Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

Die syndikalistische Bauarbeiter-Internationale IBSF

Die ISBF

Presse-Dienst #1 – 1. September 1931

Bericht über die Internationale Konferenz der anarcho-syndikalistischen Bauarbeiter abgehalten am 22. und 23. Juni 1931, in Madrid (Spanien)
An der Konferenz nahmen folgende Länder teil: Portugal, Spanien, Frankreich, Holland und Deutschland.
Um eine schnellere und bessere Verständigung zu erzielen, wird beschlossen, die Leitung der Konferenz dem als Dolmetscher mit hinzugezogenen Genossen V. Orobón Fernández – Madrid, zu übertragen.
Der bisherige Sekretär der Syndikalistischen Bauarbeiter-Internationale Genosse L. Boisson – Paris, ist am Erscheinen verhindert, hat aber folgenden schriftlichen Tätigkeitsbericht an die Konferenz eingesandt:

Tätigkeitsbericht.
Kameraden! Gemäss den Beschlüssen der Internationalen Konferenz zu Lüttich, am 20., 21. und 22. Oktober 1928, hat die Geschäftsleitung die Arbeit des Internationalen Büros während der Geschäftsjahre 1928 und 1929 übernommen.
Die Arbeit des Internationalen Büros ist nicht so gewesen, wie sie hätte sein sollen. Sie hat sich im Austauschen einiger Korrespondenzen mit den angeschlossenen Föderationen erschöpft. Wenn die Arbeit nur mittelmässig war, so lag dies an den Schwierigkeiten der Übersetzungen der verschiedenen Sprachen und an der Nachlässigkeit verschiedener Föderationen, welche auf Briefe, Rundschreiben und Fragebogen nicht antworteten. Wir sind der Meinung, dass das Büro in Zukunft seinen Sitz in einem Lande haben soll, in dem die Schwierigkeiten der Übersetzungen nicht so gross sind. Für Holland hat der ehemalige Geschäftsleiter Lansink die Zusendung des Archivs versäumt. Erst Ende Februar haben wir den Kassenbestand und einige Druckschriften erhalten, und dies auch erst, nachdem wir mehrere Schreiben an ihn gesendet hatten. Nach dem Abgange des Lansinks in die N.A.S. haben wir erst im Juli 1929 wieder Nachricht  erhalten, durch die Vermittlung des Kameraden Rosseen. Wir haben auch von dieser Organisation 50 Gulden für Internationale Solidarität erhalten.
Von Belgien, Spanien und Portugal, erhielten wir keine Nachricht auf unsere Briefe und Rundschreiben. Ist es die Lage in Spanien und Portugal dieser Länder der Diktatur, welche es nicht ermöglicht hat, die Entwicklung der Dinge zu verfolgen oder verkehren diese Länder nur direkt mit der I.A.A.?
Mit Schweden hat die Verbindung erst 1929 begonnen. Der Kamerad G. Oeder lieferte uns einen aufschlussreichen Bericht über die Lage in seinem Lande. Für Schweden hat uns der Sekretär der I.A.A. den Anschluss der Bauarbeiter Föderation übermittelt. Wir haben dieser Organisation geschrieben und ihr die Statuten übermittelt, um sie mit den auszufüllenden Bedingungen bekannt zu machen, aber bis auf den heutigen Tag sind wir ohne Nachricht geblieben.
In der Schweiz hat sich der Verband der Maurer zu Genf der Internationalen Bauarbeiter-Föderation angeschlossen. Der Geschäftsführer, Kamerad Cariat, ist in regelmässiger Verbindung mit uns. Die Kameraden dieser Organisation begegnen vielen Schwierigkeiten bei der Propaganda für die föderative Idee in der Schweiz.
In Deutschland sind zwei Bauarbeiter-Föderationen: Die Föderation Buth, die der I.S.B.F. angeschlossen ist und ihre Beiträge nach dort entrichtet, sowie die Föderation Markow (jetzt Wiesner) welche nicht der I.S.B.F., aber der I.A.A. angeschlossen ist.  Für die Föderation Buth, welche einen Streik der Fliesenleger in München hatte, haben wir zur Internationalen Solidarität aufrufen müssen. Das Büro hat 75 Mark als Streikunterstützung gezahlt.
Die Internationale Geschäftsleitung hat des Öfteren den deutschen Konflikt besprochen. Wir haben mit beiden Bauarbeiter-Föderationen schriftlich verkehrt und mit allen Mitteln versucht, eine Wiedervereinigung herbei zu führen, im Interesse der Mitglieder und der angeschlossenen Organisationen. Auf der Konferenz in Lüttich waren beide Geschäftsleitungen beauftragt worden, die Wiedervereinigung vor der nächsten Internationalen Konferenz zu vollziehen, denn statutengemäss können nicht zwei Föderationen eines Landes an die Internationale Bauarbeiter-Föderation angeschlossen sein. – Auf der letzten Bauarbeiter-Konferenz in Deutschland, war unser Kamerad Juhel anwesend. Sein Bericht besagt, dass die Föderation Buth sich der Wiedervereinigung entgegenstemmt. Wir hoffen, dass unsere Kameraden die Notwendigkeit der Dinge zur Wiedervereinigung einsehen und der Lage ein Ende bereiten. Wir hoffen ferner, dass auf der Internationalen Konferenz in Madrid die Verständigung für  e i n e  Bauarbeiter-Föderation in Deutschland vollziehen wird.
In Frankreich ist die Bewegung immer noch stockend. Die Konflikte mit den Reformisten und Kommunisten lähmen jede Aktion und jede Neugruppierung. Dieser Zustand darf aber nicht andauern. Wir hoffen, dass die Arbeiter, welche Vertrauen zum revolutionären Syndikalismus haben, zur G.G.T.S.R. stossen werden.
Die Geschäftsleitung der Internationalen Föderation wünscht, dass sich das Internationale Büro sich in Zukunft in Berlin befindet, denn dort lässt sich der verkehr in fremden Sprachen leichter vollziehen. Mehrere benachbarte Länder von Deutschland sprechen leichter Deutsch als Französisch, wie Schweden, Norwegen, Holland. Ferner wäre auch für die Herausgabe des Internationalen Organs, die Zentrale besser gerüstet. Viele Länder verkehren leichter mit dem Büro der I.A.A., als mit dem Büro der Internationalen Föderation, auch hier könnten beide Büros gut zusammen arbeiten. Wir glauben, dass durch das Zusammenarbeiten mit der I.A.A. der Entwicklung unserer Föderation nichts im Wege steht, denn unser Föderalismus ist eine Folge der Glieder, welche von unten nach oben gehen und umgekehrt, für den Sieg des revolutionären Syndikalismus.
Für die Geschäftsleitung der Internationalen
Syndikalistischen Bauarbeiter-Föderation.
Louis Boisson

Die Kameraden P. Besnard und L. Huart, Paris, vertreten gleichzeitig die bisherige Leitung der Bauarbeiter-Internationale. C. Windhoff – Deutschland kritisiert die schlechte Vorbereitung der Konferenz durch das Internationale Büro in Paris. Festgestellt wurde, dass die Bauarbeiter in Spanien, Holland, Schweden u.s.w. keine Einladung erhalten haben. – Besnard – Frankreich, erkennt an, dass das Sekretariat  in Paris versagt habe.
Nunmehr folgen die Situationsberichte der einzelnen Länder:
M. Gonzales – Madrid (Spanien)
Nach dem Sturze der Diktatur und der Monarchie ist die revolutionäre syndikalistische spanische Arbeiterorganisation, die C.N.T., wieder im schnellen Aufbau begriffen. Unter den rund 750 000 Mitgliedern der C.N.T. zählen wir jetzt schon 100 000 Bauarbeiter. Ein Landeskomitee regelt die Verbindung. Vieles bleibt uns noch zu tun übrige. Zunächst planen wir die Herausgabe eines besonderen Föderationsorganes für die Bauarbeiter.
Wir schliessen uns an das Internationale Sekretariat an und werden auch unseren Kräften entsprechend zur Finanzierung beitragen.
J. Miranda – Lissabon (Portugal)
Durch die im Jahre 1926 einsetzende Diktatur wurden unsere Gewerkschaften und Zeitungen verboten, die Druckerei gewaltsam zerstört, die führenden Kameraden eingekerkert oder auch nach Afrika verbannt.
Damals bestanden in Portugal rund 50 syndikalistische Bauarbeitergruppen mit 10 000 Mitgliedern. Die Diktatur ist zwar noch nicht überwunden, aber wir sind dabei unsere Organisationen wieder aufzubauen. Wir sind wieder im Besitz von zwei Wochenblättern und haben zur Zeit wieder etwa 20 000 Bergarbeiter, Landarbeiter und Bauarbeiter organisiert.
In 10 Ortsgruppen zählen wir rund 3 000 Bauarbeiter. Letztere geben ein besonderes Blatt heraus. Unsere Redner dürfen sich nur an ihrem Wohnort betätigen.

Über den Stand der Bewegung in Holland
Berichten die Kameraden Wolthuis und Rosseau. In dem kleinen Holland ist die syndikalistische Bewegung durch das Treiben der sogenannten Kommunisten und der Parlamentarier schwer geschädigt worden. Unter unseren stark 3 000 Mitgliedern, zählen wir in 8 Gruppen über 500 Bauarbeiter. Eine Stärkung unserer Organisation macht sich allenthalben bemerkbar.

Für Deutschland
gibt C. Windhoff den Bericht. Unter der jetzt schon mehrere Jahre anhaltenden wirtschaftlichen Depression, verbunden mit einer Massenerwerbslosigkeit, haben die syndikalistischen Organisationen schwer zu leiden.
Am schwersten liegt die Bauwirtschaft darnieder. Dennoch haben wir in 50 Ortsgruppenrund 3 500 Bauarbeiter organisiert.
Unter Führung des früheren Föderationsleiters Buth haben sich im Jahre 1926 eine Anzahl Ortsgruppen aus nichtigen Gründen abgesondert. Diese abgesonderten Gruppen zählen noch ca. 500 Mitglieder.
Unsere Föderation unter Leitung von R. Wiesner in Halle gibt ein 14-tägig erscheinendes Blatt heraus; die unter Leitung von R. Buth – Berlin stehende Föderation gibt ein monatliches erscheinendes Blatt heraus.
Während unser Föderationsblatt nur zur Propaganda benutzt wird, missbraucht Buth jede Nummer seines Blattes zum Kampf gegen die syndikalistische Organisation insgesamt und auch besonders gegen unsere Föderation. Ein Antrag, der sich mit diesen Dingen beschäftigt, liegt der Konferenz vor.
Die Lohn und Arbeitsverhältnisse sind zur Zeit die denkbar schlechtesten. Organisatorisch am stärksten haben wir die Fliesenleger erfasst. Diese haben sich denn auch ziemlich weitgehend Einfluss auf die Gestaltung der Lohn und Arbeitsbedingungen erkämpft und die höchsten Löhne erzielt.
Die sozialdemokratischen und christlichen Gewerkschaften bekämpfen uns mit den schmutzigsten Mitteln und stellen den Unternehmern vielfach Lohndrücker und Streikbrecher zur Verfügung.
Dieser Bericht löst eine Anzahl Fragen aus, die der Kamerad Windhoff dann eingehend beantwortet. – – –
Die Konferenz beschliesst dann, zu den eingegangen Anträgen Stellung zu nehmen. Durch Umfrage wird festgestellt, dass durch die entweder nicht oder zu späte Information der einzelnen Länder, es den einzelnen Landesorganisationen nicht mehr möglich war, zur Internationalen Bauarbeiter-Konferenz Stellung zu nehmen. Dadurch ist zu erklären, dass nur von der deutschen Sektion Anträge vorliegen. Dann wird in die Beratung der einzelnen Anträge eingetreten.
Antrag I.
Als dringend notwendig, schon aus propagandistischen Gründen erachten wir es, dass die Internationale Bauarbeiter-Konferenz zur Frage der Rationalisierung im Baugewerbe Stellung nimmt, und insbesondere auch gegen die Einführung des amerikanischen Arbeitssystems, welches es ermöglicht, dass aus dem einzelnen Arbeiter das mehrfache von dem herausgepresst wird, was sonst hier in Deutschland der Fall ist.
Windhoff – Deutschland begründet den Antrag und erläutert an praktischen Beispielen, wie durch das amerikanische Arbeitssystem das Quantum der Arbeit so stark gesteigert wird, dass die Hälfte der Arbeiter zur Entlassung kommt. Naturgemäss ist eine so ausgeführte Galopparbeit qualitativ sehr minderwertig und als Pfuscharbeit zu bewerten.
In der Diskussion stimmten alle Redner zu und der Antrag wird einstimmig angenommen.

Antrag II.
Die Internationale Bauarbeiter-Konferenz muss sich unbedingt mit der Frage befassen, ob und wieweit es möglich ist, bei grosser Erwerbslosigkeit in einem Lande, die dort überzähligen Arbeitskräfte in einem anderen Lande unterzubringen.
Auch dieser Antrag wurde von Windhoff wie folgt begründet:
Seit mehreren Jahren haben wir in Deutschland die Massenerwerbslosigkeit. Viele unserer Bauarbeiter, wie Maurer, Putzer, Zimmerer und Fliesenleger liegen auf der Strasse. Später mussten wir dann erfahren, dass in Schweden und in der Schweiz um diese Zeit obige Handwerker gesucht wurden. Hier müssen wir unbedingt einhaken. Die einzelnen Informationen und Berichte über die Internationale Bauarbeiter-Föderation und unter den einzelnen Landesorganisationen müssen in Zukunft besser von statten gehen. Wir müssen in der Lage sein, unseren Genossen in anderen Ländern Arbeit zu verschaffen, denn wir helfen damit nicht nur den einzelnen Genossen, sondern vor allen Dingen auch den einzelnen Landesorganisationen, die bei dieser Handhabe in finanzieller Hinsicht stark entlastet und vor einer Krise bewahrt werden. Ausserdem aber wird auch das Solidaritäts- und Zusammengehörigkeitsgefühl international gefördert.
Der Antrag wird ohne Widerrede angenommen.

Antrag III.
Das Büro der Internationalen Bauarbeiter-Föderation hat unbedingt dafür zu sorgen, sich in Zukunft in den Besitz von Arbeitsverträgen, insbesondere Abmachungen betreffs Stundenlöhnen, Arbeitszeit, Ferienregelung, Mitbestimmung der Arbeiter im Betrieb, bei Einstellungen und Entlassungen von Arbeitern, u.s.w. zu setzen.
Wenn möglich, ist jeder angeschlossenen Landesorganisation je ein Exemplar dieser Verträge zwecks gegenseitiger Information zur Verfügung zu stellen.
Nachdem Windhoff – Deutschland auch diesen Antrag begründet hatte, stellten die Delegierten der einzelnen Länder bezüglich der Arbeitsverhältnisse in Deutschland viele Fragen, womit wohl am besten bewiesen ist, dass dieser Antrag volles Verständnis gefunden hat.
Nachdem der Kamerad Windhoff die gewünschte Auskunft erteilt hat, wird der Antrag einstimmig angenommen.
Antrag IV.
Die Landesorganisation der Bauberufe (Syndikalisten), Richtung Ruth – Launer, Deutschland, ist aus der Internationalen Bauarbeiter-Föderation auszuschliessen, da sie jeder Wiedervereinigung mit der F.A.U.D. (Anarcho-Syndikalisten) ablehnt.
Hierzu liegt eine schriftliche Begründung der deutschen Föderationsleitung (Sitz Halle/Saale) vor.
An Hand reichhaltigen Materials behandelte Windhoff die den deutschen syndikalistischen Bauarbeitern genügend bekannten, leidigen Streitfragen, womit sich schon die Konferenz in Lüttich 1928 beschäftigen musste. Alle Einzelheiten hier aufzurollen erübrigt sich. Redner betonte zum Schluss, dass Robert Buth auf der Konferenz der Bauarbeiter Anfang Juni 1930 in Berlin fest versprochen und die bestimmte Zusicherung gegeben habe, dass bis Ende 1930 die Wiedervereinigung erfolgen würde. Statt dessen tat Buth das direkte Gegenteil und führte den Kampf in verschärfter Form weiter. Dies dürfte so nicht weiter gehen. Die Internationale Konferenz müsse nun bestimmen, dass nur eine deutsche Föderation an das Internationale Sekretariat angeschlossen sein könne.
Nach kurzer Besprechung und Beantwortung einiger Fragen wurde einstimmig beschlossen:
In Anbetracht der schädigenden Haltung, welche die Gruppe Buth-Launer innerhalb der syndikalistischen Bauarbeiter-Föderation in Deutschland jetzt schon seit mehreren Jahren einnimmt, insbesondere durch die fortgesetzten Angriffe in der Presse und in Flugblättern gegen die gesamte syndikalistische Organisation in Deutschland, beschliesst die in Madrid tagende Internationale Konferenz der Bauarbeiter:
Die Gruppe Buth und Launer ist aus der Internationale ausgeschlossen.
Das Internationale Bauarbeiter-Sekretariat wird auf allgemeinen Wunsch nach Deutschland verlegt. Der Kamerad W. Markow – Berlin soll das Sekretariat übernehmen.
Bezüglich der Tätigkeit des Sekretariats wurde nun allseitig gewünscht und verlangt:
I. Eine bessere, intensivere, internationale Fühlungsnahme und Propaganda.
II. Herausgabe eines periodisch erscheinenden Pressedienstes, zunächst in Deutsch und Französisch.
III. Die in den angenommenen Anträge I, II und III niedergelegten Wünsche und Forderungen sollen in den einzelnen Ländern energisch propagiert werden. Das Internationale Bauarbeiter-Sekretariat soll dazu die Einleitung machen.
Kamerad Windhoff – Deutschland gibt dazu folgende Erklärung ab: „Wir werden uns in Deutschland bemühen, dass das Sekretariat alle diese Arbeiten durchführt, damit mehr Leben und mehr Bewegung in die Internationale einzieht. Vorbedingung dabei aber ist, dass die einzelnen Landessektionen die Beiträge an das Sekretariat regelmässig einsenden. Unsere Kameraden in Deutschland sind, weil zu 70% ohne Arbeit, zu arm, um mit eigenen Mitteln viel leisten zu können.“
Alle Delegierten stimmen dem zu und versprechen für die Finanzierung einzutreten. Damit ist auch dieser Punkt der Tagesordnung erledigt.
Kamerad P. Besnard – Paris begründet dann kurz eine von ihm eingebrachte Resolution und bittet um Zustimmung:
Diese Resolution lautet:
Die Internationale Bauarbeiter-Konferenz stellt fest, dass es unbedingt notwendig ist, innerhalb der einzelnen Landesorganisationen, Institutionen zu schaffen, die dem gewerkschaftlichen Apparat die volle Ausübung seiner Aufgaben ermöglichen. Deshalb verlangt die Konferenz von der I.A.A.-Sektionen, dass sie den Reorganisationsplan in Anwendung bringen, der auf dem Kongress der I.A.A. vorgelegt wurde. Wenn möglich soll die Anwendung schon erfolgen, ohne das vom I.A.A.-Kongress beschlossene Referendum abzuwarten.
Gegen diese Resolution erhebt sich kein Widerspruch und wird dieselbe angenommen.
Damit ist die Tagesordnung der Konferenz erledigt.
In einem kurzen Schlusswort stellt Windhoff – Deutschland fest, dass die Konferenz wenn auch schlecht vorbereitet, denoch gute Arbeit geleistet hat und in schöner Harmonie verlaufen ist.
Lobend und dankend anerkennen müssen wir insbesondere die Dienste, welche der spanische Kamerad V. Orobón Fernández – Madrid unserer Konferenz freiwillig geleistet hat, als Vorsitzender und vielseitiger Dolmetscher. Orobon hat damit sehr viel zum Gelingen der Konferenz beigetragen.
Mit einem freundlichen Schlusswort an die Kameraden schliesst der Kamerad Orobón die Konferenz.
Der schwedische Delegierte A. Jensen, der den Verhandlungen der Konferenz nicht beiwohnen konnte, wurde über die wichtigsten Beschlüsse informiert und hat sich damit einverstanden erklärt.

Achtung!!
Da der Kamerad W. Markow wieder in Deutschland weilt, sind vom heutigen Tage an, sämtliche Zuschriften in Sachen der Internationale an folgende Adresse zu senden:
Walter Markow, Bornholmerstr. 7, Berlin N. 113, Deutschland
Presse-Dienst des ISBF, Jahrgang I, 1. September 1931, Nummer 1 [6 hektografierte A 4 Seiten]

Presse-Dienst # 3 – Dezember 1931
Die Bauarbeiter-Internationale!
Im Gegensatz zu den reformistischen Industrie-Internationalen steht die syndikalistische Bauarbeiter-Internationale in freier föderalistischer Gebundeheit. Sie bildet ein Teil des primären Fundaments der Internationalen Arbeiter-Assoziation, wie es ja auch aus den Statuten der I.S.B.F. ersichtlich ist. Die I.S.B.F. bildet den Vortrupp aller syndikalistischen Industriegruppen, soweit diese durch ihre Länderorganisationen, oder wo solche nicht bestehen, diese selbst die I.A.A. angeschlossen sind. Dadurch erwächst für die I.S.B.F. die doppelte Aufgabe der internationalen Reaktionsfront, die vereinte Front aller syndikalistischen wirtschaftlichen Klassenkampf-Föderationen entgegen zu stellen. Die täglichen Erfahrungen der Abwehr und Tageskämpfe, dürfen daher nicht nur eine Angelegenheit der einzelnen Länderföderationen bleiben, sondern müssen zur Information und Diskussion der I.S.B.F.  laufend übermittelt werden, damit die dabei gemachten Erfahrungen zum Vorteil der syndikalistischen Föderationen ausgenutzt werden können.
Aber nicht nur die Ereignisse der Abwehr und Tageskämpfe stehen in dem Rahmen der Aufgaben der I.S.B.F., sondern darüber hinaus steht ja als Ziel die Vernichtung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und die Schaffung einer freien sozialistischen Wirtschaft. Die Konferenz in Madrid hat dementsprechend Anträge festgelegt und die Delegierten der Länderföderationen erachteten es also ein Gebot der Zeit alles daran zu setzen, was zur Erreichung der gesteckten Ziele getan werden kann.  Dabei wollen wir die verschiedenartig gelagerten Verhältnisse der einzelnen Länder vollste Beachtung schenken. Wir stellen deshalb nochmals zur Jahreswende diese Anträge zur Diskussion der Länderföderationen.
(Antrag I und Antrag II werden noch mal zusammengefaßt)
Die Wintermonate mit der allgemeinen Feiertagsruhe in der Industrie des Baugewerbes, geben den Organisationen Gelegenheit zur Rückschau über die gemachten Erfahrungen in ihrem Tätigkeitsbereich und darüber hinaus auch die Zielsetzung und Sammlung zu neuen Kämpfen. Als der Antrag 2 vom Gen. Carl Windhoff als Delegierter der deutschen Bauarbeiterföderation der Konferenz vorgelegt und begründet wurde, standen die Delegierten der Länder noch in der glücklichen Position, den Antrag ohne weiteres zustimmen zu können, da ja bis zu der Zeit, in fast allen Ländern soweit es die bauindustrie anbetraf, wenig oder gar keine Erwerbslosigkeit zu verzeichnen war.

Zwei Tarifverträge!
Es soll hier nicht etwa die Frage für oder gegen Tarifverträge zur Debatte gestellt werden, sondern wir wollen nur folgend dem Hinweis in No. 2 des „Pressedienstes“ handeln. Die Monopolvormachtstellung der reformistischen Zentralorganisationen in Deutschland bei Abschlüssen von Tarifverträgen, mit ihren Klasseneinteilungen und Ausschaltungen der davon betroffenen Arbeiterschaft macht es notwendig, dass wir uns mit dieser Angelegenheit beschäftigen und gebe ich deshalb zur besseren Information, Auszüge aus dem Reichstarif für das Hoch- u. Tiefbaugewerbe in Deutschland und lasse mich dabei von dem Gedanken leiten, das diese Auszüge besser überzeugen, als wie dies mit einer einfachen Beschreibung geschehen kann.
Im Gegensatz zu dem reformistischen Vertrag gebe ich einige Auszüge aus dem Tarifvertrag einer Fachgruppe (syndikalistische Fliesenleger Düsseldorf), die der syndikalistischen Bauarbeiter-Föderation Deutschlands angeschlossen ist. Aus der Gegenüberstellung beider Tarifverträge, zeigt sich bei dem letzteren ganz offen der Charakter der Klassenkampforganisation, wo trotz kollektiven Tarif jeder davon betroffene Arbeiter unmittelbarer Träger des Abkommens ist.

Reichstarifvertrag
für Hoch-, Beton-, Tiefbauarbeiten
zwischen
den Arbeitgeberverbänden des deutschen Reiches und den Spitzenverbänden der Arbeitnehmer, dem deutschen Baugewerksbund, dem Zentralverband der Zimmerer u. verwandter Berufsgenossen, dem Zentralverband christlicher Bauarbeiter, dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands.
Anmerkung zum Geltungsbereich:
In diesem Abschnitt des § 1. Absatz 5, zeigt sich die Monopolstellung der reformistischen Organisationen durch ihre staatliche Anerkennung, aber auch gleichzeitig die völlige Ausschaltung der Arbeiterschaft selbst, bei der Regelung der Lohn u. Arbeitsbedingungen. Denn durch die staatliche Allgemein-verbindlichkeitserklärung des betreffenden Tarifvertrages, schalten individuell abgeschlossene Arbeitsverträge bei der Betrachtung der Klagefähigkeit aus, sobald die gegenpartei also der Unternehmer Mitglied der tariftragenden Organisation ist. Der § 5, welcher den Arbeitslohn in Klassen einteilt, kann wegen seiner Länge  nur teilweise gegeben werden. So sagt der Abschnitt 2 des § 5:
Der Stundenlohn ist unterschiedlich festzusetzen für alle Arbeiter-Gruppen bis zum vollendeten 19. Lebensjahr und über 19 Jahre (Vollarbeiter). Dann staffelt man die Löhne der Facharbeiter vom 16-19. Lebensjahr, und setzt für Hilfsarbeiter in derselben Altersklasse den Lohn um 17% niedriger als wie in den jeweiligen Stufen der Facharbeiter. Die Hilfsarbeiter (Voll- wie jugendliche Arbeiter) teilt man dann wiederum in zwei Klassen und zwar für den Hoch u. Tiefbau, bei letzteren ergibt sich der Unterschied aus der Entlohnung, denn der Tiefbauarbeiter liegt 20-25 % tiefer als der Lohn des Bauarbeiters aus dem Hochbaugewerbe. Platzarbeiter, Wächter u.s.w. stehen in der Entlohnung wiederum unter dem Tiefbauarbeiter.
Der Lohn der Facharbeiter staffelt sich nach den einzeln erfassten Branchen des Hoch u. Tiefbaugewerbes deren Zahl ungefähr 30 beträgt. Diese Löhne staffeln sich wiederum in die meist 5 Ortsklassen der einzelnen Tarifgebiete, die sich in großer Zahl über das gesamte Reichsgebiet verteilen. So das sich eine Klassierung der einzelnen Berufe des Hoch u. Tiefbaugewerbes ergibt, wie sie das ganze Wesen des Reformismus mit sich bringt. Von besonderem Interesse ist dann noch der § 10 der die Ferien regelt.
Der Abschnitt 1. behandelt die Ferienansprüche der Arbeiter von 3 Tagen im ersten Beschäftigungsjahr bis zu 5 Tagen nach 3-jähriger Tätigkeit bei ein und derselben Firma. Die Voraussetzung auf Ferienanspruch im Jahre, besteht in einer ununterbrochenen Zugehörigkeit zu ein und demselben Betrieb von 36 Wochen. Dazu kommen noch allerlei Ergänzungen doch wird auch der Unbefangene sagen, dass die Ferienfestsetzung nur Sand in den Augen des größten Teils der bauarbeiterschaft ist.
(…)

Anmerkung:
Kameraden, soweit der Reichstarif für das Baugewerbe in Deutschland. Ich glaube treffender keinen Beweis über den wahren Charakter der reformistischen Zentralverbände bringen zu können, als wie es mit der Übermittlung des Reichstarifvertrages geschehen ist. Das diesen Steigbügelhaltern des Kapitals, diese vortrefflichen Klauselierungen, gerade in der jetzigen Lohnabbauwelle zum Verhängnis geworden sind, trägt nur zur Erhärtung meiner Behauptungen bei.
Das es auch anders geht beweist der Tarif unserer Düsseldorfer Organisation und gewinnt dieser Vertrag doppelt an Bedeutung, da er sich auf den Klassenkampf aufbaut und auch gleichzeitig die Tarifauffassung der anarcho-syndikalistischen Bauarbeiter Deutschlands kennzeichnet.

Arbeits-Vertrag:
Lohn und Akkordtarif für das Fliesengewerbe
Düsseldorf u. Umgebung.
§ 1 – Vertragsschließende:
Vorliegender vertrag ist abgeschlossen und gegenseitig anerkannt von der Arbeitgeber-Vereinigung angehörenden Plattierungsgeschäften in Düsseldorf u. Umgebung – inkl. Neuss einerseits und der Freien Vereinigung der Fliesenleger, angeschlossen der Freien Arbeiter-Union (Syndikalisten) sowie dem deutschen Baugewerksbund andererseits.
§ 2 – Geltungsbereich:
Dieser Vertrag gilt für alle Arbeitsstätten in Düsseldorf u. Umgebung einschließlich Neuss und für alle auswärtigen Arbeitsstätten, wo von Plattengeschäften oder Unternehmern obengenanter Orte Plattenarbeiten ausgeführt werden. Der Sitz des Geschäftes ist für die Auslegung und Bezahlung des Tarifes und der Zulagen maßgebend.
§ 3 – Arbeitszeit:
Die Arbeitszeit beträgt 8 Stunden, jedoch ist Samstag um 1 Uhr Schluß. In Zeiten schlechter Konjunktur ist die vorhandene Arbeit, so einzustellen und die Arbeitszeit so zu kürzen, dass alle Leger gleichmäßig Beschäftigung und Verdienst haben. Sollte es dann noch nicht möglich sein, alle Leger zu beschäftigen, dann sind diejenigen Leger auszuschalten, in deren Familie mehrere Personen am Verdienen sind. Ab 1.11.1930 wurde die 5 Tagewoche eingeführt.
§ 4 – Überstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit:
Überstunden sowie Nachts- und Sonntagsarbeit und Arbeit an den gesetzlichen Feiertagen sind in besonderen Fällen zu leisten und dürfen nur gefordert werden, wenn durch deren Unterlassung Menschenleben in Gefahr kommen; Verkehrsstörungen eintreten, wenn Schäden durch Naturereignisse zu verhindern oder zu beseitigen sind; ferner bei dringenden Reparatur- und Installationsarbeiten in Theatern, Fabriken und bei ähnlichen Arbeiten. Als Überstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit und als Arbeiten an gesetzlichen Feiertagen gelten: 1. als Nachtarbeit jede Arbeit von abends 8 Uhr bis morgens 6 Uhr. 2. Als Überstunden jede Arbeit in der zeit, die zwischen der Nachtarbeit und der normalen Arbeitszeit liegt. 3. Als Sonntagsarbeit und Arbeit an gesetzlichen Feiertagen jede Arbeit an diesen Tagen von morgens 5 Uhr bis abends 12 Uhr. Für Überstunden wird ein Zuschlag von 25% gezahlt. Für Arbeit an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen, sowie für Nachtarbeit wird ein Zuschlag von 100% auf die Akkordsatztarife gezahlt.
§ 5 – Lohnabrechnung:
Für die Berechnung des Lohnes ist der Akkordtarif massgebend. Alle Arbeiten, für die in diesem Vertrag Akkordpreise festgelegt sind, werden nur in Akkord ausgeführt. Alle in diesem Tarif nicht aufgeführten Arbeiten oder neuen Formen, für welche unter Anrufung eine Einigung über den Akkordsatz nicht erzielt wird, werden zum Stundenlohn mit 20% Zuschlag bezahlt.
§ 6 – Lohnzahlung:
Die Lohnzahlung umfasst eine Woche. Die Lohnzahlung findet jeden Freitag vor Feierabend an der Baustelle und wenn dies nicht möglich ist, in den Geschäftsräumen des Arbeitgeber, oder sofern der Arbeitnehmer nicht Nachhause gehen kann, an der Arbeitsstelle, bzw. durch Postsendung Freitagabend statt. Die Lohnperiode schließt Mittwochs. Abschlagszahlungen auf Akkordarbeiten sind an den Lohntagen in Höhe von ungefähr 90% des verdienten Akkordlohnes zu leisten. Die Anträge auf Abschlagszahlungen müssen spätestens bis Donnerstag morgens bestellt werden. Das Warten auf Material wird in Stundenlohn gezahlt, wenn der Leger dieses einen halben Tag vorher bestellt hat.
§ 7:
Regelt die in Deutschland üblichen Fragen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses.
§ 8 – Schlichtung und Streitigkeiten:
Streitigkeiten aus diesem Vertrag sind durch die örtlichen Schlichtungskommissionen, bestehend aus drei Arbeitgebern und drei Arbeitnehmern, schleunigst zu schlichten. Die beiderseitigen Vertragsschließenden wählen ihre Mitglieder. Der Vorsitzende wird in jeder Sitzung gewählt. Die Schlichtungskommission hat, wenn eben angängig, innerhalb 24 Stunden, spätestens aber 48 Stunden zu tagen und sind vor dieser Tagung und während des Verfahrens, Streiks und Aussperrung oder ähnliche Maßnahmen irgendwelcher Art unter keinen Umständen zulässig. Anträge für die Schlichtungskommission sind schriftlich zu stellen an den Obmann unter genauer Begründung des Streitfalles.
Bei allen Streitigkeiten, sind die amtlichen und staatlichen Schlichtungsinstanzen auszuschalten, soweit hierzu kein Zwang besteht.
§ 9 – bringt örtliche Regelung.
§ 10 und 11 – Durchführung des Vertrages:
Alle im nachfolgenden Akkordtarif festgesetzten Preise sind Mindestpreise und dürfen unter keinen Umständen unterboten werden. Alle dem Tarif zuwiderlaufenden Abmachungen (billiger arbeiten sind nach dem Entscheid des Reichsarbeitsgerichtes ungültig.) Der Stundenlohn beträgt 1,80 Mk.
Soweit der Vertrag unserer Düsseldorfer Organisation. Die Gegenüberstellung des § 8 dieses Vertrages, allein dürfte genügen um die von mir aufgestellte Behauptung gegenüber dem reformistischen vertrag zu rechtfertigen. Ein weiteres eingehen auf die Gegensätze ist mir wegen des Platzmangels im „Pressedienst“ in dieser Nummer nicht möglich, doch werde ich in einer späteren Ausgabe darauf zurück greifen. Wie es ja auch den Antrag 3 der Madrider Konferenz entspricht.        M.
Kasse:
An Beitrag ging von der norwegischen Landesföderation, für die Zeit von 1930-31, der Betrag von 88,37 Kr. ein.
• Presse-Dienst des ISBF, Jahrgang I, Dezember 1931, Nummer 3 [8 hektografierte A 4 Seiten]

Presse-Dienst # 1 – Januar 1932

Kasse:
Von den Schweizer Genossen gingen 8,00 Mk. als Propagandabeitrag ein.
W. Markow.

• Presse-Dienst des ISBF, Jahrgang II, Januar 1932, Nummer 1 [9 hektografierte A 4 Seiten]

Presse-Dienst #2/3 – Feb./März 1932

Pflicht-Erfüllung
Mehr wie 25 Millionen – statistisch – erfasster Menschen, ungezählte Millionen nicht registrierter Arbeiter sind auf dem Erdenball aus dem Produktionsporzess ausgestossen, dem Hunger, dem Elend, der Verzweiflung preisgegeben.
Opfer der herrschenden Gesellschaft, Opfer der Hyäne Kapital. Ungezählte Millionen die noch das zweifelhafte Glück geniessen, fleissig ihre Hände regen zu dürfen in harter Fron, werden beglückt von der wie ein Amokläufer die Welt durchbrausender – Seuche-Lohnabbau und damit trotz regen der fleissigen Hände, eingereiht in die Front der Hungernden.
Der Kapitalismus der Welt der sich in Fieberkrämpfen windet im Kampf um seine Vormachtstellung und Existenz tobt sich fast hemmungslos aus und hinterlässt somit eine internationale Armee des Elends und der Barbarei.
Dem internationalen Trust- und Monopol-Kapital steht die reformistische Gewerkschafts-Internationale treue Sekundanten-Dienste leistend beiseite und hilft mit ihren Versuchen, die Krankheit des Kapitalismus zu beseitigen, die Front der Elends-Internationale verstärken.
Die Arbeiterschaft, die sich unter grossen und unsäglichen Opfern die „Internationale der Arbeit“ schuf, wird durch die Haltung und Handlung der Führer ihres Glaubens und Widerstandskraft beraubt und begünstigt dadurch die Neubildung und Festigung der kapitalistischen Wirtschaft und die Schaffung eines Sklaventums, dass dem vergangener Jahrhunderte würdig beiseite stehen wird.
Der Faschismus, das Ideal der Herrschenden zur Rettung ihrer Geldsäcke und des Profites breitet sich immer mehr aus. Not, Elend und Tyrannei sind seine Gefolgschaft.
In diesem Abwehrkampf steht die Internationale Arbeiter-Assoziation, die wirkliche Internationale der Arbeit, allein. Die unter ihrem Banner vereinten revolutionären Minderheiten stehen vor der gigantischen Aufgabe, die Arbeiterschaft zu sammeln, zu schulen zum Kampf für die Beseitigung der jetzt herrschenden Gesellschaftsunordnung, mit dem Ziel, eine freie sozialistische Gesellschaftsordnung zu schaffen. Um die I.A.A. in ihrem Kampf zu unterstützen, schritten die Bauarbeiter zur Bildung der syndikalistischen Bauarbeiter-Internationale, um die Vorbedingung zu schaffen die eine freie sozialistische Gesellschaftsordnung bedarf.
Der Genosse Alex. Berkmann zeigt in seinem Buch „Now and after“ ganz eindeutig nicht nur die Aufgaben einer gewerkschaftlichen Internationale der Industriegruppen, sondern auch die unbedingte Notwendigkeit zur Schaffung solcher internationaler Zusammenschlüsse.
Es ist notwendig an dieser Stelle näher auf die Ausführungen des Gen. A. Berkmann einzugehen, denn aus der Erkenntnis der Notwendigkeit einer Organisierung der Arbeit für die Soziale Revolution, schritten ja die syndikalistischen Bauarbeiter der I.A.A. schon im Jahre 1925 zur Bildung des I.S.B.F. Umso bedauerlicher ist die Erkenntnis, dass nur sehr wenig von den einzelnen Landessektionen der I.A.A. zu Gelingen des grossen Werkes beigetragen wird. Das wie bei den Reformisten die nationalen Belange voll auf befriedigen und die internationale Zusammengehörigkeit unserer Genossen ebenfalls nur ein Lippenbekenntnis sein soll, wage ich trotz meiner ketzerischen Gedanken nicht zu behaupten, bin vielmehr der Ansicht, das Nachlässigkeit der Anlass zur Pflichtverletzung ist.
Deshalb wende ich mich nochmals an dieser Stelle für die I.S.B.F. an die Kameraden der Länder und weise auf die Gefahr hin, die auch für uns als freiheitliche Sozialisten mit dem Anwachsen der internationalen Elendsarmee verbunden ist. Dem Hunger, dem Elend, der Verzweiflung verfallen, sind diese Millionen Menschen eine willkommene Beute für den Faschismus und steigern damit die Gefahr für alle freiheitlichen Elemente.
In der Hoffnung auf Arbeit werden die Millionen von Erwerbslosen nur zu leicht Opfer des Nationalismus, wie wir ihn ja auch von den reformisten wiederholt zur Schau gestellt sahen. Durch Abriegelung des Landesgrenzen, glaubt man sich die Konkurrenz der ebenfalls hungernden Brüder vom Halse zu halten und opfert mit dem gleichen Augenblick, diejenigen Mitmenschen, die um der Freiheitssache willen ihr Land verlassen mussten, jagt sie jetzt von Land zu Land und liefert sie zum Schluss der lauernden Bestie – Staatsgewalt – aus.
Dies zu dulden und durch unsere Nachlässigkeit zu unterstützen, kann und darf doch nicht sein. Unsere Aufgabe muss sein, diejenigen die um der Sache der Freiheit die Grenzen ihres Landes verlassen müssen, eine Stütze zu geben und sie damit wieder ein zu reihen in die Front der Kämpfenden.
Nützen wir die uns noch zur Verfügung stehende Freiheiten mit aller Kraft, die Ereignisse in Italien, Portugal und Spanien sind warnende Beispiele. Nur engste internationale Verständigung schafft den Weg zur Freiheit.
Denkt stets daran, die Kameraden des Sekretariats in ihrer Arbeit zu unterstützen. Sendet laufend Berichte über die Ereignisse eure Landes: Pflegt den Austausch von Föderationsorganen, oder wo solche nicht bestehen, sendet Abschnitte aus den Landesorganen, die Vorkommnisse der Bauindustrie eures Landes berühren.
Schafft in den einzelnen Ländern Korrespondenzstellen die zur einzigen Aufgabe die Nachrichtenübermittlung haben.
Beachtet die auf der Madrider Konferenz gesteckten Ziele, jeder der hier seine Pflicht versäumt, verstösst gegen die Sache der Freiheit.
Für das Sekretariat:
i.A. W. Markow.
• Presse-Dienst des ISBF, Jahrgang II, Februar/März 1932, Nummer 2/3 [9 hektografierte A 4 Seiten]
Presse-Dienst # 4/5 – April/Mai 1932
Lohnraub – Überall
Deutschland:
Das völlige Brachliegen der Bauwirtschaft sich zu nutze machend gingen die Unternehmer mit Unterstützung des Reichsarbeitsministerium schon im April d.J. dazu über die durch Notverordnung festgesetzten Löhne im Baugewerbe erneut „zu beseitigen und Abbau, mit dem Ziel“ einer gänzlichen Beseitigung der kollektiven Arbeitsabkommen zu erreichen.
Die Tarifämter welche entsprechend der deutschen Arbeitsgesetzgebung die entscheidende Instanz der unteren Parteien darstellen, fällten bereits einen Schiedsspruch, welcher einen Lohnabbau von 10% nebst einigen wichtigen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen vorsah. Dieser Spruch wurde von beiden Parteien abgelehnt. Die Unternehmer weil ihnen der Abbau zu gering war und die reformistischen Gewerkschaften aus taktischen Gründen.
Die Reichskonferenz der syndikalistischen
Bauarbeiter Deutschlands
Am Donnerstag, den 24.3.32 fand in Erfurt die Reichskonferenz der Bauarbeiter der FAUD (A.S.) statt. Trotz schwerster Notlage  der einzelnen Organisationen, war die Konferenz von fast allen Gruppen restlos beschickt. Ein Zeichen, das der gedanke der Industrie-Föderation stärker als je zu vor zum Durchbruch kommt. Aus den berichten der Gruppen ging hervor, weshalb die Gruppen in der verflossenen Periode, trotz Unzufriedenheit der andersorganisierten Arbeiter nicht vorwärts entwickeln konnten, zum Teil sogar noch grössere Verluste an Mitgliedern zu verzeichnen hatten. Der Grund: die nun jahrelang schon von der Arbeitslosigkeit betroffenen Kameraden, nicht mehr in der Lage die Verpflichtungen gegenüber ihrer Organisation nachkommen zu können, verliessen die reihen. So bedauerlich dieser Zustand an und für sich ist, liess es sich nicht vermeiden, denn auch die Organisationskasse hielten eine Belastung die nicht zahlende Mitglieder weiter mit durch zu schleppen nicht zu. So ergibt es sich von selbst, dass die Bewegung an Mitgliederzahl offiziell gesunken ist und nur noch knapp 1 000 Mann beträgt. Eine sehr niedrige Zahl, die aber nicht entmutigend ist weil wir die Gewissheit haben, dass bei einer Hebung der Arbeitslage ein grösserer Zuwachs an Mitgliedern einsetzen wird. Aus den Berichten ging ferner hervor, dass die Bekämpfung der anarcho-syndikalistischen Bewegung von Seiten der Reformisten mit den schäbigsten Mitteln geführt wird und selbst Verunglimpfungen der Kameraden herhalten müssen, um ihre Mitgliedschaften von uns fern zu halten. Nicht anders geht es von Seiten der kommunistischen Partei-Organisationen die der R.G.O. als sogenannte Einheitsverbände angegliedert sind, ein Zusammenarbeiten mit diesem Organisationen ist wegen des Partei-Dogma eine glatte Unmöglichkeit. Gegen das vom Reichsarbeitsgericht gefällte Urteil vom Jahre 1930, welches die Organisationen der FAUD eine Vertretung ihrer Mitglieder vor den Arbeitsgerichten verbietet, wurde wiederholt von uns angekämpft, leider noch immer mit negativem Erfolg. Die Bestrebungen der Düsseldorfer Kameraden durch den Kameraden Windhoff die Beseitigung des Reichsgerichtsfehlurteil zu erreichen, sind durch die wirtschaftliche Lage zur zeit noch gehemmt. Wie aus allen Berichten ersichtlich war, pulsiert das Gruppenleben in gewerkschaftlicher Hinsicht stark.
Zur Bauarbeiter-Internationale wünschen die Kameraden besten Erfolg und hoffen, dass es durch Einsicht aller beteiligten Länder der I.A.A. gelingen möge, die Widerstandskraft der Arbeiterschaft zu stärken und zu beleben. Dem geeinten Kapitalismus, die geeinte Front der Industriearbeiter. Die Wahl für die Leitung der Landesföderation fiel auf den Kameraden Walter Markow, als Obmann. Die Tagung konnte sich leider bedingt durch die Verhältnisse nur im engsten Rahmen zu allen schwebenden Gewerkschaftsfragen der Gegenwart äussern, da innerorganisatorische Regelungen zu erledigen waren. Der Verlauf der Konferenz, getragen vom besten Kameradschaftsgeist gibt zu der berechtigten Hoffnung Anlass, dass die Reichsföderation der Bauarbeiter über alle Klippen und Nöte der Zeit hinweg kommen wird, zum Wohle des Anarcho-Syndikalismus.
• Presse-Dienst des ISBF, Jahrgang II, April/Mai 1932, Nummer 4/5 [3 hektografierte A 4 Seiten]
Presse-Dienst # 6 – Oktober 1932
Deutschland:
Land des Chaos in gewerkschaftlicher, wie politischer Beziehung. Im Gärungsprozess zwischen militärischer und faschistischer Diktatur, sowie vollständig offenbarter Ohnmacht der Arbeiterklasse. Hierbei offenbaren sich, wie schon in anderen Ländern die verhängnisvollen marxistischen Richtlinien. Die revolutionären Minderheiten kommen nicht zur Entfaltung. Es ist eine glatte Unmöglichkeit in einer periodisch erscheinenden Schrift, wie dem ‚Pressedienst’ auf die einzelnen Begebenheiten tiefer einzugehen, da sich die Ereignisse sturmflutartig überstützen. Eine Verordnung überholt die Andere, aber jede bringt für die breiten Schichten des Proletariats neue Senkungen des Lebensniveaus.
Die noch vor einigen Monaten springende Frage, auf welcher Basis sich eigentlich das Existenzminimum der Arbeitendenschichten bewegt, hat längst jede Aktualität verloren. Denn bereits mit dem 5. September 1932 erfuhr die Arbeiterschaft, das die Abwärtskurve der Lebenshaltung noch ständig in Bewegung ist. Neuer Lohnraub um 5-50 v. Hundert ist die augenblickliche neue Basis, um deren Kern sich alles dreht. Nach den politischen Wirrnissen und die offene Verächtlichmachung, des Parlamentarismus in der letzten Zeit, langen die augenblicklichen Machthaber, der sogenannte „Herrenklub“ in den bereich der Wirtschaft und versprechen der arbeitenden Schicht, die Beendigung der Wirtschaftskrise, durch ihr Expremental-Arbeitsbeschaffungsprogramm nach der schon hinlänglich bekannten Devise: „Für die Arbeiter die Arbeit und für die Besitzenden die Milliarden“ – Arbeitsdienstpflicht, eine Art Wiedereinführung des tarifrechtes bis zu einem bestimmten Grade, brachte ebenfalls die letzte Verordnung und erschütterte damit das Bollwerk der reformistischen Gewerkschaften.
Über die Auslegung der Worte des Reichskanzlers v. Papen der „Staat ist keine –Wohlfahrtseinrichtung– für die Arbeiter“ besteht nach der Neuregelung der Unterstützungssätze für die Arbeitslosen und Rentner ebenfalls kein Zweifel mehr, denn mit Wochen-Unterstützungen von 4-12 RM. Für verheiratete Arbeiter in Berlin, wovon nicht nur die Lebenshaltung sondern auch noch alle anderen Ausgaben, wie Miete, Licht und Heizung und andere zum Leben notwendige Kleinigkeiten, an hygienische Artikel gar nicht zu denken bestritten werden müssen. Die Wohlfahrtseinrichtung des Staates besteht eben nur noch für die „armen“ Großkapitalisten und das Krautjunkertum, welche dem Staat die Versprechung zur Wirtschaftsankurbelung geben und lediglich  für dieses versprechen erhalten sie für jeden Arbeiter welchen sie jetzt neu einstellen, eine Prämie von 400 RM. Und gleichzeitig damit das recht, den schon in der zeit des schärfsten Wirtschaftsdruck vereinbarten Tariflohn, noch um ein weiteres von 5-50 v. H. zu senken.
„Es lebe die freie Wirtschaft, – es lebe der moderne Sklavenhandel“. Unter solchen Erscheinungen, wie sie hier nur ganz kurz herausgegriffen sind, wird es unseren Kameraden in den einzelnen Ländern, soweit sie der I.S.B.F. angeschlossen sind verständlich erscheinen, das die Fortführung einer geschlossenen Landes-Föderation unmöglich geworden ist. Die ungeheure Notlage der Bauarbeiter-Organisationen ganz im besonderen, da sie nicht mehr in der Lage waren, ihre aus der Föderation hervor gehende Verbindlichkeiten nach zu kommen. Aus diesem Verhältnis entwickelten sich Trennungen von der Landesbewegung (FAUD) und mit dieser wiederum als doppelt leidtragender Teil die Landes-Föderation der Bauarbeiter, welche nun durch diese Ereignisse gezwungen wurde, eine offizielle Auflösung der Landes-Föderation vorzunehmen.  Dadurch besteht in Deutschland zur zeit nur die Verbindung einzelner Organisationen mit der I.S.B.F. Die versuche die vom Sekretariat unternommen wurden um diesen Überstand abzuhelfen, scheiterten an der starren Haltung der FAUD, wie der betreffenden Organisationen. Bedauerlich dabei ist das sich die Landesorganisation (FAUD) mit der Rolle einer rein propagandistischen Bewegung abfindet und vielfach die Ansicht vertreten wird, dass in jetziger Zeit die Fortführung der gewerkschaftlichen Arbeit eine unnütze Belastung der Bewegung darstellt. Zwar ein verhängnisvoller Irrtum dem aber zur Zeit nicht bei zu kommen ist.
Besonders war es von Seiten der I.A.A. der Kamerad Souchy, der eifrig bemüht war helfend einzugreifen und trotz der Strömungskämpfe, die ihren Ursprung in der wirtschaftlichen Misere, wie am Beginn des Artikels aufgezeigt, den Versuch unternahm in der schweren zeit für die Landesorganisation, die Einigung aller syndikalistischen Kräfte zu bewerkstelligen. Diese Arbeit wurde stets im engsten Einvernehmen mit dem Sekretariat der I.S.B.F. getätigt. Haben aber zur Zeit noch keinen greifbaren Erfolg zeitigen können.
Bei diesen Bemühungen zeigte sich, dass die Erweiterung des I.A.A.-Sekretariats, einer sich notwendig machenden Kollektivarbeit hinderlich in den Weg tritt. Wenn die dabei zur Schau getretenen Aktionsunfähigkeiten wie in Deutschland eine Norm für die Arbeit der I.A.A. werden sollte, bedauern wir als Sekretariat den Beschluß des letzten Madrider Plenums.
Aus den oben geschilderten Gründen, aber auch wegen des Ausbleibens der Länderberichte, nahm das Sekretariat Abstand von der Herausgabe des „Pressedienst“. Nachdem sich nun aber die Verhältnisse wieder etwas geklärt und zu einer Art Dauerzustand sich entwickeln, entschloß sich das Sekretariat, die Arbeit im Interesse der internationalen Sache wieder aufzunehmen und bringt entsprechend der Madrider Konferenz, wieder monatlich den „Pressedienst“ heraus. Dabei soll gleichzeitig darauf hingewiesen werden, dass eine geregelte Mitarbeit, zum Nutzen des „Pressedienstes“, der I.S.B.F. und zur Unterstützung des Sekretariats notwendig ist. Nur die laufenden Berichte aus den einzelnen Ländern, gewährleisten die Aktualität des „Pressedienstes“.
Markow.

Presse-Dienst des ISBF, Jahrgang II, Oktober 1932, Nummer 4/5 [3 hektografierte A 4 Seiten]

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