Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

Kollektivbetriebe

Selbstverwaltete Betriebe als ‚konstruktiver Sozialismus’

Kollektiv-Genossenschaften als Modell für einen konstruktiven Sozialismus?

Genossenschaften sind historisch gesehen Notwehr- und Selbsthilfe-Organisationen gegen die kapitalistische Ausbeutung der Arbeiterklasse.[1] Sie waren und sind gleichzeitig eine Perspektive für eine bessere, eine sozialistische Gesellschaft. Da die traditionellen Partei-‚Schulen des Sozialismus’ als Kampforganisationen gegen den Kapitalismus längst auf dem Misthaufen der sozialistischen Geschichte gelandet sind, geht es hier um die Frage, ob Kollektiv-Genossenschaften diese Aufgabe heute übernehmen können.

Als Anarchosyndikalist bin ich davon überzeugt, daß eine grundlegende soziale Veränderung nur durch die vollständige Überwindung der kapitalistischen wirtschaftlichen Verhältnisse erfolgen kann. Für den rein politischen Kampf haben wir keine Zeit, er kostet zu viel Energien, da er die Akteure der Arbeiterklasse vornehmlich auf den parlamentarischen Kampf festlegt und außerparlamentarische direkte Aktionen allein als Hilfsmittel für eine demokratisch-legitimierte Gesellschaftsveränderung ansieht. Da wir eine Überwindung des Kapitalismus wollen, muß dieser an seiner Wurzel zerstört werden und kann nicht durch eine andere Politik im Kapitalismus niedergerungen werden.

Hier ein schönes Karl Marx-Zitat, das auf dieses Thema aufmerksam macht:

Wir anerkennen die Kooperativbewegung als eine der Triebkräfte zur Umwandlung der gegenwärtigen Gesellschaft, die auf Klassengegensätzen beruht. Ihr großes Verdienst besteht darin, praktisch zu zeigen, daß das bestehende despotische und Armut hervorbringende System der Unterjochung der Arbeit unter das Kapital verdrängt werden kann durch das republikanische und segensreiche System der Assoziation von freien und gleichen Produzenten.“ [2]

Für Marx war die Produktiv-Genossenschaftsbewegung also eine ‚Schule des Sozialismus’, gleichberechtigt neben den Gewerkschaften, die er als „unumgänglich für den täglichen Guerillakrieg zwischen Kapital und Arbeit[3] ansah.

Doch in der sozialdemokratisch organisierten Arbeiter~innenbewegung war es üblich, nach kollektiven Beschlüssen über die Ausgabe von Anteilsscheinen z.B. die Gründung einer Tageszeitung, einer Wohnungsbau-, Konsum- oder auch einer genossenschaftlichen Brauerei zu zeichnen. So wurde das Kapital dieser Gründung für die Arbeiterbewegung aufgebracht. Sie planten dabei keine Arbeiterselbstverwaltung, vielmehr übergaben die Arbeiter~innen das gesammelte Geld ihren Partei- oder Gewerkschaftsfunktionären, die damit ihre eigene Stellung in der Hierarchie der Bewegung festigten und ausbauten. Insgesamt funktionierte das in allen Bewegungen der alten Sozialdemokratie: Partei – Genossenschaften – Gewerkschaften – Arbeitersportbewegung.

Die Diskussion um 1930 herum – 80 Jahre alte Argumente und Ängste

In der libertären Arbeiterbewegung und in der anarchosyndikalistischen Organisation FAUD der Weimarer Republik (1918-1933) fand eine Diskussion über den „Konstruktiven Sozialismus“ statt. Hierbei ging es letztlich die Beweisführung, anhand von „Experimentalsozialismus“ aufzuzeigen, daß Arbeiter~innen Betriebe führen können und deshalb auch eine selbstverwaltete Gesellschaft praktisch möglich ist. Viele Menschen brauchen konkrete Beispiele, um zu verstehen, daß wir als Anarchisten und Anarchosyndikalisten nicht bloß schöne Theoriegebäude zimmern können; die Menschen verlangen wirtschaftliche Modelle, die eben nicht bloß bei Schönwetter funktionieren.

In der Theorie-Zeitschrift der FAUD Die Internationale ‚tobte’ 1929 bis 1932 ein Kampf um die Idee sozialistischer ‚Experimente’ oder des ‚konstruktiven Sozialismus’.

Den Beginn machte eine historische Artikelserie von Rudolf Rocker über die den konstruktiven Sozialismus in den verschiedenen Epochen und durch unterschiedliche utopische Sozialisten im Jahre 1927. Er schreibt u.a.:

»Die Genossenschaften aber haben die einstigen Voraussetzungen ihrer Bestrebungen längst vergessen und sich in Organe der kapitalistischen Gesellschaft umgewandelt. Wir wollen nicht bestreiten, daß sie auch in dieser Form dem einzelnen Arbeiter noch von bescheidenem Nutzen sein können; aber der sozialistische Fernblick, den Robert Owen einst hatte, ist ihnen verloren: gegangen und zusammen mit ihm der Drang zur konstruktiven sozialistischen Betätigung.

Und doch stehen wir heute wieder vor einer Wende, wo sich die Notwendigkeit für ein konstruktives Wirken im Sinne des Sozialismus mehr und mehr bemerkbar macht und Verständnis findet. In jedem Lande sind bereits Ansätze eines solchen Wirkens wahrzunehmen. Aus diesem Grunde halten wir eine ernste Betrachtung über die verschiedenen Formen des konstruktiven Sozialismus, von den ersten Versuchen des alten Experimentalsozialismus bis zum modernen Gildensozialismus, für geboten. Dies soll die Aufgabe späterer kommender Ausführungen sein.« [4]

Rocker übertrug damit der revolutionären sozialistischen Gewerkschaftsbewegung die Aufgabe der Produktion, während die Genossenschaften den Konsum zu organisieren haben. Er geht also scheinbar davon aus, daß es keine Produktionsgenossenschaften gäbe und nur Konsum- und Wohnungsbaugenossenschaften. Der kommunalistische Sozialismus als dritte Säule neben den revolutionären Gewerkschaften und den Konsumgenossenschaften manifestiert sich bei  Rocker – ähnlich wie bei Kropotkin – allein durch die Vielzahl der sozialistischen Arbeiterorganisationen (Arbeitersport, Kultur- und Bildungsvereine etc.).

Eines der bewerkenswertesten Gegenargumente gegen »Betriebe, die der vollen Konkurrenz des Kapitalismus ausgesetzt sind«, war, »daß sie sich sozialistisch nicht halten können.« [5] Eine andere Vorstellung besagte, daß »eigene Produktionsstätten der Arbeiter zu schaffen« zwecklos sei, da »die Ausbeutung der Arbeiter als hauptsächlich in der Warenverteilung, in der Konsumtion begründet« sei. [6]  Damit leugnete dieser Genosse die Schaffung des Mehrwertes in der Produktion und die Aneignung dieses Profites durch die Kapitalisten; er sieht vielmehr in den Handelsspannen der Händler die Ursache für die Ausbeutung des Proletariats. Diese auszuschalten sei deshalb die Aufgabe von Konsumgenossenschaften.

Erich Mühsam forderte wohl ausgehend von dieser Diskussion, daß »sich die Anarchisten die Aufgabe stellen, die wirtschaftliche Organisation der künftigen Gesellschaft in den Einzelheiten zu durchdenken und Vorarbeiten für die Überführung der kapitalistischen zur sozialistischen Wirtschaft zu leisten.« Und er warnte vor der »kindlichen Vorstellung, mit der Besetzung der Betriebe durch die Arbeiter und ihre einfache Weiterführung unter eigener Leitung werde die Revolution den Übergang zum Sozialismus schon bewerkstelligt haben, ist so unsinnig wie gefährlich.« [7]

Die FAUD propagierte seinerzeit die Kontrolle der Produktion durch die Arbeiterklasse:

»Aus diesem Grunde erblicken wir [die Anarcho-Syndikalist~innen] in der Gewerkschaft keineswegs ein vorübergehendes Produkt der kapitalistischen Gesellschaft, sondern die Keimzelle der zukünftigen sozialistischen Wirtschaftsorganisation«, um den »den sozialistischen Aufbau durchführen zu können«. Alle revolutionären Gewerkschaften eines Ortes vereinigen sich in der Lokalföderation, die damals Arbeitsbörse genannt wurde, als »dem Mittelpunkt der lokalen gewerkschaftlichen Tätigkeit und der revolutionären Propaganda«.

»Würden nun bei einer siegreichen Revolution die Arbeiter vor das Problem des sozialistischen Aufbaues gestellt, so würde sich jede Arbeitsbörse in eine Art statistisches Büro verwandeln … (…) Die Arbeitsbörse hätte die Aufgabe, den Konsum zu organisieren … Die Industrieverbände ihrerseits hätten die Aufgabe, durch ihre lokalen Organe und mit Hilfe der Betriebsräte sämtliche vorhandenen Produktionsmittel, Rohstoffe usw. unter ihre Verwaltung zu nehmen und die einzelnen Produktionsgruppen und Betriebe mit allem Notwendigen zu versorgen. Mit einem Worte: Organisation  der Betriebe und Werkstätten durch die Betriebsräte; Organisation der allgemeinen Produktion durch die industriellen und landwirtschaftlichen Verbände; Organisation des Konsums durch die Arbeitsbörsen.« [8]

Alle Organisation richtet sich darauf aus, nach der Sozialen Revolution aus Betriebsräten die Leiter der sozialistischen Bedarfsproduktion zu machen und aus den lokalen Agitations- und Organisationszentralen – den  Arbeitsbörsen – die Verwaltung des Konsums. Da war das sozialdemokratische Konzept weitaus einleuchtender, die in ihren eigenen Konsumgenossenschaften die zukünftigen Träger der Organisation des Konsums sahen. Und: reichen vorhandene Statistiken über die kapitalistische Produktion aus, um eine sozialistische Bedarfsproduktion freiheitlich zu organisieren?

Die anarchosyndikalistische Bewegung in der FAUD/AS erstrebte eine Organisierung der Arbeiterklasse als Produzenten und wollte sie deshalb in lokalen und übergeordneten (Bezirk und Provinz) Arbeitsbörsen sowie reichsweiten Wirtschaftsräten zusammenfassen, damit die Industriegewerkschaften die zukünftige Warenproduktion für die freie Gesellschaft übernähmen. Für mich bedeutet dies eine Form der Vergewerkschaftlichung der Gesellschaft – zumindest aber der Wirtschaft.

Da die FAUD/AS die Überwindung des Kapitalismus nur über die direkte Aktion eines sozialen Generalstreiks propagierte, löst sich nach dieser Sozialen Revolution die Arbeiterklasse jedoch nicht einfach auf. Es bleibt deshalb die kritische Frage, ob sich eine AS-Gewerkschaft bereits in und vor allem auch nach der Sozialen Revolution in eine reine Produktionsverwaltung der Wirtschaft wandelt oder nicht. Es wird auch in der freien Gesellschaft über einen längeren Zeitraum immer wieder Reibungspunkte und wirtschaftliche Konflikte geben, die eine Interessenvertretung der Arbeitenden nötig macht – gegenüber der nun die Ökonomie verwaltenden Wirtschaftsräte oder Arbeitsbörsen, oder auch nur als Kontrollgremium zur Einhaltung der allgemein vereinbarten Arbeitsbedingungen.

Zu wissen, wieviel wer wie und wo produziert, mag eine Grundvoraussetzung sein, die Produktion wieder aufzunehmen – nach dem erfolgreichen Generalstreik.

All dies sollte diskutiert und als Zielvorstellung entschieden werden, denn sonst bleibt es bei der bereits von H.W. Gerhard 1932 kritisierten »Grundtatsache, daß innerhalb der anarchistischen und anarchosyndikalistischen Kreise ein erschreckendes Maß an Unklarheit über den einzuschlagenden Weg vorhanden ist«. Bei der Frage, »welche Grundsätze bei der Aufstellung einer revolutionären Taktik obwalten sollten, (…) bestehen die verschiedensten Auffassungen, die sich gegenseitig ausschließen, ganz harmlos nebeneinander. Man weiß vielleicht noch nicht, daß man von zwei Wegen eben nur den einen gehen kann. (…) Aber bei der deutschen Arbeiterschaft, die auf solche taktischen Feinheiten viel mehr Gewicht legt, als wir glauben, wirken solche Unklarheiten sehr ungünstig. Man glaubt ganz einfach, daß unsere Genossen, wenn sie einmal zwei taktische Wege, die sich ausschließen, als gleichberechtigt nebeneinander vortragen, nicht wissen, was sie wollen.«  [9]

Max Nettlau bezeichnet den konstruktiven Sozialismus als ein Gegenmittel gegen den Kapitalismus: »Durch ihn würde, in tüchtig aufgebauten Produktivorganismen wie die im vorigen geschilderten, die freie Arbeit in ihrer Würde und ihren Leistungen gezeigt werden, und die Masse der Arbeiter könnte allmählich lernen, solche freiwilligen, selbstbegründeten Verhältnisse der kommunalen und staatlichen Arbeitsknechtschaft vorzuziehen.«

Ganz anschaulich verdeutlicht er die einleuchtenden Gründe, warum ein Kollektivbetrieb funktionieren kann:

»Eine kooperative Produktion in größerem Maßstab müßte in jedem Herstellungszweig in bezug auf Größe des Betriebes, Maschinen, Absatzkreise, laufendes Kapital und Kredit usw. mindestens über dieselben Einrichtungen und Mittel verfügen wie normale kapitalistische Betriebe, oder das Unternehmen wäre von Beginn an hoffnungslos im Nachteil. Wenn dann innerhalb eines richtig ausgestatteten und gut proportionierten Betriebes an Stelle von niedrigen Arbeitslöhnen, hohen Direktionsgehalten und dem, dem Betrieb entzogenen Profit, höhere Arbeitslöhne und eine sie nicht wesentlich überschreitende Entlohnung der technischen Leitung treten würden, und der Profit auch hierfür oder zur allmählichen Vergrößerung des Betriebes verwendet würde, so wären Lebens- und leistungsfähige Organismen geschaffen, deren günstigere Arbeitsverhältnisse den Ansporn bilden sollten, solche Betriebe möglichst zu vermehren.«

Das Argument sind also flache bzw. keine Hierarchien, keine teuren Geschäftsführer – und vor allem der Mangel an Profitstreben. Allerdings billigt auch Nettlau einer wohl als zwingend erachteten „technischen Leitung“ eine bessere Bezahlung als den normalen Beschäftigten zu.

Die Probleme, warum sich seinerzeit kaum Arbeiter fanden, derartige Betriebe aufzubauen, verortet Nettlau in der Psychologie der kapitalistischen Verantwortungslosigkeit:

»Zwangslosigkeit, Reichlichkeit, ein bequemes Treiben sind dabei nicht möglich, und hierdurch scheint die Anziehungskraft solcher Organismen, deren werktätige Kräfte, wenn alles gut zusammenginge, in wesentlich verbesserten Verhältnissen leben könnten, wesentlich vermindert. Psychologisch scheint dies unvermeidlich zu sein: dem kapitalistischen Zwang steht bei den Arbeitern volle Verantwortungslosigkeit gegenüber, Mangel an Interesse an dem Unternehmen ihrer Ausbeuter, und dafür eine Arbeit mit intensivem Verantwortungsgefühl einzutauschen, erscheint dem Durchschnittsmenschen als eine Verschlechterung seiner Lage, auch wenn die Arbeitsverhältnisse wesentlich bessere würden. Dies ist auch der Grund, warum die Arbeiter in der jetzigen Vorbereitungsperiode des Sozialismus so leicht alle Macht in die Hände der Führer gleiten lassen, wodurch sie die eigene intensive Bemühung und die Verantwortung von sich abgewälzt sehen, und ebenso ist ihnen deshalb der kommunale und der Staatssozialismus so genehm, wo erst recht andere festbegründete Organismen jedem die Arbeit zuweisen und für ihn denken und ihm die Verantwortung abnehmen.«

Damit arbeiterselbstverwaltete Betriebe funktionieren, bedarf es deshalb nach Nettlaus Einschätzung der Einübung eines kollektiven Verantwortungsbewußseins:

»Denn es ist leicht, den Arbeitswillen einer befreiten Menschheit in den Himmel zu erheben, wie die Propagandaliteratur dies tut; man vergißt dabei die sehr großen Erholungs-, d. h. Nichtarbeits- oder Wenigarbeitswünsche, die sich dann mindestens ebenso intensiv geltend machen würden. Um da Zusammenstößen vorzubeugen. könnte eine in der vorbereitenden Uebungs- und Erfahrungszeit erzielte Erziehung zum Verantwortlichkeitsgefühl und sozialer Arbeit für ein soziales Milieu gewiß nur nutzen.« [10]

Mehr als interessant ist im Nachhinein die Tatsache, daß für fast alle Anarchist~innen und revolutionären Syndikalist~innen der damaligen Zeit die Gründung von Produktionsgenossenschaften überhaupt nicht in Frage kam. Begründet wurde dies mit dem Mangel an Kapital – und der Unfähigkeit der Arbeiter, Betriebe dieser Größenordnung zu organisieren. Es wurden also nur Konsumgenossenschaften und Einkaufsgemeinschaften in Betracht gezogen, um als Experiment zu wirken oder den Zwischenhandel bei der Versorgung der FAUD-Mitglieder mit bäuerlichen Produkten auszuschalten. Dafür gründeten einige Mitglieder sogenannte FWAB – Freie wirtschaftliche Arbeiterbörse [11], die dann für deren angeschlossene Mitglieder Kartoffeln oder Fleisch- und Wurstwaren von Kleinbauern aus der ländlichen Region aufkauften. Sicherlich ist wichtig zu betonen, daß die FAUD-Genossen diese Aktivitäten auch agitatorisch zu Propagandazwecke nutzen wollten, um die »rückständigen Bauern« für den freiheitlichen Sozialismus zu gewinnen.

Bereits damals entwickelten sie das Modell der Einkaufsgemeinschaft (heute FoodCoop genannt) und waren durch das monatliche Ansparen des benötigen Kapitals in der gemeinsamen Kasse dann in der Lage, den kleinbäuerlichen Familienbetrieben eine Vorauszahlung zu leisten (wie sie heute z.B. im sogenannten ‚fairen’ oder solidarischen Handel mit »Kolonialwaren« wie Kaffee, Kakao und Tee üblich ist). Extrem wichtig die folgende Bedingung, die der Genosse Hans Beckmann in seinen ‚Praktischen Vorschläge für den Aufbau einer konstruktiven Produktions- und Konsumtionsgenossenschaft’ aufstellt: »Von vornherein muß klargestellt werden, daß eine Konsumtionsgenossenschaft durch ihre Tätigkeit und die Verbraucherschaft in ihren konstruktiven Versuchen niemals die soziale Revolution ausschalten wollen und in keiner Weise vom Klassenkampfprinzip abzuweichen gedenken.« [12]

Die Angst vor sozialdemokratischer Versumpfung und der Ausbeutung in den dortigen Konsum- und Produktionsgenossenschaften schwebte über dieser Diskussion. Sie kann nur durch ein Ineinandergreifen von sozialrevolutionärer Überzeugung und kollektiv-genossenschaftlicher Organisierung überwunden werden.

Wer aber – wie einige der damaligen Diskussionsteilnehmer~innen – der Arbeiterklasse überhaupt die Fähigkeit zur Leitung von Arbeiterbetrieben abspricht und deshalb einer besser entlohnten Zahl von »jungen Unternehmern und qualifizierten Technikern« das Wort redet, ist kein Anarchosyndikalist mehr. Vertreter dieser Ansicht, die zwar die Wechselwirkung zwischen Ausbeutung und Fabrikarbeit erkennen, die Schuld für diese Misere aber der unterdrückten Klasse anlasten, weil sie länger auf ihr sozialistisches Paradies warten müssen:

 »Wie jetzt die Sachen stehen, sind auch in den fortgeschrittensten Ländern die Arbeitermassen absolut unfähig, um direkt die Überwachung und Leitung der Großproduktion und -distribution auf sich zu nehmen.

Falls eine soziale Revolution in kurzer Zeit in den modernen Industrieländern ausbricht, so können wir nur hoffen, daß eine genügende Anzahl junger Fabrikanten und tüchtiger Techniker sich bereit erklären, mit den Arbeitern gemeine Sache zu machen*). Bleibt die Revolution aber lange aus, dann könnten wir vielleicht während mehrerer Jahre die Vertretung der Arbeiter in der Leitung der Industrie-, Handels- und Verkehrsunternehmungen hier und da so kräftig durchsetzen, daß sich allmählich in jedem Lande ein Kern von einigen Tausenden tüchtiger Arbeiter bildet, die wenigstens im großen und ganzen wissen, was eine moderne Großunternehmung ist, und die das innere Räderwerk der Betriebsorganisation in der Praxis studiert haben.

Als Konsumenten werden weiter die freiheitlichen Kommunisten die Arbeiterkonsumgenossenschaften fördern können und daselbst, wie in den Produktivgenossenschaften und anderswo, überall im öffentlichen Leben, die Prinzipien der persönlichen Freiheit, der Autonomie und des Föderalismus den Prinzipien der strammen Disziplin und des Zentralismus gegenüber verteidigen.« [13]

In der Fußnote heißt es auch: »*) Deshalb ist auch die Propaganda unter den Technikern, Beamten usw. und ihre syndikalistische Organisation für uns von weitreichenden Bedeutung

 * * *

 Von der Theorie zur Praxis

»In der Genossenschaft ruht sozialistischer Beginn« proklamierte bereits seit Mitte der 1890er Jahre Gustav Landauer und forderte »fort vom Staat, soweit er uns gehen läßt und soweit wir mit ihm fertig werden, fort von der Waren- und Handelsgesellschaft« durch »den Sozialismus (…), das solidarische Zusammenhalten der Menschen in allem, was ihnen gemeinsam ist«, mittels »genossenschaftlicher Arbeit.« In Berlin gründete er deshalb mit anderen libertären Genossen die Arbeiter-Konsumgenossenschaft ‚Befreiung’. [14] Allerdings gelang es nicht, hieraus eine Alternative zu der sozialdemokratischen Bewegung zu entwickeln, das Modellversuch scheiterte, warum ist unklar …

Zum Ende der Studentenbewegung und dem kurzen Aufstieg des Maoismus und Neo-Stalinismus der angeblich neuen, radikalen Linken Anfang der Siebziger und endlich in den alternativ-kulturellen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts brachte der immer entfesseltere Kapitalismus gesellschaftliche Bedingungen hervor, die offener für alternative und experimentellen innerhalb der traditionellen Produktionsbetriebe (flachere Hierarchien, Gruppenproduktion) waren und auch die Möglichkeiten brachte, Kollektivbetriebe im Umfeld radikaler linker Gruppierungen und Parteien zu gründen. Dabei handelte es sich zu Anfang um Buchläden, Druckereien und Verlage, um die eigenen Propaganda-Apparate und Infrastruktur aufzubauen. Voraussetzung waren u.a. die Abgabe von Erbschaften und des 800 DM übersteigenden Monatseinkommen wie z.B. beim KBW (diese Idee stammt ursprünglich vom vegetarisch und egalitär eingestellten Internationalen Sozialisten Kampfbund ISK) und weniger organisierten Aktivitäten der Arbeiterklasse.

Gesicherter 8-Stundentag?

Die gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen haben sich in den letzten dreißig Jahren genauso wie gegenüber den verflossenen 80 Jahren zur FAUD-Diskussion verändert; einerseits durch die Zerschlagung einer organisierten Klassenbewegung des Proletariats (Faschismus) und die Zerfledderung der kapitalistischen Strukturen weg von den Großbetrieben und Trusts hin zu flexibleren Einheiten in weltweit agierenden Konzernen. Heute beherrschen Ausgliederung und Outsourcing, entgarantierte Lohn- und Arbeitbedingungen das kapitalistische Terrain, festangestellte Arbeit wird zum hohen Gut, Zeitarbeitssklaverei statt monotoner Fließbandschinderei. Sicherlich wird es auch zukünftig nicht möglich sein, eine arbeiterselbstverwaltete Automobil-Fabrik aus dem Boden zu stampfen. Dazu fehlt selbst heute noch das benötigte Milliarden-Kapital. Aber ebenso stellt sich die Frage, ob das überhaupt zukünftig unser Ziel sein sollte, den Individualverkehr zu fördern. Also backen wir lieber erstmal kleinere Brötchen und gründen arbeiterselbstverwaltete Bäckereien für preiswertes und gutes Brot, Kneipen- und Restaurant-Kollektive mit einer uns genehmen Atmosphäre.

Alternativbetriebe bzw. arbeiterselbstverwaltete Betriebe arbeiten in der Gegenwart und nicht in irgendeiner Nische oder im luftleeren »Soli«-Raum, sie produzieren und arbeiten – oder sie gehen unter. Wie im normalen Leben. Ihre Strukturen und Arbeitsweisen sollten bewußtseinsbildend wirken – dazu müssen diese Kollektive betriebliche Schulungen weiterführen und außenstehenden Genoss~innen anbieten, sonst ist es eben nur individuelle „Selbstbestimmung“ im Kapitalismus und nicht mehr.

Die Frage steht im Raum – versuchen wir die sogenannte Selbstausbeutung durch arbeiterselbstverwaltete Kollektivbetriebe zu überwinden – oder knechten wir lieber weiter unter entwürdigenden, ob besser oder schlechter bezahlten kapitalistischen Bedingungen für anderer Leute Taschen und Reichtum?  Wer etwas unternimmt kann scheitern – er ist damit aber noch lange kein Unternehmer oder Kapitalist. Ich bevorzuge deshalb lieber die vermutlich anstrengendere Kollektivarbeit als fremdbestimmte und möglicherweise besser bezahlte Arbeit für einen Kapitalisten.

Wie funktioniert das in der Realität?

Es stellt sich deshalb die Frage, ob wirklich alle Anarchisten und Anarchosyndikalistinnen glauben (!) oder ob sie tatsächlich davon überzeugt sind, daß eine anarchistisch-sozialistische freie Gesellschaft sofort nach einem großen und definitiven Generalstreik beginnt?

Es ist eben eine fatale Illusion zu glauben, nach der sozialen Revolution funktioniert plötzlich die Produktion – die bis dato kapitalistisch durchrationalisiert war – ohne Hierarchien und Chefs, einfach so, weil die revolutionären Menschen es jetzt so wollen. Die alten Strukturen sind aber immer noch die gleichen der kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse, die zwar politisch zerschlagen, aber ökonomisch-sozial noch längst nicht sofort verändert sind.

Es muß also bereits vor einer sozialen Revolution die Arbeiterselbstverwaltung, die autonome Verwaltung der Dinge, gelernt werden. Genauso wie die Zusammenarbeit verschiedenster Gremien einer freien Gesellschaft. Aber wo sollten wir Selbstverwaltung lernen außer in selbstverwalteten Betrieben und Einrichtungen!

Welche Voraussetzungen sollten gegeben oder durch Genoss~innen erfüllt sein, um möglichst erfolgreich einen selbstverwalteten Betrieb aufbauen zu können? Warum werden so wenig linksradikale, sozialrevolutionäre oder anarchistisch-anarchosyndikalistische Kollektivbetriebe gegründet? Es besteht bei vielen im Kapitalismus konditionierten Menschen eine große Versagensangst. Die Gefahr des Scheiterns grassiert so stark, daß man sich lieber anderweitig ausbeuten läßt, als es einmal selbst zu versuchen. Denn was kann mehr passieren, als wie in einem kapitalistischen Betrieb entlassen zu werden? Sehr stark ist die Erziehung zur Unterwürfigkeit bzw. zur ‚freiwilligen Knechtschaft’.[15] Die Angst vor der Verantwortung für das eigene Leben spielt hier stark mit; es ist immer einfacher, andere für das eigene Scheitern verantwortlich zu machen.

In einer anarchosyndikalistischen Gewerkschaft muß diese Selbstbewußtseins- und Selbstverwaltungs-Schulung beginnen und fester Bestandteil der Organisation sein. Allein Arbeitskämpfe zu organisieren, Streiktage zu zählen und Mitgliederlisten und -beiträge korrekt zu verwalten ist eben noch längst keine selbstverwaltete Gesellschaft. Das Manko an Auseinandersetzung mit der Idee der Arbeiterselbstwaltung haben wir leider alle schmerzlich an der Nordhäuser Betriebsbesetzung mit autonomer einwöchiger Produktion des roten Strike Bikes gesehen. Wenn die Arbeiter~innen keine Erfahrungen in einem derartigen Kampf haben – und die Gewerkschaft, die sie unterstützen will, auch nicht – dann endet der Kampf um die Arbeitsplätze in einer fürchterlichen Niederlage.

Praxis und Theorie befruchten sich wechselseitig, es sind eben keine zwei Paar Schuhe. Allein der Wegfall der kapitalistischen Konkurrenz nach einer erfolgreichen Revolution bedeutet noch lange nicht den Wegfall der Konkurrenz. Dies hat uns leider die Spanischen Revolution 1936-39 gelehrt, wo es auch zu einem bitteren »Arbeiterkapitalismus« gekommen ist.[16]  Aber gerade aus diesen Erfahrungen müssen wir lernen und Wege aufzeigen, um zu entscheiden welcher Betrieb unter welchen Bedingungen welche Produkte produzieren sollte.

Warum Genossenschaft? Warum Kollektiv?

Die Idee des genossenschaftlichen Kollektivbetriebes bzw. der Kollektivgenossenschaft beruht auf der einfachen Erklärung: Bei einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) wird der Geschäftsführer grundsätzlich als Unternehmer angesehen, der nicht wie die übrigen Beschäftigten im Betrieb sozialversicherungspflichtig angestellt werden darf. Bei einer Kollektivgenossenschaft sind alle Genossenschaftsmitglieder (bei entsprechender Satzung der eG) ebenfalls nur mit ihrer Genossenschaftseinlage finanziell haftbar, jedoch das geschäftführende Vorstandsmitglied (bei kleinen Genossenschaften bis zu zwanzig Mitgliedern bedarf es nur eines Vorstandes, also einer verantwortlichen Person) ist ebenfalls als Beschäftigter [es sei denn die eG beschäftigt auf Honorar- oder Arbeitsvertragsbasis einen externen Geschäftsführer] sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Es ist ein großer Unterschied, ob alle Mitglieder der Kollektivgenossenschaft gleiche Rechte und Pflichten haben und auch wirklich sozial gleich gestellt sind. Ein angestellter oder privat versicherter Geschäftsführer muß anders ‚besoldet’ (das steckt eben das Wort ‚Sold’ drin!) werden als die übrigen im Kollektiv arbeitenden Genoss~innen. Die Idee des Einheitslohnes – jedenfalls was die Bruttoentlohnung [17] angeht – ginge sonst verloren und eine speziell als Geschäftsführer entlohnter externer oder auch interner Arbeitsbereich führt schnell zu einer Sonderstellung. Ein Geschäftsführerin in einer GmbH oder einem geschäftsführenden Vorstandsmitglied in einer eG wird automatisch zu einer Führungspersönlichkeit, wenn ihr/ihm vom Kollektiv zu viele Aufgaben verantwortlich übertragen werden; sollte er/sie die alleinige Kompetenz in Finanzfragen haben wird aus ihm schnell auch der Herr/die Frau über Entlassungen, weil diese Person aufgrund ihrer Kenntnisse und demzufolge auch ihren „besseren“ Argumenten meist am längeren Hebel sitzt.

In einer Kollektivgenossenschaft sollten deshalb alle Mitglieder vollkommen gleichberechtigt sein und es sollte allen klar sein, daß sie gemeinschaftlich handeln und entscheiden müssen, da sie sonst alleine „unter“ gehen – oder in komplizierten und wirtschaftlich problematischen Situationen die Verantwortung für Entscheidungen delegieren. Hier greift auch die ‚kollektive Verantwortlichkeit’ aller am Kollektiv beteiligten Genossenschaftsmitglieder. Wer hier Verantwortung delegiert, hat bereits verloren.

Das Ziel in der heutigen Zeit kann nur sein, Genoss~innen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zu bringen, weil alle anderen Formen in diesem Sozialstaat nicht funktionieren und kontrolliert werden können.

Wirtschaftliches Konzept – eine Idee

Die Basis aller Überlegungen ist natürlich erstmal eine Idee für einen Kollektivbetrieb. Sicherlich ist praktisch besser, wenn die Gründer~innen und Mitglieder eines wirtschaftlich arbeitenden Projektes bereits Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt haben, auf dem sie sich nun kollektiv selbständig machen wollen. Hinzu kommt das Vorhandensein von kaufmännischem Knowhow neben den technischen oder gewerblichen Kenntnissen.

Erste Schritte – nicht gleich losrennen

Es empfiehlt sich, anfangs kleine Schritte zu machen, wenn man eine Kollektiv-Genossenschaft gründet. Ein langsames, aber stetiges Wachstum bzw. ein nachhaltiger Ausbau (um mal zwei Vokabeln aus der kapitalistischen Wirtschaftssprache und Worte Nettlaus zu nutzen) der eigenen Strukturen ist erfolgversprechender, als im Sturmschritt loszupreschen. Ist ein Konzept erfolgreich, verleitet das dazu, zu schnell immer weitere Kolleg~innen in das Kollektiv aufzunehmen. Einerseits, weil man die Anstrengungen der Gründungsphase kompensieren möchte (da wird sicherlich härter gearbeitet werden müssen als nach Überstehen der ersten Zeit) und zweitens, weil man ja auch andere Genoss~innen am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben lassen möchte. Zumal bei einem funktionierenden Betrieb auch immer wieder Freunde, Bekannte und Genoss~innen nach einer Arbeit oder nur einem Job nachfragen.

1. Politische Diskussion

Ganz wichtig ist, die politische Dimension der zukünftigen Arbeit zu umreißen: es ist sicherlich ein Unterschied, ob ich einen selbstverwalteten Fahrradladen, einen Bioladen oder eine Importfirma für politischen Kaffee aufbaue. Im letzteren Fall kann der politische Hintergrund (hier: sozialrevolutionärer Anspruch der rebellierenden Kaffeebauern) wegbrechen. Das verändert die Lage der Firma und ihren öffentlichen Auftritt.

Klar sollte den Macher~innen auch sein, ob sie nach außen hin sich als politisches Kollektiv begreifen oder eben ‚nur’ nach innen, intern ein anarchistisch-sozialistisches selbstverwaltetes Architekturbüro, Bäckerei, eine libertäre Fahrradwerkstatt, eine freie Kindertagesstätte, eine Ärzte-Kooperative, ein Krankengymnastik- oder Anwalts-Kollektiv sein wollen. Allerdings sollte hier der Spagat nicht zu groß sein, das rächt sich schnell, wenn ein ‚falscher’ Kunde mit einem Auftrag wedelt und dafür aber erwartet, nicht mit unseren sozialrevolutionären Ideen konfrontiert zu werden. Es muß immer darauf geachtet werden, daß die Ideale und Kollektivstrukturen nicht für dringend benötigtes Geld / Umsatz über Bord geworfen werden, dieses „nur dieses eine Mal“ wird nämlich sonst ganz schnell nach backbord (links) entsorgt.

Vielleicht fangen auch einige Genoss~innen zu Übungszwecken erst einmal mit einer kleinen Einkaufsgemeinschaft, einer gewerkschaftseigenen Food Coop an. Allerdings ist es fraglich, ob sich die heutige Mitgliedschaft mit einem Teil ihrer Grundnahrungsmittel im Gewerkschaftslokal – angeliefert durch genossenschaftlich verbundene Ökobetriebe – versorgen würde oder doch lieber in den Supermarkt geht, wo sie ohnehin einkaufen gehen muß …

So einfach, wie es sich R. Fischer in seinem Beitrag »Vorschläge zum konstruktiven Sozialismus« machte, wird es jedoch sicherlich nicht funktionieren:

»Ist eine Übersicht der eingegangenen Aufträge und der eingezahlten Beiträge vorhanden, dann könnten erst die Genossen die Größe des Betriebs und die Anzahl der produzierenden Genossen feststellen. Dabei müßten sie nach folgenden Prinzipien verfahren, von denen nie abgewichen werden darf, und die jeder Genosse unterschriftlich anerkennen muß:

1. Dauernde Zugehörigkeit zu der betreffenden Gewerkschaft der FAUD., aus der die Gründung hervorgegangen ist und von der sie unterstützt wurde.

2. Kirchenaustritt, Mitgliedschaft in proletarischem Freidenkerbund.

3. Nur Aufnahme von Genossen; nicht von Gehilfen, wie bei sonstigen Genossenschaften. Bevorzugung unserer arbeitslosen Genossen.

4. Gleicher Lohn für alle, die in der Genossenschaft beschäftigt sind, auch für anzustellende leitende Funktionäre.

5. Jeder, der die Genossenschaft absichtlich schädigt, schließt sich von selbst aus und verzichtet auf jede Entschädigung; eine solche ist bei keinem Gericht einklagbar.

6. Streitigkeiten entscheidet die Genossenschaftsversammlung.

Es blieben nur noch Fragen praktischer Natur, wie Mietung von Räumen, Betriebseinrichtung, Arbeitszeit, Agitation durch Flugblätter usw.« [18]

Sehr wichtig ist sicherlich das sozialistische Bewußtsein, welches die Mitglieder haben sollten.

2. Finanzielle Dimension

Um einen Kollektivbetrieb zu gründen, bedarf es Kapital – Geld, das wir in unseren Kreisen eigentlich nicht haben. Bereits trotz  einer guten Idee scheitert es meistens an der Umsetzung mangels nötigem Kleingeld. Wenn ein Kollektiv klein beginnt, bedarf es auch nicht gleich fetter Bankkredite, sondern nur einer Startfinanzierung durch Freunde und Bekannte (eine nützliche Alternative wäre ein Fonds der Bewegung zur Finanzierung von selbstverwalteten Betrieben) und im geringen Umfang eines Kredites einer der Umwelt- oder anderen ‚alternativen’ Banken. Der Umfang privater Darlehn ist durch die Nazi-Gesetzgebung bei Genossenschaften auch heute sehr begrenzt. [19]

In anderen europäischen Ländern gibt es regionale staatliche Fonds zur Finanzierung von Genossenschaftsgründungen (Hintergrund: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit) – diese Forderung gibt es auch in Deutschland. Und aus den USA kommt die Idee, mit Gewerkschaftsgeldern und kommunalen Mitteln mittelständische Betriebe in „Arbeiterhand“ zu überführen, anstatt sie pleite gehen zu lassen …

Was zwingend notwendig ist, ist ein Finanzplan – der die erwarteten Umsätze und die Kosten gegeneinander auflistet und dabei die variablen und die fixen Aufwendungen (Miete, feste Löhne) gegenüberstellt.

Auch aus einem anderen Grund sollte von vornherein im Genossenschaftsstatut geregelt werden, ob die Genossenschaft Gewinne ausschüttet oder nicht. Es ist sicherlich sinnvoller, einen vernünftigen Monatslohn zu zahlen als nach Bilanzschluß auch noch Gewinnanteile auszugeben. Anfangs müssen  Gewinne – die zwingend erwirtschaftet werden sollten für schlechtere Auftragslagen und besondere Situationen – in die gesetzliche Rücklage überschrieben werden. Dadurch steigt das haftende Kapital des Kollektivs, der Puffer für schlechte Zeiten wird größer und die Aussicht auf Bankkredite steigt bei einer höheren Eigenkapitalquote.

3. Struktur – wer macht was?!

Bevor man anfängt bzw. genauso wichtig, wie die Ausarbeitung eines schriftlichen Konzeptes, ist die Auseinandersetzung aller beteiligten Genoss~innen an der Findung eines internen Entscheidungsfindungsmodus.

Grundsätzlich kann gesagt werden, daß eine klare Struktur eines Betriebes vielleicht starr und hierarchisch aussehen kann – eine chaotische Struktur hilft niemandem, da zu viel Zeit und Energie für die „interne Kommunikation“ verloren geht.

Es hat sich –für mich– auch als falsch erwiesen, daß alle alles machen wollen. Niemand kann alles und jede/r sollte letztendlich ersetzbar sein. Dafür bedarf es klarer Arbeitsaufgaben und in größeren Betrieben dann auch einer klar gegliederten Struktur.

Besprechungen, die den Arbeitsablauf und Entscheidungen in Arbeitsbereichen angehen, sollten auch in diesen Einheiten auf Arbeitsbesprechungen geklärt werden.

Bei größeren Kollektiven versteht sich ein Delegiertensystem von selbst – die endgültige Entscheidung muß aber immer einer Vollversammlung vorbehalten bleiben. Das Genossenschaftsgesetz sieht ohnehin die jährliche Generalversammlung mit der Beschlußfassung über das Betriebsergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres und einen ökonomischen Ausblick in die Zukunft vor.

4. Kollektive Entscheidungsfindung … kollektive Verantwortung

Da wir ja auch alle Kinder des Kapitalismus sind – sollten alle entscheidenden Fragen auf einem regelmäßig stattfindenden Plenum getroffen werden. Da nicht ewig über wichtige Entscheidungen diskutiert werden kann, sollte es eine klar definierte Beschlußmehrheit geben. Wichtig ist aber immer, daß ein klarformulierter Beschlußantrag vorliegt – schriftlich und rechtzeitig.

Auch sollte es möglich sein, bei gravierenden Meinungsverschiedenheiten, die die Umsetzung der Firmenziele oder eine Neuausrichtung und Perspektive des Kollektivs betreffen, so etwas wie ein ‚Veto’-Recht eingebaut werden – korrekter sollte es Widerspruchsrecht heißen, da niemand die Arbeit blockieren darf (das wäre sonst klassische Sabotage). Dieses Recht darf allerdings das Kollektiv nicht lahmlegen; vielmehr muß sehr zeitnah an dem Problem weiter diskutiert werden, ohne das durch Handlungen Fakten geschaffen werden.

5. Konfliktlösungsstrategien

Kein Kollektivbetrieb sollte glauben, es käme allein mit Reden und vernünftiger menschlicher oder genossenschaftlicher Kommunikation aus. Das wäre ein fataler Fehler, denn in Krisensituationen, wenn der letztlich auf „Erfolg“ ausgerichtete Betrieb (im Sinne, daß nicht nur die Löhne und Gehälter ihrer Mitglieder erwirtschaftet werden müssen) mal nicht so glatt läuft (und das nicht nur abhängig von den bekannten Wirtschaftskrisen), dann erst lernen wir unsere Genoss~innen wahrhaftig kennen. In einem Betrieb funktioniert menschliches Versagen oder Verzagen anders, es hat wirtschaftliche Folgen für das gesamte Kollektiv, für jedes einzelne Mitglied der Genossenschaft.

Derartig gefährliche Situationen kann ein Kollektiv durch klare Arbeitsstrukturen vermeiden, denn nicht alle können alles wissen und verstehen (Überforderung generiert auch Streß) – und letztlich brauchen sie es auch nicht, wenn Vertrauen besteht.

Arbeit? Na klar!

Und eines ist klar, gearbeitet werden muß auch in einem Kollektivbetrieb. Max Nettlau warnte ja zu Recht vor »Zwangslosigkeit« und mahnt, daß »ein bequemes Treiben« nicht möglich ist. Kollektive haben durch diesen Irrglauben eine gewisse »Anziehungskraft« auf Leute, die sich allein nach » wesentlich verbesserten Verhältnissen«, sehnen, nach weniger Arbeit, nach einem leichten Lebens; diese Menschen und Kollektivmitglieder vermindern das Gelingen des Kollektiv »wesentlich«. [20]

Und um nochmals Rudolf Rocker zu zitieren:

 »Der Sozialismus muss vor allem dem Leben ganz neue Ziele setzen. Es ist unsinnig zu denken, dass der Weg der Rationalisierung der Weg zum Sozialismus sein könnte, oder dass man sich damit tröstet, dass die Eintönigkeit der Arbeit in einer sozialistischen Gesellschaft durch eine weitgehende Beschränkung der Arbeitszeit erträglicher gestaltet wird. Denn das Problem der Arbeit ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern in viel höherem Grade ein psychologisches Problem. Die Arbeit muss auf ganz neuen Grundlagen organisiert werden; sie muss vor allem den Charakter des Frons verlieren, der ihr heute anhaftet und als notwendiges Übel erscheinen läset. Es kommt nicht darauf an, wieviel Stunden ein Mensch arbeitet, sondern welche Freude er an seinem Werk empfindet. Niemand hat das besser begriffen und nachdrücklicher betont als Peter Kropotkin …« [21]

 Damit der Sozialismus nicht allein zu einer „Messer- und Gabelfrage“ degeneriert, bedarf es auch einer libertär-sozialistischen Auffassung von „Arbeit“.  Gleichheit und Gleichberechtigung sollten sich die Waage halten, den bei zu viel Ungleichheit in der Entlohnung und der Belastung entstehen Konflikte. Das bedeutet, daß alle Kollektivmitglieder ähnlich »viel oder wenig« arbeiten sollten, um nicht leichtfertig eine antikapitalistische Flexibilität einzuführen, nach der sich letztlich alle anderen richten müssen, wenn sie nicht „blöde“ dastehen wollen. – Also proklamiert öffentlich den 6 Stundentag oder legt eine andere feste Wochen- und Tagesarbeitszeit fest.

Legt intern auch fest, wieviel bezahlte Arbeitszeit ihr für Eure ‚politische’ Agitation über Euer Projekt verkraften (ökonomisch wie personell) könnt und wollt.

Wege weg vom Markt?

Möglich, das eine Lösung dieser Frage erst mit dem Zusammenbruch des kapitalistischen Systems eine Antwort findet. Aber letztlich ist es doch so, daß Kollektivbetriebe für den Bedarf produzieren, nicht für den anonymen Markt. Sie drücken keine unnützen Produkte in den ‚Markt’ und stimulieren nicht über Werbung eine Nachfrage einzig und allein zur Profitmaximierung. Eine libertär-sozialistische oder libertäre Ökonomie ist immer eine Bedarfsproduktion. Wie dieser Bedarf zukünftig errechnet und verteilt werden sollte, das ist eine weitere Krux, der wir uns bereits heute stellen müssen. Wenn wir keine Antwort auf diese existenzielle Frage finden, endet jede Rebellion im wirklichen Chaos und bestimmt nicht in einer freien Gesellschaft.

Es erscheint mir unmöglich, heutzutage in einer total arbeitsteiligen Gesellschaft Modelle wie Tauschringe gesellschaftsfähig zu machen. Was sollte ein Kaffeehandels-Kollektiv oder eine Druckerei für seine Produkte von seinen Kund~innen als Gegenleistung wünschen? Zumal die Käufer~innen von bedruckten T-Shirts oder zehn Packungen Espresso meistens nicht in derselben Stadt wohnen? Sollten sie im Tausch Arbeitsleistungen anbieten – wie käme dann das Geld für die Bezahlung der Vorprodukte in die Kasse der Kollektive und was sagt das deutsche Finanzamt dazu?

Eine ‚Überwindung der Marktwirtschaft’ ist erst durch eine sozialistische Bedarfsproduktion möglich. Da es im Kapitalismus keine ‚Nischen’ gibt, bedeutet das noch lange nicht, daß jede wirtschaftliche Betätigung von Kollektivbetrieben im Kapitalismus zwangsläufig immer scheitern muß.[22] Diese Logik ist absurd, sie ist mechanisch und setzte voraus, daß es kein solidarisches Umfeld für eine – wie auch immer bezeichnete oder geartete – solidarische oder libertäre Ökonomie geben kann. Gerade der Wunsch vieler Menschen nach gesellschaftspolitischen Veränderungen ermöglicht es heute, daß Kollektivbetriebe diese Bedürfnisse aufgreifen, einen ‚Markt’ haben und sie diese Nachfrage (verächtlich gesprochen) nur aus einer angeblichen ‚Nische’ heraus befriedigen.

Rosa Luxemburg bezeichnete die Produktivgenossenschaften angeht, als ein »Zwitterding«, als »eine im Kleinen sozialisierte Produktion bei kapitalistischem Austausche«, die den Widerspruch ihrer Existenz nur dadurch aufheben könne, wenn »sie sich künstlich den Gesetzen der freien Konkurrenz entzieht« und »von vornherein einen Absatzmarkt, einen festen Kreis von Konsumenten«  findet. [23]

Wenn dieses Umfeld zusammenbräche, würde sicherlich auch die gelebte libertäre Ökonomie zusammenklappen – aber das wäre dann endgültig das Ende aller Träume von einer anderen Welt, die von vielen im Munde geführt wird, ohne dafür einmal selbst als Produzent oder Händlerin aktiv zu werden.
Gewerkschaftliche Kontrolle

Die Anbindung von sozialrevolutionären Kollektivbetrieben an eine AS-Gewerkschaft ist unbedingt notwendig und wichtig. Nur so können Erfahrungen ausgetauscht und weitergegeben werden. Die Kollektivbetriebe haben die gesellschaftliche Verpflichtung der Schulung und der Abgabe finanzieller Unterstützung für die gewerkschaftliche Organisierung.

Andererseits können lokale AS-Gewerkschaften Kollektiv durch die Übernahme von Genossenschaftsanteilen oder durch zinslose Darlehn unterstützen (ggf. machen sie dadurch sogar einen Teil ihrer Reserven vor dem staatlichen Zugriff sicherer).

 

Ausblick

In einer Zeit, wo auch und gerade die Bürokraten der Europäischen Gemeinschaft »die Genossenschaften in ihre Poltik integrieren und zugleich begünstigt, daß sie als Unternehmen auf Kosten genossenschaftlicher Werte und Prinzipien aufgewertet wurden« müssen sie in deren Konzept »auch mit den Folgen für die Benachteiligten und Verlierer umgehen«, bemerkt Judith Dellheim  für die PDS-nahe Rosa Luxemburg-Stiftung [24].

Warum? Weil Genossenschaften nach Ansicht eines EU-Positionspapiers von 2004 »von sozialer Ausgrenzung betroffene Bevölkerungsgruppen wirksam in die Arbeitswelt und die Gesellschaft integrieren, indem sie ihnen unternehmerische Erfahrung vermitteln und Managementverantwortung übertragen. Durch die Bereitstellung unternehmerischer Lösungen zur Deckung eines noch unbefriedigten Bedarfs auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet können Genossenschaften, insbesondere wenn entsprechende öffentliche oder private Initiativen fehlen, Arbeitsplätze schaffen und ein nachhaltiges und auf Solidarität basierendes Wachstum fördern, ohne dabei einen möglichst hohen Reingewinn erzielen zu müssen. Dadurch leisten sie auch einen Beitrag zur Flexibilität der Arbeitsmärkte. Sie gehören daher zusammen mit anderen

auf der Solidarität ihrer Mitglieder basierenden Vereinigungen wie Gesellschaften

auf Gegenseitigkeit, Vereine und Stiftungen zur so genannten „Solidarwirtschaft“).« [25]

Gegen diese kapitalistische Integration von Genossenschaften gilt es ebenso anzukämpfen wie für eine antikapitalistische Kultur einer solidarischen Ökonomie mit dem Ziel einer libertären Wirtschaft- und Gesellschaftsordnung.

Dabei ist es enorm wichtig, daß wir in anarchistisch-anarchosyndikalistischen Kreisen wieder zu einer Zusammenarbeit finden. Hier wäre es besonders nützlich, ein Netzwerk selbstverwalteter Betriebe und Einrichtungen zu organisieren, um Erfahrungen nicht nur auszutauschen (erster Schritt), sondern auch, sich auf der Grundlage der gegenseitigen Hilfe (zweiter Schritt) solidarisch zu helfen. Dazu bedarf es verbindlicher Strukturen wie z.B. eines gemeinsamen Krisenfonds (durch Abgabe einer geringen prozentualen Revolutionssteuer bezogen auf Umsatz, Personalkosten und Gewinn) und einer kollektiven Selbstdarstellung als Netzwerk konstruktiver Sozialismus.

Rudolf Rocker formuliert in seiner 1947 erschienen Schrift ‚Zur Betrachtung der Lage in Deutschland’:

»Auch der genossenschaftlichen Bewegung sollten unsere Kameraden in der Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken, als dies bisher geschehen ist. (…) Sie hat sich durch langjährige und vielseitige Erfahrungen eine Menge praktischer Kenntnisse und administrativer Fähigkeiten auf dem Gebiete der Verbrauchswirtschaft erworben, die uns beim Wiederaufbau unschätzbare Dienste leisten können. (…) Auch die Aufgabe der Genossenschaften erschöpft sich nicht in ihrer Gegenwartsarbeit. Was sie erstreben, ist die Beseitigung jeder Profitwirtschaft und eine Neugestaltung des gesellschaftlichen Lebens auf der Grundlage einer gerechten Verteilung der Arbeitserzeugnisse.« [26]

Pflege- und Senioren-Genossenschaften werden allein deshalb notwendig, weil auch wir älter und gebrechlich werden und uns eine von der staatlichen Pflege- und Gesundheitsvorsorge unabhängige libertäre Betreuung und Selbstbestimmung im Alter wünschen. Wenn es hier zu keiner generationsübergreifenden Solidarität kommt, ist die gesamte Bewegung nichts wert.

Also – schaffen wir mehr arbeiterselbstverwaltete Kollektive als unseren Beitrag zum konstruktiven, libertären Sozialismus! Da es dazu einer libertären und anarchosyndikalistischen Bewegung bedarf, die sich gewerkschaftlich und sozialpolitisch zur Arbeiterselbstverwaltung programmatisch-organisatorisch sowie praktisch verhält, versteht sich – wie hier dargelegt – von selbst. Ohne sozialrevolutionäre Bewegung kann es nur Rütteln an den Gitterstäben des Systems, aber keinen Angriff auf das kapitalistische System geben.

Folkert Mohrhof, 2011

Mitglied im ASK │VAB Hamburg-Altona und seit 12 Jahren (langjähriges) Kollektivmitglied in der Café Libertad Kollektiv eG

 


[1] Robert Owen gilt als Begründer der modernen Genossenschaftsbewegung. 1799 begann er in seiner Baumwollspinnerei in Schottland ein Experiment für menschenwürdigere Arbeits- und Lebensbedingungen. Dadurch entstand die erste eigenständige Arbeiter-Genossenschaft 1844, die von 28 Arbeitern der dortigen Baumwollspinnereien gegründet wurde. Die Rochdale Equitable Pioneers Society war eine Einkaufsgenossenschaft und sollte niedrigere Lebensmittelpreise ermöglichen.

[2] Karl Marx, „Forderungen der IAA“, MEW 16, 195

[3] Karl Marx, 1866, „Genfer Resolution“

[4] siehe dazu: Rudolf Rocker, 1927, „Konstruktiver Sozialismus“Die Internationale (FAUD), November 1927-Juni 1928

[5] H.W. Gerhard, Die Internationale, Heft 11, September 1929, II. Jahrgang

[6] Hans Beckmann – „Praktische Vorschläge …“, Die Internationale, Heft 1, November 1929, III. Jahrgang

[7] Erich Mühsam – „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat“ (1932, zit. nach Die Internationale, Heft 8, V. Jahrgang, August 1932)

[8] Mit uns voran! Hier: Prinzipienerklärung des Anarchosyndikalismus; FAUD-Broschüre, 1932

[9] H.W. Gerhard – „Unser Weg zwischen Reformismus und leeren Revolutionsphrasen“, Die Internationale (FAUD), Heft 9 – September 1932, , V. Jahrgang

[10] Max Nettlau, „Einige Worte über konstruktiven Sozialismus“, Die Internationale, Heft 4 – Februar 1930, III. Jahrgang

[11] z.B. die FWAB-AS Krefeld-Oppum, Die Internationale, Heft 1 – November 1929, III. Jahrgang

[12] Hans Beckmann – „Praktische Vorschläge …“, Die Internationale, Heft 1 – November 1929, III. Jahrgang

[13] Christian Cornelissen, Paris, „Konstruktiver Sozialismus“, Die Internationale, Nr. 11 – September 1930 – III. Jahrgang

[14] Gustav Landauer, „Ein Weg zur Befreiung der Arbeiterklasse“, 1895

[15] Étienne de La Boétie Knechtschaft. Neuausgabe der Übersetzung (gekürzt) von Gustav Landauer (1910/11), Münster und Ulm: Klemm & Oelschläger 1991

[16] siehe dazu z.B. „Ökonomie und Revolution – Spanien 1938“ – Brief von Joaquin Ascaso vom Januar 1939; in: die BARRiKADE #4 – Dezember 2010

[17] Ob im Kollektiv brutto oder netto alle gleich behandelt werden, ist eine schwierige Entscheidung; durch unterschiedliche Lohnsteuerklassen und entsprechende unterschiedliche Lohnsteuerabzüge (die Sozialversicherungsbeiträge sind prozentuale Abschläge auf den Bruttolohn), die die unterschiedliche soziale Situation (Single, Alleinerziehende mit Kind, verheiratet ohne Kinder etc.) widerspiegelt, ist es sehr kompliziert innerhalb des Gefüges Kollektiv alle „gleich“ zu entlohnen – netto in der Tasche dürfte jede/r immer einen anderen Stundenlohn oder Monatsgehalt haben … Nebenbei zahlt „der Staat“ Kindergeld; es gibt Kollektive, die zusätzlich einen Lohnaufschlag für Kinder bezahlen, andere zahlen je nach Betriebszugehörigkeit Aufschläge nach 5 oder 10 Jahren.

[18] Die Internationale, Nr. 2 – Dezember 1929 – III. Jahrgang

[19] Der Nationalsozialismus verbot den Genossenschaften „bankähnliche Geschäfte“ wie Darlehen an und von Mitgliedern. Diese Gesetze gelten noch heute – in anderen EU-Ländern gelten völlig andere Bestimmungen. Deshalb muß darauf geachtet werden, daß der Kollektivbetrieb nicht zu viele private Darlehn aufnimmt und daß dem Kreditgeber vollkommen klar ist, das dieses Geld im Konkursfall auch vollständig verloren gehen können (der Darlehngeber muß einen Rangrücktritt unterzeichnen). Ansonsten ist das Kollektiv plötzlich eine Bank und die Bankenaufsicht Bafin steht möglicherweise vor der Tür.

[20] Max Nettlau, „Einige Worte über konstruktiven Sozialismus“, Die Internationale, Heft 4 – Februar 1930, III. Jahrgang

[21] Rudolf Rocker, „Peter Kropotkin und das Problem der Arbeit“, unveröffentlichtes Manuskript (IISG, Amsterdam)

[22] Zitat: »Die bisherigen Erfahrungen von Kollektivbetrieben sprechen dafür, dass das Aufrechterhalten einer basisdemokratisch-egalitären Binnenstruktur im Rahmen der kapitalistischen Marktwirtschaft für einen Betrieb generell nur für eine begrenzte Zeit oder nur in speziellen ökonomischen Nischen möglich ist.« – FAU Hamburg Positionspapier, 2011 (S. 6)

[23] Rosa Luxemburg – Sozialreform oder Revolution. Gesammelte Werke. 1974 (S. 417)

[24] Judith Dellheim – Solidarische Ökonomie – ein Thema für sozialistische Politik; rls-Standpunkte 28/2008

[25] EU-Kommission über die Förderung der Genossenschaften in Europa 2004,

[26] Rudolf Rocker – Zur Betrachtung der Lage in Deutschland, New York-Stockholm 1947, S. 29

[27] Kaufmann und von Elm waren die Großkopferten des zdk in Hamburg

[28] Einzelne Coops bestehen noch – so in Kiel mit 10.000 Mitgliedern.

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