergestellt hat, wird zu 18 Monaten Festungshaft und wegen Preßvergehens zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt. •

Gerichts-Bericht des Hamburgischen Correspondenten vom 13. April 1921:

Vor dem außerordentlichen Gericht standen ferner der aus Bayern wegen politischer Umtriebe ausgewiesene Gewerkschaftssekretär Karl Sehnbruck, der Student der Philosophie Werner Neumann aus Berlin, der Druckereibesitzer Albert Friedrich Heil und der mehrfach wegen politischer Vergehen [Anmerkung: vornehmlich im Kaiserreich!] bestrafte frühere Bauarbeiter Johann Friedrich Rocke unter der Anklage der Verleitung zum Hochverrat. Bei der Ueberholung der Heilschen Druckerei am 26. März traf die Polizei dort die Angeklagten Neumann, Sehnbruch und Rocke an. Bei der Durchsuchung der Druckerei fand man eine Anzahl Manuskripte hetzerischen Inhaltes für Flugblätter der kommunistischen Partei, sowie für die Arbeiter-Union. Ebenso den fertiggestellten Satz eines solchen Blattes. Alles wurde beschlagnahmt. Man vermutete auch, dass die kommunistischen Schriften zur Fortsetzung der verbotenen Hamburger Volkszeitung dienen sollten. Die Angeklagten Sehnbruch und Neumann erklärten nun, sie hätten durchaus keinerlei Kenntnis von dem Inhalt der zu Heil gebrachten Manuskripte gehabt. Sie seien der Meinung gewesen, dass es zu Kopfblättern für Zeitungen für Kiel und Bremen dienen sollte, die sonst in der Volkszeitung gedruckt wurden.

Heil sagte aus, er habe das Organ der Arbeiter-Union, den ‚Unionist’, gedruckt. Als ihm Rocke das in Rede stehende Manuskript gebracht hatte, habe er es für illegal gehalten. Rocke habe seine Bedenken aber zu zerstreuen gewusst, indem er erklärte, es werde ja nur die Ansicht der Kommunisten, nicht die der Unionisten zum Ausdruck gebracht. Rocke will nur der Bote der Arbeiter-Union gewesen sein und als solcher wiederholt, wie auch am 26. März, mit Heil über einen Druckauftrag verhandelt haben. Nach der Beweisaufnahme hielt Oberstaatsanwalt Hollender eine Vorbereitung zum hochverräterischen Unternehmen seitens der Angeklagten Sehnbruch und Neumann nicht für erwiesen und beantragte deren Freisprechung, aber gegen Heil, der aus Gewinnsucht gehandelt hatte, 15 Monate, gegen Rocke 1 Jahr Festungshaft. Das Gericht erkannte diesen Anträgen gemäß. •

Das hamburgische Börsenblatt – Hamburgischer Correspondent – kann weder das Urteil richtig wiedergeben noch den Namen des Angeklagten Sehnbruch noch den unseres Genossen Roche.

* * *

Uns liegt die inkriminierte Ausgabe Nr. 13 des Unionist vor:

Die Fakten sind sehr mehrdeutig: Karl Roche war zwar Mitglied der Pressekommission der AAU Groß-Hamburg, aber er war nicht für die Ausgabe Nr. 13 des Unionist verantwortlicher Redakteur (gezeichnet war die Ausgabe mit Kurt Meyer, Berlin). Außerdem erschien die Ausgabe definitiv erst nach Ostern, denn die Schlagzeile lautet: „Die Oster-Erhebung des revolutionären Proletariats!“ und greift die Hausdurchsuchung im Büro der AAU in der Straße Kohlhöfen 20 in der Nacht vom 25. auf den 26. März heftig mit einem Offenen Brief an den SPD-Polizeisenator Hense an.

Zudem beweist das Vernehmungsprotokoll der Polizeibehörde, Abteilung II, vom 31. März 1921, dass die „Beschlagnahme der Zeitschrift Unionist Nr. 13 in der Hauptsache erfolgt“ ist. Das Impressum entsprach nach Richterspruch nicht dem Pressegesetz, da die Druckerangabe: „Kommissionsdruck“ und die Verlagsangabe: „Pressekommission der A.A.U. Gross-Hamburg“ „als Firmen nicht anzusehen und auch sicher nicht eingetragen sind“.

* * *

Anmerken müssen wir, dass in der 14. Ausgabe des Unionist vom 8. April 1921 Karl Roche als Verantwortlicher im Impressum aufgeführt ist.

Die Beschlagnahme der 13. Unionist-Ausgabe erfolgte am 30. März, die Hausdurchsuchung des AAU-Büros (Hamburg 3, Kohlhöfen 20) fand am 25./26. März statt. – Der Aufstands- oder Putschversuch fand am 23.  März 1921 statt – Ostersonntag war der 27. März 1921.

Der Gewerkschaftssekretär der KPD, Karl Sehnbruch, ist nicht weiter bekannt geworden; der Student Werner Heinz Neumann ist der spätere Sekretär Ernst Thälmann. Er fällt unter Stalin in Ungnade und wird 1937 liquidiert.  

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Zwei erschossene Unionisten der AAU Hamburg

Die erschossenen Opfer der Unruhe werden in den Todesmeldungen als „Gefallen bei den Unruhen am 23. März 1921“ tituliert … mehr Zynismus geht nicht. Wer mit Infanterie-Munition auf eine Ansammlung von tausenden Menschen schießt, hat nichts anderes vor, als brutalen weißen Gegenterror auszuüben.

Todesanzeige – Der Unionist, Nr. 14 vom 8. April 1921:

Diese beiden getöteten Arbeiter waren Mitglieder der Allgemeinen Arbeiter-Union in Hamburg.

Jonny Meyer, 1902 geboren, Lehrling – Kopfschuss

Quellen:


Der gesamte Artikel ist auch als pdf erhältlich:

Hochgeladen am 11. April 2021 – fm

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