Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

Warum IAA ?

Martin Veith: Warum IAA?

Warum diese Broschüre?
Immer wieder kommen bei Diskussionen um den Zustand und die Entwicklung der anarcho-syndikalistischen Bewegung Fragen nach der Situation und Rolle der anarcho-syndikalistischen Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) auf. Die 1922 in Berlin gegründete IAA (Die Abkürzung in den lateinisch- bzw. englischsprachigen Ländern lautet AIT bzw. IWA) ist der internationale Zusammenschluss der libertären Arbeiterbewegungen mit anarcho-syndikalistischen Prinzipien. Den Höhepunkt – sowohl in Bezug auf ihre Mitgliederzahlen als auch in Bezug auf ihren Einfl uss – hatte sie in den 1920er Jahren mit ca. 2,5 Millionen Mitgliedern. Die spanische CNT (Confederacion Nacional del Trabajo) ist die wohl bekannteste Mitgliedsorganisation der IAA und im historischen Rückblick auch diejenige, die der Einlösung des in den Prinzipien formulierten Ziels der „Reorganisation des sozialen Lebens auf Grundlage des libertären Kommunismus durch die revolutionäre Aktion der Arbeiterklasse“ mit der sozialen Revolution des Jahres 1936 am nächsten gekommen ist.
In all den Jahren ihrer Existenz war die IAA immer wieder mit Angriff en von Außen, nämlich des Staates, sowie faschistischer und staatskommunistischer Bewegungen konfrontiert. Zahlreiche Mitgliedssektionen der IAA wurden unter diesen Diktaturen verboten, in die Illegalität gedrängt und ihre Mitglieder ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich bis auf die Ausnahme von Schweden nur sehr wenige Überlebende für eine Reorganisation der IAA-Sektionen zusammen. Eine Massenbasis erlangte sie erst wieder nach dem Tod des spanischen katholisch-falangistischen Diktators Franco, als die CNT aus dem Untergrund heraus wieder in die Öffentlichkeit treten konnte.
Bis heute hat die IAA nicht wieder zu ihrer einstigen Größe aufschließen können und besteht neben wenigen Landessektionen mit hunderten von Mitgliedern, mehrheitlich aus zahlreichen numerischen Kleinst-Sektionen. Länderübergreifende Aktionen gibt es nur sehr selten, und in den internen und öff entlichen Erklärungen überwiegen ideologische Stellungnahmen, in denen es um die angebliche „Verteidigung des Anarcho-Syndikalismus“ oder den Kampf gegen „Gegen-Internationalen“ geht. Diese hart geführten ideologischen Auseinandersetzungen haben in der Mitte der 1990er Jahren zu einigen Spaltungen innerhalb von IAA-Sektionen geführt und dabei zu einem Klima beigetragen, in welchem eigens kreierte Begriff e, wie die von den „Feinden der IAA“ gegenüber tatsächlichen anarcho-syndikalistischen oder zumindest nahe stehenden GenossInnen zum oft gebrauchten Wortschatz gehören. Aufgrund dieser Entwicklung kommt es bei Interessierten und neu in die anarcho-syndikalistische Bewegung eintretenden Genossinnen und Genossen immer wieder zu Nachfragen wie: „Warum gibt es zwei CNT´s in Frankreich und zwei USI´s in Italien“, oder „Warum wird die SAC in Schweden so verteufelt?“ Auch langjährig aktive Genossinnen und Genossen können bei all den Entwicklungen der IAA in den letzten Jahrzehnten leicht den Überblick verlieren.
Und so ist es der Anspruch und Schwerpunkt dieses Textes, die Geschichte und Entscheidungen der IAA in den letzten beiden Jahrzehnten, besonders seit dem IAA-Kongress von 1996 in Madrid, an dem auch der Verfasser die Gelegenheit hatte als Beobachter teilzunehmen, darzustellen und die Abläufe und Hintergründe zu vermitteln. Dabei handelt es sich hier um eine gestraff te Darstellung, welche die wesentlichen Entscheidungen und Handlungen der IAA in diesem Zeitradius zusammenfasst.
• Herausgegeben vom Institut für Syndikalismusforschung, Bremen – Edition Syfo Nr. 2

barrikade # 4 – Dezember 2010

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