Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

Rechte Putschisten in Hamburg

Rechtsextreme Putschpläne
in Hamburg-Altona 1919-1923

Warum?
Wir wollen noch einmal auf die Ursachen und Wirkungen  der monarchistisch-faschistischen Kräfte in Hamburg-Altona zu Beginn der Weimarer Republik aufmerksam machen.
Dies ist umso angebrachter, als der pensionierte Möchtegern-Historiker Hans-Joachim Paschen bereits ein zweites Buch herausgegeben hat, in dem er die Fakten und Tatsachen über die Hamburger Zustände seit der so genannten Novemberrevolution 1918 geradezu vergewaltigt und sie einem bestimmten Publikum aus einer angeblich objektiven Sichtweise – rechtsextrem-faschistisch darstellt.
Als hätte es nur den Aufstand des Pöbels gegen die monarchistische Gottgewollte Ordnung des Kaisers gegeben und einzig und allein den kommunistischen Hamburger Aufstand vom Oktober 1923.
Wir dokumentieren hier einige Zeitungsartikel aus dem Hamburger Echo – dem Zentralorgan der Mehrheits-SPD – zu Beginn des Jahres 1923. Da dieses Kampfblatt der rechten Sozialdemokratie ganz bestimmt nicht verdächtigt werden kann, linksradikale oder kommununistische Aktivitäten zu decken (auch Paschen schreibt hier gerne ab und notiert „Fakten“ aus dem Echo), verwundert es schon, daß diese Tatsachen nirgends kaum in der heutigen Geschichtsschreibung wiederzufinden ist.
Der Historiker Paschen vergißt auch zu erwähnen, daß bereits im Holtzschen Kampfblatt Hamburger Warte 1919 in jeder Ausgabe Aufrufe für Freikorps und Bürgerwehren erschienen (siehe drei Beispiele). Im März berichtete die Kommunitische Arbeiterzeitung bereits über die Zusammenarbeit von Noskes Reichswehrministerium und dem Hamburger Freikorps Schleswig-Holstein.
Und am 17. Juli 1919 berichtet die KAZ – im Zusammenhang mit den Sülze-Unruhen – über Provokateure und Spitzel. Dort heißt es u.a.: „Die Zentrale der Hamburger Spitzel.“, daß Oberleutnant Killinger die Kommunistische Partei ausspionieren läßt. „Killinger unterhält in der Ferdinandstraße Nr. 59, 3. und 4. Etage ein wohlausgebautes Spitzelbüro, daß eine ganze Anzahl fester Angestellter beschäftigt, mit behördlichen und außerbehördlichen Stellen mehr oder weniger enge Beziehungen unterhält und in allen Stadtteilen einen behördlichen Vertrauensmann hat. Killinger hat sich den Namen Bolle zugelegt, und seine ‚Firma‘ nennt sich Bolle & Mankisch, Tel. Alster 3706.“ Es bestehen beste Kontakte zu einem Direktor Lippmann in der Klosterburg, die auch das Büro Killinger finanziert.
Kurz vor dem Einmarsch der Lettow-Vorbeck-Truppen in Hamburg setzte sich die Divison mit Killinger in Verbindung.
Paschen vergißt auch, das F.C. Holtz seiner reaktionären Linie bis zu seinem Tode 1939 treu ergeben blieb.
Auch könnte der Hamburger Aufstand der KPD in einem völlig neuen Lichte betrachtet werden – allerdings nicht wie es Paschen beschreit [siehe dazu die Rezension auf S. 46-47]. Vielmehr bedurfte es seitens der rechtsextremen Putschisten eines mißlungenen Linksputsches, um eine faschistische Dikatur einzuführen, so die aufgefundenen  Stretegiedokumente. Und wie es historisch so kam, erst scheiterte der parteikommunistische Hamburger Aufstand am 23. Oktober und nur 14 Tage später putschten Hitler und Ludendorff in München als Startschuß für ihren Marsch auf Berlin.
Außerdem zeigen die Berichte auf, welche Herrschaften seinerzeit bereits putschbereit waren – dieselben Leute standen dann 1933 wieder in der ersten Reihe und hielten diese fest geschlossen, bis zum „Endsieg“.
Dank an die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg – das FZH – bei der ich freundlicherweise das Hamburger Echo einsehen konnte.

fm

Ehemalige „Bahrenfelder“ 1934 auf dem Rathausmarkt angetreten zur Ehrung

Dokumentation:

Eine Geheimbündlergesellschaft festgenommen.
Wie wir erfahren, sind in der letzten Nacht in der Schokoladenfabrik Fehleisen & Rickel, in der Lagerstraße, 25 Personen festgenommen wegen des dringenden Verdachts, einem Geheimbund „Schwarz-weiß-rot“ anzugehören. Es handelt sich, wie wir weiter erfahren, durchweg (um) Angehörige der „besseren“ Gesellschaft. Ueber die Einzelheiten wird die polizeiliche Untersuchung wohl Aufschluß geben.
Hamburger Echo, Dienstag, 19.12.1922
Zu der Aushebung des Geheimbündlernestes.
in dem Fabrikkontor einer Schokoladenfabrik wird vom Polizeichef mitgeteilt:
Am 18. Dezember 1922, abends gegen 8 ½ Uhr, wurde in einem Fabrikkontor des Stadtteils Ottensen eine Versammlung von 25 Teilnehmern aufgelöst. Leiter der Versammlung war der Fabrikbesitzer Rickel, der als Mitinhaber einer Ottensener Schokoladenfabrik auch seine Kontorräume seit Monaten für diese geheimen Zusammenkünfte zur Verfügung gestellt hatte. Die Teilnehmer – fast durchweg ehemalige Offiziere, dem Berufe nach Kaufleute, Bankbeamte, Studenten, ein Lehrer, ein Oberzollsekretär – gehören zweifellos einer Verbindung an, deren Dasein, Verfassung und Zweck von der Staatsregierung geheim gehalten werden sollte. Da umfangreiches Belastungsmaterial, wie Schriftstücke über Geheimhaltung der Organisation und deren Ausrüstungsmaterial, wie ein Klappenschrank, zwölf Feldtelephone, Armeekabel, Füllelemente, Infanteriestiefel, Leuchtpistolen, Leuchtmunition, Signalhörner, Infanteriespaten und Seilpieken vorgefunden wurden, mußten sämtliche angetroffenen Personen vorläufig festgenommen, dem Polizeigefängnis zugeführt und nach Abschluß der polizeilichen Ermittlungen teils dem Gericht vorgeführt, teils wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Bei den in Hamburg wohnhaften Mitbeschuldigten wurden insgesamt 17 Gewehre, 2 Handgranaten und weitere Beweisstücke gefunden. Wegen Verheimlichung bezw. Weiterverschiebung von 150 weiteren Gewehren werden sich die Teilnehmer außerdem noch zu verantworten haben. Daß gesamte Material wird der Staatsanwaltschaft, voraussichtlich jedoch dem Herrn Oberreichsanwalt in Leipzig überwiesen werden, da bereits seit einem halben Jahre gegen Rickel und Genossen ein Strafverfahren wegen Geheimbündelei beim Staatsgerichtshof in Leipzig schwebt.
Hamburger Echo, Sonntag, 24. Dezember 1922
Eine verdorbene Weihnachtsfreude.
Ueber die Aufhebung eines Geheimbündlernestes in den Kontorräumen des Fabrikbesitzers Rickel (Stadtteil Ottensen) hat man durch die Veröffentlichung des Altonaer Polizeichefs näheres erfahren. Der durch die Angelegenheit kompromittierte Herr Rickel, der nun einmal das Geheimbündeln nicht lassen kann, obwohl beim Staatsgerichtshof in Leipzig wegen Geheimbündelei bereits ein Verfahren gegen ihn schwebt, fühlt den Drang, der Oeffentlichkeit gegenüber sich als Unschuldsengel zu präsentieren. Und Herr Rickel weiß, wohin man zu gehen hat, um bei Erfüllung eines solchen Wunsches entgegenkommend bedient zu werden. Er wendet sich also nicht etwa an ein deutschnationales oder völkisches, sondern selbstverständlich an das angeblich demokratische „Hamburger Fremdenblatt“, das Leuten seiner Art sich gern als gefällige Helferin erweist. Dieses willige und taugliche Instrument vollführte den reinigungsversuch u.a. wie folgt:
„Die Versammlung fand bei hell erleuchteten Fenstern statt und sollte z.B. zur Erledigung eines Ehrenhandels dienen. Das Verezeichnis der beschlagnahmten Ausrüstungsgegenstände, über das der betreffende Polizeibeamte quittiert hat, macht den Eindruck, als ob man hier im blinden Eifer zu weit gegangen ist. Es befinden sich darunter: Ein Infanteriespaten für den Garten Rickels, eine Seilpieke für seinen Haushalt, eine Browningpistole kleinsten Kalibers, 11 kleine Riemen, 2 Signalhörner und 4 Paar gestrickte Fingerhandschuhe – Weihnachtsgeschenke für Rickels Jungen -, eine Leuchtpistole, eine Zeltbahn, die zu einer Jacke umgearbeitet werden sollte und 6 Paar Infanteriestiefel zu 4500 M, die Rickel für Bedürftige unter seinen Freunden eingekauft hatte.“
Liebe deinen Nächsten – das war bei dem Unschulds- und Weihnachtsengel Herrn Rickel der Beweggrund für das Aufstapeln überhaupt all der neckischen Sächelchen. Als echter christlicher Wohltäter möchte Herr Rickel von seinem Liebeswerk selbst jetzt noch nicht, wo man es so schnöde mißdeutet, umfassend Kunde geben. Darum sei hier festgestellt, daß nicht nur die wenigen vom „Fremdenblatt“ aufgeführten, sondern die gesamten Gegenstände des bei Herrn Rickel gefundenen Lagers an Waffen und Ausrüstungsmaterial als sinnige Angebinde gedacht waren. Es sollten z.B. die Seilpieken in Tennisschläger für Herrn Rickels Nichten umgearbeitet, die Handgranaten seinen kleinen Neffen als Ersatzbälle unter den Weihnachtsbaum gelegt und die Leuchtmunition der Reaktion des „Hamburger Fremdenblattes“ mit der Widmung „Mehr Licht!“ übermittelt werden. Und da kommt nun die verständnislose Altonaer Kriminalpolizei und verdirbt Herrn Rickel seine ganze Onkelfreude. Nun ja, man muß schon sagen: Was seit der Revolution alles möglich ist, geht auf keine Rickelsche Zeltbahn mehr!
Hamburger Echo, Sonntag, 31.12.1922

Roßbach in Altona verhaftet und freigelassen.
Hamburg, den 19. Februar.
In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde in Altona eine geheime nationalsozialistische Versammlung im Kaiserhof, die unter der Maske der „Großdeutschen Freiheitspartei“ stattfand, aufgelöst und die Führer, darunter der bekannte Leutnant Roßbach, verhaftet. Die Versammelten waren zum Teil mit Hakenkreuzbinden, Gummiknüppeln und anderen Handwaffen versehen. Da es sich um eine in Preußen verbotene Veranstaltung handelte, wird das Strafverfahren gegen die verantwortlichen Personen eingeleitet. Leutnant Roßbach und vier weitere Verhaftete wurden, da eine Verdunkelungsgefahr und Fluchtverdacht nicht vorlag (?), wieder aus der Haft entlassen.
• Hamburger Echo, 19. Februar 1923 – Titelseite
Das gestörte Treffen
der Nationalsozialisten.
In der von uns bereits gestern gemeldeten Aufhebung der nationalsozialistischen Versamm-lung erfahren wir noch folgendes:
Die Versammlung tagte in der Nacht zum Sonntag und war von etwa 150 jungen Leuten besucht. Sämtliche Teilnehmer wurden festgenommen. Es handelt sich um eine Versammlung der in Preußen verbotenen Nationalsozialistischen bzw. Großdeutschen Arbeiterpartei. Den Vorsitz führte der nicht unbekannte Rittmeister a.D. Raben, gegen den bereits ein Verfahren wegen Geheimbündelei schwebt, der gemeinsam mit dem als Redner erschienenen Oberleutnant a.D. Roßbach und drei weiteren Rädelsführern ins Altonaer Polizeigefängnis eingeliefert wurde, was im Interesse der Sicherstellung des Belastungsmaterials erforderlich war. Die Ermittlungen wurden im Laufe des Sonntags fortgesetzt, worauf, da Fluchtverdacht nicht vorliegt, die fünf Festgenommenen in der Nacht zum Montag aus dem Polizeigefängnis entlassen wurden. Die meisten Versammlungsteilnehmer waren mit Totschlägern, Gummiknüppeln, einige sogar mit Schußwaffen versehen. Die bei sämtlichen Teilnehmern vorgenommene Leibesvisitation förderte umfangreiches Belastungsmaterial zutage. Der größte Teil war im Besitz der roten Armbinde der Nationalsozialisten, die im weißen Feld ein schwarzes Hakenkreuz zeigt. Nationalsozialistische und antisemitische Flug-blätter und Broschüren wurden gleichfalls beschlagnahmt. Ein amtlicher Polizeibericht ist in Aussicht gestellt, sobald die Vorermittlungen abgeschlossen sind.
Die Aushebung dieser geheimbündlerischen Gesellschaft beweist aufs neue, daß die Altonaer Polizei auf dem Posten ist und ein wachsames Auge auf die geheimbündlerischen Bestrebungen hat. Wenn allerorts mit der gleichen Energie durchgegriffen würde, dann stünde es um das Ansehen der Republik besser.
• Hamburger Echo, 20. Februar 1923
Roßbach und die Hitlergarde.
Zu der Aushebung der Hitler-Garde teilt der Polizeichef mit: Nachdem durch Verfügung des preußischen Innenministers vom 15. November 1922 die Nationalsozialistische Arbeiterpartei in Preußen verboten worden ist, haben sich in Preußen an verschiedenen Orten „Lesegesellschaften des deutsch-völkischen Beobachters“ oder Ortsgruppen der „Großdeutschen Arbeiterpartei“ gebildet. Durch Verfügung des Innenministers vom 23. Dezember 1922 und 15. Februar 1923 sind auch diese Verbände verboten worden. Die Polizeibehörden haben gegen die Teilnehmer solcher Versammlungen das Strafverfahren einzuleiten und solche Zusammenkünfte mit allen polizeilichen Machtmitteln zu verhindern.
In der Nacht vom vergangenen Sonnabend zum Sonntag wurde eine derartige verkappte Werbeversammlung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei durch den Altonaer Polizeichef, Senator Dr. Lamp’l, aufgehoben.
Als Deckmantel diente diesmal der Name der am 16. Dezember 1922 in Berlin gegründeten „Deutschvölkischen Freiheitspartei“ der ehemals deutschnationalen Reichstagsabgeordneten v. Graefe-Goldebee, Wulle und Major a.D. Henning. Warscheinlich handelt es sich bei der deutschvölkischen Freiheitspartei um eine bloße Fortsetzung der „Großdeutschen Arbeiterpartei“ in parla-mentarischer Aufmachung. Einberufer der Versammlung war Rittmeister a.D. Raben aus Altona. Raben ist eine in der deutschvölkischen Bewegung bekannte Persönlichkeit; er ist in das Strafverfahren beim Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik in Sachen »Die rächende Hand« verwickelt. Der als Referent erschienene bekannte Oberleutnant a.D. Roßbach, der sich auf einer Propagandareise befindet, und Raben wurden in das Polizeigefängnis Altona eingeliefert; mit ihnen drei weitere Rädelsführer: Hauptmann a.D. Fleck-Schmedemann, Gravenhorst und Voigt. Am 18. Februar abends wurden die sechs Genannten, nachdem die Vorermittlungen abgeschlossen waren und da Fluchtverdacht nicht vorlag, aus dem Polizeigefängnis zunächst entlassen.
Die Durchsuchung von mehr als 100 Versammlungsteilnehmern zeitigte folgendes Ergebnis: Die überwiegende Mehrzahl der Versammlungsbesucher war mit fabrikmäßig hergestellten „Hakenkreuz-Armbinden“ der nationalsozialistischen Arbeiterpartei (rote Binde mit schwarzem Hakenkreuz auf weißem Feld), außerdem mit antisemitischen Klebezetteln ausgerüstet. Ein Teil war mit Aufnahmescheinen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei beziehungsweise der Großdeutschen Arbeiter-partei ausgestattet. Bei einzelnen fand man Schuldscheine der nationalsozialistischen Partei, Mitgliedskarten der Nationalsozialistischen Partei (Unterschrift: Hitler). Vereinsabzeichen der Nationalsozialistischen Partei, Hakenkreuze in großer Zahl, antisemitische Flugblätter und Broschüren; eine Anzahl trug neben dem Hakenkreuz das frühere Dienstschild des ehemaligen Heimatschutzes Groß-Hamburg, das seinerzeit die Eigenschaft als Hilfspolizeibeamter legitimierte. Eines der zahlreichen beschlagnahmten Flugblätter, ein Aufruf der Großdeutschen Arbeiterpartei, fordert wörtlich sogar: „Die Reichsregierung stellt die Herren Noske und Severing vor ein hochnotpeinliches Volksgericht wegen Landesverrats. Beide Genossen sind, da sie ein Hindernis für die nationale Einheitsfront bilden, unverzüglich von ihren Posten zu entheben.“ Die schriftlichen Einladungen waren am Kopf mit dem fingierten Namen „Vergnügungsverein Holsatia“ versehen. Ein Teil der Versammelten war nur mündlich eingeladen worden. Die meisten der Versammelten, die im Alter von 19 bis 25 Jahren standen, waren bewaffnet, und zwar mit Totschlägern, Stahlruten, Schlagringen, Gummiknüppeln, Stich- und einzelne sogar mit Schußwaffen.
Eine Gepäckuntersuchung im Hotel „Kronprinz“ in Hamburg, dem Absteigequartier Roßbachs, lieferte weiteres Material zutage. Die Vernehmungen bestätigen den verdacht, daß es sich hier um eine erst kürzlich ins Leben gerufene Organisation handelt, die in fest geschlossene Hundertschaften gegliedert ist und deren Leute mit Schlag-, Stich- und Schußwaffen ausgerüstet sind.
Gegen die Versammlungsteilnehmer, ins-besondere Einberufer und Vorsitzenden der Versammlung, ist das Strafverfahren auf Grund des Gesetzes zum Schutz der Republik eingeleitet worden.
„Volkszeitung“: Pöbeleien
Die „Volkszeitung“ weiß auf die Nachricht von der Auflösung der Roßbach-Versammlung nicht anders als mit wüsten und noch dazu sehr unsinnigen Pöbeleien gegen den – Genossen Lamp’l zu antworten. Der ganz aus dem Häuschen geratene Volkszeitungsredakteur faselt etwas von einer nationalen Einheitsfront, mit der Lamp’l „siegreich Frankreich schlagen“ wollte, höhnt weiter über „den Mut“ und „Herrn Lamp’l neuestes Heldenstückchen“, um sich dann zu folgendem Ausbruch eines Irren zu ersteigen:„Lamp’l demonstriert die nationale Einheitsfront. In einer Linie mit Roßbach und Konsorten will er Frankreich schlagen. Roßbach kann sich versammeln, um seinen Hochverrat gegen die republikanische Regierung vorzubereiten. Roßbach kann sich versammeln, um die Mordpläne gegen Arbeiter zu schmieden, für einen Sozialdemokraten liegt kein Grund vor, wenn er solch einen Burschen faßt, ihn in sicherem Gewahrsam zu halten. Lamp’l macht sich mitschuldig des Arbeitermordes, wenn er die Nationalsozialisten frei herumlaufen läßt, obgleich er sie im Schach halten konnte.“
In der Redaktionsstube der „Volkszeitung“ muß es trotz der harten Winterkälte sehr warm sein, sonst hätte ein solches Produkt nicht ausgebrütet werden können. Sachlich wird in 80 Zeilen nur zum Ausdruck gebracht, daß Lamp’l die Festgenommenen unverständlicherweise wieder entlassen habe, der übrige Inhalt besteht aus blödem Geschimpfe. Wir stellen fest, daß der Polizeichef nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften nicht anders konnte, als die Festgenommenen nach 24 Stunden wieder zu entlassen. Die weitere Inhaftierung wäre nur auf Grund eines vom Untersuchungsrichter erlassenen Haftbefehls möglich gewesen. Genosse Lamp’l hat also ganz korrekt gehandelt. Er hat, wie auch aus dem oben veröffentlichten Bericht hervorgeht, seine Pflicht als republikanischer Beamter getan und hat sich in keiner Weise gegen seine sozialistische Überzeugung versündigt.
Hamburger Echo, Nr. 51 vom 21. Februar 1923
Näheres über den geplanten Putsch.
Der Vorwärts berichtete am Dienstag:
„Die uns jetzt zugehenden Einzelheiten über die in Hamburg vorgenommenen Verhaftungen werfen ein bezeichnendes Licht auf die Absichten der Deutschvölkischen und zeigen, wie groß die Gefahr ist, in der unser Land dank der Herren Wulle, v. Graefe, Henninng und ihrem Anhang dauernd schwebt.
In der Untersuchung gegen Roßbach und Genossen war auch ein gewisser Hauptmann a.D. Fleck ziemlich stark belastet, ohne daß es anfänglich gelang, ihn zu fassen, da er sich wie alle diese Helden hinter der Reichswehr und seinen „reinen vaterländischen Zielen“ versteckte. Die Hamburger und Altonaer Kriminalpolizei ging aber nach geschickter Vorbereitung mit einer stärkeren Anzahl von Kräften zu gleicher Zeit an die Arbeit und das zutage geförderte Resultat war überwältigend. Man entdeckte hier eine erstaunliche Menge von Plänen, Karten, einen überaus belastenden Schriftwechsel über eine von langer Hand vorbereitete, sich über Pommern, Mecklenburg und Schleswig-Holstein erstreckende Verschwörung gegen die Republik, der eine große Anzahl von Waffenlagern dienen sollte, an der sich auch dieses Mal offenbar wieder Offiziere der Reichswehr (!), mindestens als Mitwisser und Beschützer, beteiligt zu haben scheinen. Nach den beschlagnahmten Notizen bestehen umfangreiche Waffenlager in den verschiedensten Städten Nordwestdeutschlands, nach denen zum Teil noch gesucht wird, während erhebliche Waffenmengen jetzt schon beschlagnahmt sind. Bezeichnenderweise reden sich die Verhafteten damit heraus, daß diese Läger angeblich für die Reichswehr bestimmt seien, während in Wirklichkeit in den geheimen Depots Waffen so zusammengestellt sind, wie sie zur Armierung der geheimen örtlichen Verbände nötig sind. Hierbei kommen besonders  in Betracht der seinerzeit im Rathenau-Prozeß erwähnte „Niedersächsische Bund“ und der „Heimatbund für Norddeutschland“, beides Zweigstellen der alten biederen Orgesch, die nach wie vor lebt und gedeiht. Die Leitung der verbände lag in den Händen des Herrn Sieveking und dessen Adjutanten Wosich. Militärischeer Führer war der General a. D. Hellfritz und neben ihm Oberleutnant a. D. Hassenstein.
Das Merkwürdigste ist die Finanzierung dieser mit großem Eifer betriebenen Verschwörung. Nach dem aufgestellten Etat müssen Millionen und aber Millionen, die aus den  Kreisen des Hamburger Großkapitals stammen sollen, dauernd dafür ausgeworfen werden. Dieser ganze Krieg im Dunkeln, den eine kleine machthungrige Clique zu führen sucht, die in ihre reaktionäre Ideenwelt verrannt ist, wird nur möglich, weil es verbrecherische Kreise gibt, die solche Desperados unterhalten. Es kommt vor allen Dingen darauf an, endlich einmal diese Kreise zu fassen, damit sie sich vor einem ordentlichen Gericht zu verantworten haben. Denn nicht vor der Entente verbirgt man die Waffen, nicht gegen einen äußeren Feind sollen sie bereitgehalten werden – nein, es gilt der Republik. Ihr will man den Garaus machen. Das in Hamburg und Altona beschlagnahmte Material läßt keinen Zweifel an der Tatsache einer großen, in ihren Zielen weitgesteckten Aktion, die sehr bald in Szene gehen sollte. Das enorme Anklagematerial muß in die Hände von Richtern kommen, die republikanisch gesinnt sind.“
*
Die Zentrale der republikfeindlichen Organisationen bildet in Hamburg der „Bund der Niederdeutschen“ – Leiter ist H. C. Vering, der sich selbst am 8. Dezember 1922 als von „Escherich beauftragten Organisator der nationalen Bewegung im Norden“ betrachtet. Der erste Geschäftsführer dieses Bundes, Oberst von Rotz, beschwert sich am 6. Juli 1922, daß ein Mitglied des Landbundes die Lüge öffentlich verbreitet hat, „der Niedersächsische Bund habe sich vollständig hinter die Regierung Ebert gestellt“ (!). Herr Vering eignet sich offenbar besonders dazu, Geldquellen zu öffnen. Er macht nicht allein die Hamburger Großbanken mobil, für das Konto „Siedlungsbund“ zu zeichnen; er lockt auch Deutsch-Chilenen und andern Auslandsdeutschen Edelvaluta aus der Tasche. Mit deutscher Papiermark rechnen die Patrioten nicht mehr; so verpflichteten sich die Hamburger Großbanken zu Anfang des Jahres, jede einen Kopfanteil von 222 Dollar zu zeichnen. Der General v. Morgen will in Lübeck 1000 Dollar zusammenbringen, aber unter der Bedingung, daß „er allein das Verfügungsrecht über das Geld behalte“. Geschäftstüchtig sind die nationalen Herren überhaupt; so bezieht der General v. Ledebur außer seiner Pension noch ein Gehalt als „Gauleiter“; da er außerdem noch in der Veringschen „Alstertalterraingesellschaft“ angestellt ist, bekommt er seine bewährte Arbeitskraft also dreifach bezahlt.
Vering versteht sich als Verwalter der Geldquellen, die andern Rechtsverbände all-mählich vor seinen Wagen zu spannen. So finanziert er den Norddeutschen Heimatbund, Leiter die Majore Sieveking und Ennecerus, und die „Organisation C“, Leiter Kapitanleutnant Wende. Der Norddeutsche Heimatbund ist die Fortsetzung der Bahrenfelder Zeitfreiwilligen, die unter Leitung des Helden Sieveking beim Kapp-Putsch  das Hamburger Rathaus für drei Stunden eroberten. „Organisation C“ ist die Organisation der Rathenau-Mörder. Die ganze Gesellschaft hätte wahrscheinlich schon lange losgeschlagen, wenn sie untereinander ganz einig gewesen wäre.  Früher bestanden zwei Richtungen: Escherich, zu der Vering hinneigt, und die militärisch durch die Generale Graf Schulenburg und Helfritz vertreten wird, und Ludendorff, für den im Norden General Freiherr v. Watter, Sieveking und Enneccerus arbeiten. General Helfritz schreibt von Ludendorff und Watrer, daß „sie rechtsputschistische Absichten verfolgen“. Enneccerus fordert in einer Sitzung in Kiel am 5. Oktober unverhüllt zum „Rechtsinittativputsch“ auf. Am 2. November findet dann im Landwehrkasino in Hamburg eine gemeinsame Sitzung beider Richtungen statt, in der die radikale Richtung Watter einen völligen Sieg erringt.
Ein Teilnehmer schildert das Ergebnis: „Wichtiger Sieg Watters, denn er ist nunmehr anerkannt und wird damit in seiner Weise hausieren gehen. Zwei große grundlegende gGegensätze innerer Art: hier Schulenburg, der sich mit Recht darüber klar ist, daß ohne Vor- und Zusammenarbeit mit Reichswehr innerer Feind mit einiger Aussicht auf Erfolg nicht bekämpft werden kann, der klar sagt, nicht für Regierung, sondern für „Vaterland“. Dort Watter-Ludendorff. Ausgesprochene Putschisten!  Sympathisch, da initiativ und regsam. Erfolg der Zusammenkunft vielleicht für Hamburg vorhanden. Das zu erstrebende Ziel: ein anerkannter Führer aller nationalen Organisationen setzt sich mit Heeres- und Marineleitung an einen Tisch und trifft Vorbereitungen für gemeinsames Operieren.
Die hinter jeder einzelnen Rechtsorganisation stehenden, mehr oder weniger ehrgeizigen Politici, von denen jeder natürlich Recht hat und jeder mindestens Staatssekretär oder Minister werden will nach Sturz der Regierung, bedingen eine starke, einheitliche politische Führung durch eine von allen anerkannte Persönlichkeit, die schon jetzt vorbereitend tätig sein muß, und die nach Sturz der Regierung nach erfolgreicher Abwehr eines Linksputsches allein und rücksichtslos die politischen Zügel führt. Auf welchem Wege und mit welchen Mitteln diese Ziele zu erreichen sind, ist die große, sehr brennende und äußerst dringliche Frage. Der Gedanke ist verlockend und hat viel für sich, daß durch baldiges initiatives Losschlagen und Mitreißen aller die richtigen Persönlichkeiten an die Führung kommen.“
Daß an dieser Verschwörung auch aktive Reichswehroffiziere teilgenommen haben, versteht sich am Rande.
Nach dem Ruhreinfall der Franzosen erfährt die Arbeit eine ungeheure Belebung. Jetzt ist die Stimmung vorhanden, die bisher Abseitsstehenden zu entflammen und die Geldbeutel zu öffnen. Man stellt neue Kräfte an, beginnt, die vorhandenen Waffen zu registrieren; man möbelt die Geister auf, indem man ihnen vorerzählt, daß nach Überwindung des inneren Feindes man auch in der Lagesein würde, sich gegen den äußeren zu wehren!
Es ist anzunehmen, daß den „Hamburger Nachrichten“ zunächst einmal die provozierenden Redensarten vergehen. Wenn nicht, werden wir fortfahren, die Umtriebe ihrer Gesinnungsgenossen rücksichtslos aufzudecken.
Hamburger Echo, 16. Mai 1923

Die völkische Feme.
Die Statuten der Organisation C (Consul) besagen u.a.: Verräter verfallen der Feme! Mehr als ein rätselhafter Tod in den Reihen der nationalistischen Hakenkreuzler scheint bisher schon den Beweis zu liefern, daß diese Statutsbestimmung kein leeres Wort ist. Denn wer beseitigt ist, kann kein Geheimnis dieser geheimnisreichen Kreise mehr verraten. Eine vielsagende Zusammenstellung von Anzeichen einer Feme in der Wismarer Gegend bringt unser Schweriner Parteiblatt. Ein Seminarist Bauer aus Neukloster war in den Rathenau-Mord verwickelt, begab sich deshalb von Mecklenburg nach München und wurde dort kurz darauf ermordet. Als die Orgesch in Mecklenburg in Blüte stand, tauchte ein früherer Leutnant Engelbrecht in Wismar auf, der sich als Fliegeroffizier ausgab und selbst den „Pour le merite“ trug. Selbstverständlich  spielte er eine große Rolle in dem Verschwörerkreis der Orgesch. Aber schließlich stellte sich heraus, daß seine Siege im Luftkampf und sein Orden gleichermaßen Schwindel waren. Doch er mußte schon allzu tief Einblick in die Umtriebe der Rechtsradikalen gewonnen haben: Kurz darauf „verunglückte“ er tödlich in der Ostsee. Als der Bund der Niederdeutschen die Orgesch ablöste und nächtliche Staffetten zur raschen Verbindung seiner Mitglieder eingerichtet hatte, wurde bei einem besonders rührigen Bündler, einem gewissen Otto in Wismar, eine Haussuchung vorgenommen. Daraufhin ist auch er jetzt kürzlich in der Ostsee „verunglückt“. Alle drei werden also schweigen und niemand mehr etwas ausplaudern von dem, was sie gesehen, erfahren oder gehört haben. Will es so die Feme?
Hamburger Echo, 19. Mai 1923

Die nationalistische Verschwörung gegen Hamburg.

Hamburger Bürgerschaft.
32. Sitzung.
Mittwoch, 27. Juni 1923, abends 6 Uhr.
(…)
Es wird in die Tagesordnung eingetreten.
Die Verbindung der
Reichswehrstellen mit nationalistischen Organisationen.
Die Anfrage von Ehrenteit (SD) lautet: Die Polizeibehörde hat vor einiger Zeit Material über Verbindungen von Organen der Reichswehr mit sogenannten vaterländischen Verbindungen beschlagnahmt, aus dem sich ergibt, daß diese Verbände verfassungsfeindlicher Bestrebungen verdächtig sind. Ist der Senat dieserhalb mit den maßgebenden Reichsregierungsstellen in Verbindung getreten? Wenn ja, welche Auskunft ist ihm von dort gegeben? Insbesondere: ist dem Senat dabei bekannt geworden, ob die Reichsregierung die Tätigkeit dieser Reichswehrorgane und ihre Verbindung mit den verfassungsfeindlichen sogenannten vaterländischen Verbänden deckt?
Senatsvertreter Staatsrat Dr. Krönig: Daß der Hamburger und der Altonaer Polizeibehörde vor einiger Zeit bekanntgewordene Material, aus dem sich der dringende Verdacht republikfeindlicher Bestrebungen abseiten sogenannter vaterländischer Verbände ergab, die zur Entfesselung des Bürgerkrieges hätten führen müssen, ist sofort dem Oberreichsanwalt übermittelt worden. Über den Ausgang des schwebenden Verfahrens kann eine Mitteilung noch nicht gemacht werden. Der Senat hat, sobald er von diesen die Republik gefährdenden Vorgängen Kenntnis erhalten hat, sich mit einer energischen Vorstellung an die Reichsregierung gewandt, da er es nicht dulden konnte, daß, wie aus dem aufgefundenen Material hervorging, von hiesigen Vertretern der Reichswehr eine Verbindung mit den genannten Verbänden unterhalten wurde. Bei einer auf Anregung des Senats in Anwesenheit des Reichskanzlers stattgehabten Besprechung mit dem Reichswehrminister hat sich dieser durchaus auf den Standpunkt gestellt, daß die Reichswehr ihre Aufgaben nur mit den verfassungsmäßig dazu berufenen Behörden lösen darf und jede Verbindung mit solchen Organisationen unzulässig ist. Allen vom Senat gestellten Anforderungen ist die Reichsregierung in vollem Umfange gerecht geworden.
Auf sozialdemokratischen Antrag wird Besprechung beschlossen.
Ehrenteit (SD.): Wir stellen fest, daß es der Polizeibehörde gelungen ist, einen gut durchdachten und gut vorbereiteten Plan zur Niederwerfung der Republik aufzudecken und die feingesponnenen Fäden zu zerreißen. Anläßlich der Ereignisse in Mecklenburg, Magdeburg, Münster und andernorts gewinnt das aufgefundene Material an Bedeutung. Wenn alle Staatsbehörden im gleichen Sinne wie die hiesige Polizei und in Preußen Minister Severing wirken würden, würden alle Versuche „vaterländischer“ Verbände scheitern. Aus diesen Anlässen verlangen wir, daß der Senat einen Beamtenapparat schafft, der zuverlässig die Bestrebungen gegen die Republik abwehrt und nicht nur passiv diesen Dingen gegenübersteht. Wir lassen uns von unserer Forderung nicht durch den Hinweis abspeisen, daß die Beamten auf dem Boden des Staates stehen, der sie besoldet. Der neue Staat hat allen Beamten die völlige Gleichberechtigung als Staatsbürger gebracht. Wir verlangen nicht, daß ein Beamter der Stellung wegen seine Gesinnung verkauft, wir verlangen aber, daß Polizeibeamte der neuen Staatsform keine Fallstricke legen und den Daseinskampf der Republik durchkreuzen. Die außergewöhnliche innen- und außenpolitische Lage erfordert außergewöhnliche Maßnahmen gegen jene Umtriebe.
Kein Beamter darf geduldet werden, der den Existenzkampf der Republik durchkreuzt.
Die Beamten und Staatsangestellten, die da wissen müssen, daß jene Bestrebungen zum Bürgerkrieg, zur Zerrüttung der Wirtschaft, zu neuen Ansprüchen der Siegerstaaten und zur Zerstörung der Reichseinheit führen, die Beamten, die da wissen, daß gerade heute jeder Stoß gegen die Republik neue schwere Not für Deutschland bringen würde, und die dennoch es nicht für nötig erachten, gegen jene dunklen Pläne vorzugehen, sie womöglich unterstützen, haben das Recht verwirkt, weiterhin als Organe der Republik tätig sein zu können. Es gibt etwas, das über den wohlerworbenen Rechten der Beamten steht, das ist der Mehrheitswille des deutschen Volkes. Man wird vielleicht wieder behaupten, daß unsere Enthüllung eine Erschütterung der Einheitsfront waren, und uns des Landes- und Hochverrats bezichtigen; aber nicht wir schädigen das Ansehen des Staates und erschweren den Abwehrkampf, wenn wir auf die Umtriebe der Reaktion hinweisen, sondern sie, die trotz allem heuchlerischen Gerede solche Bestrebungen dulden. Daß solche Bestrebungen überhaupt Boden finden, ist auf das Vorgehen des französischen Imperialismus und die politische Unreife weiter Kreise des deutschen Bürgertums zurückzuführen. Die Art, wie Führer der Kommunisten Politik und Agitation in Deutschland betreiben, hat bewirkt, daß der Reaktion immer neue Scharen in die Arme geführt worden sind. Die Parolen der Kommunisten, die Putschversuche, die politischen Streiks, die sogenannten Kontrollausschüsse, die Drohungen mit den proletarischen Hundertschaften haben einen großen teil des Bürgertums und leider auch der Arbeiter und Angestellten in die Arme der Reaktion getrieben.
Nun zu dem Material selbst, daß sich in unseren Händen befindet. Im Jahre 1919 wurde auf Veranlassung des Stabes des Reichswehrkommandos Schwerin
in Hamburg eine militärische Nachrichtenstelle
errichtet, die noch heute besteht. Von dieser Stelle haben weder die Regierung Wirth, die preußische Regierung, noch der Senat Kenntnis gehabt. (Hört, hört!) Von dieser Stelle muß aber ein Abgeordneter dieses Hauses gewußt haben. (Zuruf Jacobsen: Das ist nicht wahr. Große Heiterkeit. Zurufe: Er meldet sich.) Der erste Leiter dieser Stelle war, wie Herr Jacobsen gewußt hat, der Kapitänleutnant Killinger, der nach dem Kapp-Putsch nach Amerika entwich und (Zuruf: Deutscher Mut!) sich heute in Bayern aufhält. Diese Nachrichtenstelle befaßte sich und befaßt sich noch heute mit der Überwachung von Versammlungen und Personen der links von den Deutschnationalen stehenden Parteien. Zur Aufgabe dieser Nachrichtenstelle gehört es, über die internen Vorgänge in den Parteien, über die Parteiführer und ihre Gewohnheiten zu unterrichten. Zu diesem Zwecke unterhielt die Nachrichtenstelle in letzter Zeit
20 besoldete Agenten,
denen die Aufgabe wurde, die Mitgliedschaft in den einzelnen Parteien zu erwerben und möglichst in die vertraulichen Zusammenkünfte zu kommen und dem Reichswehrkommando Schwerin darüber zu berichten. Dem militärischen Nachrichtendienst ist ein besonderer „Erkennungsdienst“ angegliedert, der die Aufgabe hat, die „Haupthetzer“ zu überwachen und solche Leute beizubringen, die zu gegebener Zeit als Zeugen gegen die „Haupthetzer“ auftreten würden. Weiter sollten Tatsachen und Aussprüche gesammelt werden, die als Unterlagen für spätere Inhaftierung dienen könnten. Eine Besprechung über die Organisation des Nachrichtendienstes für Nordwestdeutschland ergab, den preußischen Staatskommissar für öffentliche Ordnung auszuschalten. Diese Maßnahme wurde später von dem hiesigen
Verbindungsoffizier, Oberleutnant v. Breberlow in Altona,
als falsch bezeichnet, da durch die plötzliche Ausschaltung der Staatskommissar argwöhnisch werden würde und dadurch das Ziel, die Errichtung der Monarchie gefährdet sei. Die Nachrichtenstelle bespitzelte aber nicht nur die ausgesprochenen Linksparteien, sondern auch die aus Zweckmäßigkeitsgründen auf dem Boden der Verfassung stehenden Parteien. In Stettin werden gleiche Bestrebungen wie in Schwerin in Szene gesetzt. Dabei scheinen sich die beiden Kommandos gegenseitig nicht zu trauen, denn von Stettin aus wurde in Hamburg von einem Herrn Niemann in der Papenhuderstraße eine besondere Zentrale eingerichtet. Einer der von dieser Zentrale entsandte Spitzel ist der heutige Werkmeister Kreuzfeld aus Altona, beschäftigt bei Menck & Hambrock. Dieser Mann propagiert mit ausdrücklicher Genehmigung und mit finanzieller Unterstützung des Reichswehrkommandos Stettin anfangs bei der Sozialdemokratie die Idee der proletarischen Hundertschaften. Er fand aber keine Gegenliebe und machte sich nun an linksradikale Kreise heran und berichtet, daß es ihm gelungen sei, bei radikalen Betriebsräten Anklang gefunden zu haben. (Zuruf von links.) In Altona  wurde er von dem Schneider Theodor Krusemark, der in Erwerbslosenkreisen wirkt, unterstützt.
Finanziert wurde die Hamburger Nachrichtenstelle des Stettiner Kommandos von führenden hiesigen wirtschaftlichen Kreisen,
zu denen der frühere Direktor der Woermann-Linie Müller und der im Arbeitgeberverband tätige, aus dem Kapp-Putsch bekannte Oberst Völckers gehören. Eine Denkschrift vom 25. März enthält eine genaue Darstellung der örtlichen Verhältnisse. Sie enthält u.a. Angaben über die Besetzung der leitenden Stellen der Polizeibehörden Hamburgs und Altonas. Bemerkenswert ist, daß der Leiter der hamburgischen Ordnungspolizei, Oberst Fromm, als zuverlässig gelten könne. Alle Fäden laufen bei dem früheren Leiter der Einwohnerwehr Vering [3] zusammen. Für den Fall einer Erhebung war eine

militärische Besetzung Hamburgs
vorgesehen. In der Denkschrift wird dann zum Ausdruck gebracht, daß, um einen Widerstand zu brechen, die Vororte mit starker Arbeiterbevölkerung, wie Barmbeck, Hammerbrook, überhaupt die nördlichen Stadtteile,
vor dem Einmarsch der Truppen mit Artilleriefeuer zu belegen
sind. (Lebhaftes Hört, hört!) Aus der Denkschrift ergibt sich weiter, daß der Führer der Technischen Nothilfe, Ingenieur Meyer, mit der Nachrichtenstelle nicht nur in Verbindung steht, sondern auch als zuverlässig bezeichnet wird. Seit Mai 1923 ist der
Generalmajor a. D. Hellfritz
bei der Nachrichtenstelle als Führer tätig, und ihm ist mit Unterstützung des Schweriner Reichswehrkommandos hier eine Wohnung verschafft worden. Im Mai hat dieser Mann einen umfangreichen Schlachtenplan gegen den „inneren Feind“, das sind die Pazifisten und Sozialisten, aufgestellt. Mit dem Bund der Niederdeutschen, den Deutschnationalen Wandervögeln, dem Deutschnationalen Turnverein und dem Bismarckbund stand man in enger Verbindung. Eine besondere Frage war die Beseitigung der Führer des „roten Widerstandes“. Es wird empfohlen, daß
nur die brutalste Gewalt schnell zum Ziele führen könne.
Mit „Aufrührern“ werde nicht verhandelt. Sollte aber irgendeiner der untergeordneten Beteiligten festgenommen werden, so war ihm für diesen Fall unbedingte Schweigepflicht auferlegt. Dem Umsturz sollte ein kurzer Linksputsch vorangehen, weshalb die Wühlarbeit sich besonders den Kommunisten zuwandte. Unter dem Material befindet sich weiter eine fertige Verordnung für die Regelung der Regierungsgewalt nach erfolgtem Umsturz. Diese Verordnung bestimmt die Aufhebung der bisherigen landesstaatlichen Gewalt und Übertragung der gewalt an einen bestimmten Teil der Reichswehr. Diese Verordnung stellt einen vollendeten Verfassungsbruch dar, der den Staatsanwalt interessieren dürfte. Geradezu unerhört ist, daß auch
trotz der Vorstellung des Senats bei der Reichsregierung die militärischen Nachrichtenstellen ruhig weiter arbeiten.
In keinem Augenblick schwebte die deutsche Republik in größerer Gefahr, wie augenblicklich. Es erscheint uns deshalb unerläßlich, daß die Reichswehr von den monarchistischen Elementen befreit wird. Daß ein Teil der Reichswehr sich überhaupt zu einem Instrument gegen die Republik entwickelt, liegt an der Verhetzung durch monarchistische Generale und an der Beschimpfung durch die Kommunisten, die dadurch ein Schuldkonto ohne gleichen auf sich geladen haben. (Zurufe von links: Noske! Hense!) Alle Träger der Verfassung sollten dahin streben, die Reichswehr vor Verhetzung und Beschimpfung zu schützen. Es darf in Zukunft nicht mehr geduldet werden, daß obere Beamte der Polizeibehörde putschistischen Organisationen, zu denen der Nationalverband deutscher Offiziere, der deutschnationale Wanderbund, der Bund der Niedersachsen und andere zu zählen sind, angehören. Der Senat muß dafür eintreten, daß der Reinigungsprozeß sofort vorgenommen wird. Wir sind der Ansicht, daß die in Aussicht gestellten Maßnahmen nach dem Erzberger- und Rathenau-Mord wirklich zur Durchführung kommen, um dem deutschvölkischen Gesindel das Handwerk zu legen. Der Grundsatz: Auge um Auge, Zahn um Zahn, hat für uns seine Geltung. Wir verlangen, daß gegen die Leute, die durch das vorgefundene Material belastet sind, das Gesetz zum Schutz der Republik unnachsichtlich angewandt wird. Die politischen und wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft erklären, daß sie einem antirepublikanischen Staate und einer antidemokratischen Wirtschaft völlig desinteressiert gegenüberstehen. Sie lassen keinen Zweifel darüber, daß
bei dem Versuch der Wiedererrichtung der Monarchie die deutsche Einheit aufs schwerste erschüttert ist.
Sollte der Versuch zum gewaltsamen Umsturz fortgesetzt werden, nehmen wir auch weiterhin Anlaß, vor der ganzen Öffentlichkeit  die Treiber als das zu kennzeichnen, was sie sind: Reichs- und Volksverräter! (Lebhaftes Bravo! Links und aus der Mitte.)
Franke (Kommunist): Es ist ein Symptom, daß Herr Ehrenteit hier in der Bürgerschaft eine solche Rede halten muß. Seit langer Zeit haben wir auf die heute dargelegten gefahren hingewiesen und wurden verlacht. Noske hat 1918/19 die Faszisten-Verbände gezüchtet. Das Versagen der Sozialdemokratie in Wirtschaftsfragen hat das Entstehen dieser Gefahr erst möglich gemacht. Noske hat 1918/19 die Faszisten-Verbände gezüchtet. Das Versagen der Sozialdemokratie in Wirtschaftsfragen hat das Entstehen dieser Gefahr erst möglich gemacht. Immer wieder werden die ausbrechenden Streiks als wilde bezeichnet  und damit die Unternehmer ermutigt, diese Streiks niederzuschlagen. Wir haben es nicht nötig, illegale militärische Organisationen zu schaffen, sondern bauen unsere Abwehrmaßnahmen in aller Öffentlichkeit auf. Die Hamburger Polizei unterhält auch Spitzel, wie die Affäre Ahlers, Piepkorn beweist. Unser Antrag auf Untersagung dieses Treibens wurde abgelehnt. Der Senat, in dem Sozialdemokraten sitzen, hat nichts getan, um die Verüber des Anschlags auf die „Volkszeitung“ und auf Thälmann der Bestrafung zuzuführen. Der Mörder des Arbeiters Rathmann, der Hauptmann v. Fabrice, befindet sich noch im Dienst. Die Verbindung der Reichswehr mit den nationalistischen Organisationen ist seit Monaten durch die „Rote Fahne“ aufgedeckt. Jetzt erkennen auch die Sozialdemokraten die Gefahr. Aber was wollen sie tun? Es gibt nur eine Möglichkeit, die Faszisten zu bekämpfen: Zusammenfassung der gesamten Arbeiterschaft zu proletarischen Hundertschaften. Der erste Schritt kann durch die Betriebsräte erfolgen, die auch den Arbeitersenat vorbereiten müssen. (Zuruf: In den Ihr nicht eintretet!) Wir haben noch nie erklärt, daß wir aus Prinzip nicht in den Senat eintreten wollen. Wir sind,  wie in Sachsen, bereit, mit den linksgerichteten Sozialdemokraten eine Regierung gegen die Leuteritze, gegen die rechtsgerichteten Führer der Sozialdemokratie zu errichten. (Lebhafte Zurufe.)
(…)
Es tritt Schluß der Beratung ein.
Zu einer persönlichen Bemerkung erhält das Wort Ehrenteit (SD.): Ich möchte gegenüber Herrn Rose [Deutsche Volkspartei; Anm.] nur betonen, daß ich mein Material weder von hamburgischen noch preußischen Regierungsstellen habe. Ich habe das Material auch den zuständigen Reichsstellen zugeführt. Wenn ich im Einverständnis mit meiner Fraktion hier dennoch die Dinge zur Sprache gebracht habe, so deshalb, weil diese Nachrichtenstelle in Altona noch ruhig weiterarbeitet. (Hört, hört!)

Hamburger Echo, Donnerstag, 28.6.1923

Ehrenteits Material.
Genosse Ehrenteit schreibt uns: Das Korrespondenzbureau „Hansa“ schickt der hiesigen Presse einen Bericht zu der letzten Bürgerschaftssitzung, in dem behauptet wird, daß das von mir vorgetragene Material teils unrichtig wiedergegeben, teils – namentlich, soweit die Denkschrift des Generalmajors a.D. Hellfritz in Betracht kommt – erfunden ist.
Demgegenüber habe ich festzustellen, daß außer den fünf Aktenstücken, die ich in der Bürgerschaft vortrug, noch weitere sechszehn Aktenstücke sich in meinem Besitz befinden, die zum überwiegenden Teile aus der zeit bis Ende Mai  des Jahres 1923 stammen.
Diese Aktenstücke einschließlich der Denkschrift des Generalmajors a.D. Hellfritz sind sowohl dem Reichswehrminister als auch den entscheidenden Gerichtsinstanzen des Reiches übergeben. Gegenüber beiden Stellen ist die Richtigkeit des von mir genannten Materials von den in betracht kommenden Persönlichkeiten nicht bestritten worden.
Ich bin bereit, vor jedem ordentlichen Gericht nicht nur die Richtigkeit des von mir gebrachten Materials, sondern auch zu beweisen, daß die von mir genannten Persönlichkeiten in dem von mir in der Bürgerschaft vorgetragenen Sinne verwickelt sind.
Ich  erkläre ausdrücklich, daß ich zwecks Einleitung eines solchen ordentlichen Gerichtsverfahrens jederzeit bereit bin, die Aufhebung meiner Immunität bei der hamburgischen Bürgerschaft zu beantragen.
Sollte auch fernerhin trotz dieses Hinweises die Richtigkeit meines Materials nach wie vor angezweifelt werden, wäre ich gezwungen, der Öffentlichkeit nicht nur weiteres Material zu übergeben, sondern auch die Öffentlichkeit mit Persönlichkeiten vertraut zu machen, die außer den von mir bisher angeführten in dieser ganzen Angelegenheit verwickelt sind. Das habe ich bisher nicht getan, weil ich von Berliner zuständigen Stellen ersucht worden bin, im allgemeinen öffentlichen und Staatsinteresse, sowie auch mit Rücksicht auf die Auswirkung auf das Ausland davon Abstand zu nehmen.
Hamburger Echo, 30. Juni 1923

Hamburger Organisationen.
In Hamburg bestand eine militärische Nachrichtenstelle des Schweriner Reichswehrkommandos, die aus privaten Mitteln unterhalten wurde. Diese Nachrichtenstelle hatte in Hamburg ungefähr 20 Agenten und arbeitete in ganz Deutschland. Ein Hamburger Konzern, zu dem auch Reeder und Industrielle gehörten, unterstützte sie mit beträchtlichen Mitteln. Der Generalmajor Halfering entwarf im Mai 1923 einen umfangreichen Schlachtplan gegen den „inneren Feind“. Aus diesem Plan ergibt sich, daß die Nachrichtenstelle in Verbindung stand mit dem
Bund der „Niederdeutschen“, den „Deutschnationalen Wandervögeln“, dem „Bismarckbund“ und dem Leiter der dortigen technischen Nothilfe. Besondere Aufmerksamkeit ist der Beseitigung der Führer des Roten Widerstandes gewidmet. So heißt es: „Je rücksichtsloser die Gewalt angewandt wird, um so schneller geht es. Mit Aufrührern wird nicht verhandelt.“ (Verhandlungen der Hamburger Bürgerschaft vom 28. Juni 1923. Herr Geßler hat allerdings diese Nachrichten dementiert, doch ist seinem Dementi m. E. kein großer Glaube beizumessen.
Eine andere Hamburger Organisation ist die „Wehrkraft Hamburg“. Im Mittagsblatt des Hamburger Korrespondenzblattes vom 13. Januar 1923 erließ sie folgenden Aufruf: „Deutsche aller Stände, ohne Unterschied der Parteien, Offiziere, Mannschaften aller Truppengattungen, Ingenieure meldet Euch sofort zum „Deutschen Bund“. Parole: „Für das deutsche Volk, mit der Regierung, gegen den Feind“. Die Behauptung „mit der Regierung“ ist natürlich nur cum grano saus zu verstehen. In den Satzungen des Bundes „Wehrkraft“ heißt es: „Die Wehrkraft ist eine Abteilung, welche militärisch organisiert ist, auf nationalem Boden aufgebaut ist und den Geist Ehrhardts im Herzen trägt.“
Eine dritte Geheimorganisation hatte der Fabriksbesitzer Luecke [*] in Hamburg geleitet. Die Teilnehmer waren fast durchweg ehemalige Offiziere, dem Beruf nach Kaufleute, Bankbeamte usw. Am 18. Dezember 1922 wurde eine Versammlung von der Polizei Überrascht, umfangreiches Belastungsmaterial, Schriftstücke über die Geheimhaltung der „Orgesch“, militärische Ausrüstungsgegenstände, 17 Gewehre und 2 Handgranaten gefunden. Gegen Luecke schwebt seit August 1921 ein Verfahren wegen Geheimbündelei bei dem Staatsgerichtshof in Leipzig. (Münchner Post, 28. Dezember 1922.)
Der Bund der Niederdeutschen besaß ein größeres Waffenlager. Daher wurde er in Preußen auf Grund des Gesetzes zum Schutz der Republik aufgelöst (Berliner Tageblatt, 3. Oktober 1922.)
Am 5. Oktober 1922 fand in Kiel eine Besprechung statt, in der Major a. D. Enneccerus-Lockstädt unverhüllt zu einem Rechtsinitiativ-Putsch aufforderte. Mehrere aktive Offiziere der Reichswehr und der Reichsmarine nahmen an der Sitzung teil. Am 2. November 1922 fand in Hamburg eine Besprechung statt, als deren Ergebnis die Hamburger Selbstschutzorganisationen sich der Zentralleitung des Generalleutnants a. D. Freiherrn von Watter-Berlin unterstellten. In dieser Sitzung war auch die Organisation C offiziell vertreten. Auch an dieser Sitzung nahmen mehrere aktive Offiziere, darunter der Verbindungsoffizier des Wehrkreises II, Oberleutnant von Brederlow, teil.
Der ganze Charakter dieser Organisation wird schließlich durch Richtlinien enthüllt, die der militärische Provinzialleiter, General a. D. Hellfritz, für die ihm unterstellten militärischen Gauleiter im Mai 1923 aufgestellt hat. Den Zeitpunkt des Losschlagens hatte man sich vorbehalten. Man wollte ihn von etwaigen Linksunruhen abhängig machen („Berliner Tageblatt“, I. Juli 1923). Aber der Wille zum Putsch war unzweifelhaft.
Julius GumbelDie Verschwörer, Malik-Verlag, Wien; Reprint 1979, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg (S. 69-71)
[*] hier irrt die Münchner Post  – es muß Ferdinand Rickel heißen

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