Streitschrift für Anarchosyndikalismus, Unionismus und revolutionären Syndikalismus

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Schon wieder Seidman!

Im September schlug der us-amerikanische Historiker Michael Seidman erneut zu.

Er nahm sich das Buch des englischen Historikers Paul Preston The Spanish Holocaust in der Londoner Times – dem TLS – Times Literary Supplement – vom 7. September 2012 vor. Hier ist die Rezension. Daran anschließend eine öffentliche Antwort des schottischen Genossen Stuart Christie  (http://www.christiebooks.com/ChristieBooksWP/2012/09/the-tls-letter-to-the-editor-whatever-happened-to-serious-and-authoritative/) die wir (vorerst) nur im Original wiedergeben – die Übersetzung ist bereits in Arbeit. Sollte jemand die Kapazität haben, die Seidman-Rezension zu übersetzen, wären wir äußerst dankbar.

Seidman-Victimized-TLS-7-Sep-12

Hier die Ünersetzung:

Spitzfindigkeiten eines offenen Pro-Franco-Kritikers

Anmerkungen zur Rezension Michael Seidmans von Paul Prestons “Der Spanische Holocaust”

Times Literary Supplement, 7. September 2012

Was ist mit dem herausgeberischen Urteilsvermögen bei TLS los? Was in aller Welt hat den Herausgeber dazu verleitet, das herablassende und unverschämte Gelaber eines Pro-Franco-Apologeten wie Michael Seidman in seiner Buchbesprechung von Paul Prestons “Der Spanische Holocaust” zu veröffentlichen?

Wenn man von Beschwerden über Prestons „Diskreditierung des moralischen Kapitals der Nationalisten“ einmal absieht, scheint Seidmans wichtigste Kritik die Verwendung des Begriffs „Holocaust“ zur Beschreibung des Blutbads, das von „rebellischen Offizieren“ ausgelöst wurde, „die bald von Mussolini und Hitler unterstützt wurden“ (womit unterstellt wird, dass keines der beiden Regimes an den Plänen zum Umsturz der Republik beteiligt war). Diese Ablehnung des Wortes Holocaust ist entweder akademische Pedanterie oder ein übereifriger politischer Versuch Seidmans, den Begriff ausschließlich und natürlich ungebeten für die jüdischen Opfer des Nazi-Antisemitismus zu vereinnahmen; auf Kosten der 5, 6 oder 7 Millionen anderen Opfer der Nazi-Mordmaschine – Antifaschisten (jüdisch und nicht-jüdisch), Intellektuelle, Sozialisten, Anarchisten, Kommunisten, Liberale, Zeugen Jehovas, Roma, geistig Kranke, Behinderte usw. usw. – zwischen Januar 1933 und Mai 1945.

Bisher habe ich auch noch nichts gesehen von der von Seidman beschriebenen “Lawine neuerer Literatur”, die „Prestons antiquierte Sichtweisen“ der Repression in der republikanischen Zone „in Frage stellt“, nämlich dass sie

„Teil eines größtenteils absichtlichen und kalkulierten Versuchs war, (sehr allgemein definierte) ‚Faschisten’ und Rechte zu eliminieren – ebenso wie Mitglieder des Klerus, die für eine fünfte Kolonne und potentielle Hindernisse für die Arbeiter- oder Volksrevolution gehalten wurden. Diese Morde standen in enger Verbindung mit den linken Parteien, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten und wurden gewöhnlich von diesen gutgeheißen.“

Wie Seidmann (oder sonst jemand) schlussfolgern kann, dass solch eine Verschwörung zwischen so unterschiedlichen und miteinander konkurrierenden Gruppen der „Linken“ existierte, ist mir ein Rätsel und wirft ein ungünstiges Licht auf sein Verständnis von Geschichte, Politik und Kultur Spaniens zwischen den beiden Weltkriegen. Hätte es solch eine Verschwörung gegeben, wäre sie wahrscheinlicher von der nationalen und regionalen Führung gegen ihre eigenen bekannten Dissidenten gerichtet gewesen – einfache Kämpfer und Intellektuelle, die die Parteihegemonie in Frage gestellt hatten – und nicht die unbekannten Mitglieder der fünften Kolonne, die hinter den republikanischen Linien geschnappt wurden, sich oftmals den Gewerkschaften einschließlich der CNT, der kommunistischen oder der sozialistischen Partei anschlossen und häufig die allerdogmatischsten Parteigetreuen waren.

Seidman tut so, als wäre alles erst 1936 losgegangen. Mord und Chaos auf beiden Seiten: zugestanden. Grausamer Mord aufgrund von Abneigung, Eigeninteresse, Gier usw. – das ganze Spektrum war abgedeckt. Zugegeben: niemand war über jeden Tadel erhaben und, wie ich selbst in meinem neuesten dreibändigen Werk ¡Pistoleros! – 1918-24” gezeigt habe, gab es auch keinen Mangel an Täteren im anarchistischen Lager.

Dennoch, Seidmans eigene Zahlen aus dem Zeitraum “während des spanischen Konfliktes” (ich nehme an, er meint 1936-39, also den Bürgerkrieg) belegen ein 13 zu 5 Verhältnis an Tötungen zugunsten der Nationalisten (Faschisten, katholische Autoritäre und Vertreter von „Ein Spanien“). Letzteres erklärt, wie sich Generäle wie z.B. Cabanellas – die in den frühen Jahren der Republik und Monarchie Freimaurer und/oder Republikaner gewesen waren – in „Faschisten“ verwandelt haben. Oder hatten sie schon immer diese autoritäre Einstellung? Eine Einstellung, die sie mit vielen (bis gestern noch Monarchisten) „Neurepublikanern“ gemeinsam hatten, was Vorfälle erklären kann wie die blutige Repression von Castilblanco 1931, Arnedo 1932 und Casas Viejas 1933 etc., und die Einrichtung der Guardia de Asalto als Polizeitruppe zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Der berüchtigte „Republikaner“ und Freimaurer Eduardo López Ochoa führte die Niederschlagung und Unterdrückung des Aufstands in Asturien 1934 an. „Republikanisch“ hieß nicht automatisch „links“, noch nicht einmal „liberal“. Daher auch die Skepsis in den Reihen der CNT. Siehe dazu Melchor Rodriguez’ Artikel “April to April” (KSL Bulletin), der die Opfer der Sicherheitskräfte der neuen Republik gezählt hat.

Die Vernarrtheit in die Romantisierung der Republik lässt uns vor ihren raueren Seiten die Augen verschließen, die die Armen und die arbeitenden Klassen erleben mussten. Die Kirche, die besitzenden Klassen und die Anhängern von „Ein Spanien“ fühlten sich möglicherweise durch Teile der republikanischen Rhetorik und Gesetzgebung angegriffen, aber sie waren nicht Schlagstöcken, Kugeln und Artilleriefeuer ausgesetzt wie die Arbeitenden. Wurde General Sanjurjo nach seinem versuchten Putsch gegen die Republik 1932 genauso hart bestraft wie der Bauer Seisdedos oder die aufständischen Bergleute und Bauern von Llobregat? Einzelheiten der unterschiedlichen Behandlung wären interessant.

Ablehnung der Republik allein war noch kein Vergehen, sofern sie nicht in praktische Aktion mündete wie Desertieren, Widerstand, praktische Opposition. Doch unter dem frankistischen Befehl 108 der National(istisch)en Verteidigungsjunta (13/09/36) wurde die Beschlagnahmung von Eigentum derer vorgesehen, die für Widerstand gegen die nationalistische Bewegung „direkt oder unterschwellig verantwortlich, durch Handeln oder Anstiftung“ sein sollten.

Das frankistische Politische Transparenzgesetz vom 9.2.39 (das die Beschlagnahmung von Gütern regelt) wurde im Nachhinein anwendbar erklärt auf die Ereignisse von Oktober 1934 (was einem einen Hinweis auf die Geistesverfassung der Gesetzgeber gibt: warum nicht 1931, 32, 33?), und sollte der/die Beschuldigte in der Zwischenzeit verstorben sein, gingen alle Verbindlichkeiten und Strafzahlungen, die daraus entstanden, auf seine/ihre Erben oder Verwandten über. Zwei Drittel dieser Beschlagnahmungen betrafen „Übeltäter“ aus der Arbeiterklasse und viele davon mussten erlassen werden, nicht aus Mitleid, sondern mangels beschlagnahmbarer Güter. Bußgelder wurden erlassen und durchgesetzt gegen Republikaner und andere, die bereits 1936 erschossen wurden. Der sozialistische Volksfrontfunktionär (PSOE) Vicente Martin Romera (ermordet am 7. August 1936 in Madrid auf Befehl von Colonel Cascajo) bekam ein Nachkriegs- und nachträgliches Bußgeld von 125 000 Peseten, die seine Familie aufbringen musste, um „freien Zugang zu seinem Besitz“ zu erhalten.

Bußgelder und Beschlagnahmungen waren oft Begleitumstände von Hinrichtungen (und zwar sowohl vor- als auch nachher). In Albacete hatten 43 % der von Kriegsgerichten verurteilten ein Verfahren nach dem Politischen Transparenzgesetz und 80% der Bestraften waren Landarbeiter oder Handwerker. 1942 ersetzte eine Änderung dieses Gesetzes ökonomische Sanktionen mit Berufsverboten, bis das Gesetz am 13.4.45 außer Kraft gesetzt wurde – in Bezug auf neue Fälle. Die bereits laufenden Vorgänge wurden bis 10.11.66 weiter verfolgt. Ich möchte die Republik nicht romantisieren, aber (von einer kommunistischen Machtübernahme abgesehen) bezweifle ich, dass eine Verfolgung in diesem Ausmaß stattgefunden hätte.

Zu Seidmans außerordentlicher Feststellung, dass “Nationalisten verhältnismäßig mehr Kriegsgefangene in ihre Armee eingegliedert haben als alle anderen an Bürgerkriegen im Mitteleuropa des 20. Jahrhundert beteiligten Parteien“ – ist Seidman nicht klar, dass die Kriegsgefangenen in dieser Frage keine Wahl hatten, da die einzige Alternative ein Hinrichtungskommando und ein Massengrab waren? Dieser Bezug auf das nationalistische Recycling von Kriegsgefangenen soll Prestons Anschuldigungen betreffs „Vernichtungsprogrammen“ widerlegen, aber tut er das? In welche Einheiten wurden sie wiedereingegliedert? Wie wurden sie kommandiert, diszipliniert und eingesetzt? In welchen Sektoren wurden sie eingesetzt? Gegen welche republikanischen Kräfte? Gab es möglicherweise Abschreckungsmaßnahmen gegen Zurückweichler? (Maschinengewehre à la Trotzki im russischen Bürgerkrieg oder à la Stalin im Zweiten Weltkrieg? Wie hoch war ihre Sterblichkeitsrate verglichen mit nationalistischen „Freiwilligen“einheiten oder regulären Kräften? Ich weiß es nicht. Ich frage ja nur. Kurz gesagt, solche Recyclingprogramme standen nicht notwendigerweise im Widerspruch zu Vernichtungsplänen, sondern konnten sehr wohl ein Teil davon sein – den Feind durch den Feind töten lassen, während man gleichzeitig die Nachhut von Unzufriedenen säubert.) In seiner eigenen Republik der Egos gesteht Seidmann einen Mangel an Arbeitskräften statt Truppen ein.

Zu Prestons so genannter “Entschuldigung” der spanischen Linken und ihrer angeblichen Tendenz, den sowjetischen Einfluss auf das Paracuellos-Massaker an angeblichen oder bekannten Antirepublikanern durch eine gemischte Truppe spanischer Linker überzubewerten: dieses Massaker scheint unter anderem von Santiago Carrillo veranstaltet worden zu sein, früher bei der Vereinten Sozialistischen Jugend (JSU) und zum damaligen Zeitpunkt bei der Spanischen Kommunistischen Partei (PCE) – und letztere hat wenig getan, das nicht durch das Politbüro und seine Komintern-Berater gefiltert war.

Was Seidmans Argument zu den katalanischen Carlisten in der nationalistischen Armee angeht: liegt es nicht nahe, dass der Verdacht nicht unberechtigt ist, eine fünfte Kolonne sei aktiv in den ländlichen Gebieten Kataloniens, aus der diese Figuren kamen, ebenso typische Requetés, die nicht im richtigen Alter für den Militärdienst gewesen sein mögen, dafür aber andere Dienste leisteten? Dies soll keine Entschuldigung sein, sondern vielleicht eine teilweise Erklärung für die mörderische Behandlung, die Rechten und dem katholischen Klerus zu Teil wurden.

Wenn Preston (laut Seidman) feststellt, dass der “Radikalismus” der republikanischen Führung eher rhetorischer als wirklicher Natur war, ist dieses Argument eigentlich überflüssig. Präsident Azañas angebliche Ankündigung, mit seinen Reformen “Hackfleisch” aus der Armee zu machen (“triturar el ejército”) stiftete genauso viel (vielleicht mehr) Aufregung und Verbitterung in diesen Kreisen wie gewalttätige Streiks. Desgleichen die jakobinische, aufklärerische Kritik an der Kirche. Die CEDA entstand aus dem Begehren, katholische Prinzipien ungeachtet des Regimes zu verteidigen, das Ewige gegen die Umstände: darum ging es bei CEDAs „Accidentalism“: der Schwerpunkt auf dem (Un)Realen anstatt dem Formalen. Ein republikanischer Anhänger der katholischen Werte war gut, ein monarchistischer Nicht-Anhänger derselben böse. Das Gleiche gilt sicher für libertäre oder linke Werte, oder?

Preston mag die “Straßen”angriffe auf Sachen nach dem Februar 1936 unterschätzen, aber Seidmann sollte die „Esst die Republik“-Verhöhnungen während des bienio negro, die Hinterlassenschaft der Repression von Oktober 34, die einschneidenden Beschränkungen von Gewerkschaftsrechten usw., den offenen Flirt der spanischen Rechten mit Autoritarismus und Faschismus im restlichen Europa, das österreichische Beispiel von 1934 usw. im Blick behalten. Gibt es denn nicht wenigstens die Möglichkeit, dass die Straße dadurch in Bewegung geriet und durch ihre eigenen Angelegenheiten anstatt durch hochtrabende Rhetorik irgendeiner republikanischen Leuchte? Mit seinen Bemerkungen über das generelle Herunterspielen der raueren Seiten des Klassenkampfs hat er Recht, aber ich frage ihn: wie „sicher“ waren die Leben, Freiheiten, Nachkommen und Dächer über den Köpfen von NICHT-Rechten und NICHT-Besitzenden? Als Spezialist für die Details der Revolte in all ihren unbequemen und unangenehmen Ausprägungen, die nicht in ordentliche ideologische Modelle passen, sollte Seidman einmal ein typisches Arbeiterleben 1923-43 untersuchen, um Verbesserungen zu entdecken. Diese mögen nicht mit den definierten Konturen von Republik, Monarchie, Diktatur und (noch mal) Diktatur übereinstimmen. Zweitens. Er scheint zu sagen: Schau über das Formale hinaus auf das REALE, aber wenn Prestons Schwerpunkt auf einer Bearbeitung „von oben“ liegt, geht eine Menge davon verloren. Das Leben wird nicht immer von Rednern oder Druckerzeugnissen bestimmt. Die CNT bezog sich stets auf die anonimos, und es gab anonyme Akteure und Faktoren auch außerhalb der CNT.

Der Mord an Calvo Sotelo war in der Tat eine „kaltblütige Tötung“. Was waren Casas Viejas und die vielen anderen ähnlichen Vorkommnisse? Es waren nicht Regierung oder Justiz, die aus Casas Viejas einen Skandal machten, oder? Was hat Seidman zu sagen über irgendeinen Arbeiterklassen-„Franco“, der durch Casas Viejas zur „Revolution“ getrieben wurde oder die Repression irgendeines Streiks?

Zu seiner Erwähnung des Besonderen Militärtribunals des Generalissimus, das 15 000 Fälle von 36 bis 38 abgewiesen hat: Wie viele in der Anklage genannten waren bereits tot? Hingerichtet? Geflohen? Weitere 15 000 wurden aufrechterhalten, und wahrscheinlich erfolgte eine Verurteilung. Er zitiert den Rückgang von Todesurteilen „nach 1941“ (also nach drei Jahren Massenhinrichtungen), doch vernachlässigt jegliche „Kontextualisierung“ wie Bezüge auf den Zweiten Weltkrieg (denkt daran, das war in etwa die Zeit, als Ramón Serrano Súñer den Deutschen mitteilte, dass Spanien kein Interesse am Schicksal spanischer Roter in den Händen der Nazis habe), Spaniens Schwierigkeiten, seine Bevölkerung zu ernähren und die Todesrate in frankistischen Gefängnissen durch Seuchen und Hunger, verschlimmert durch Mangel an medizinischer Betreuung und regelmäßig angewendete Folter. Besser für die Statistik, wenn viele dieser Häftlinge außerhalb starben, arbeitslos und nicht vermittelbar, auf Schwarzen Listen registriert, wohnungslos, abhängig von der Wohltätigkeit der Kirche oder den sozialen Diensten der Falange, nicht gerade die Verkörperung der Mildtätigkeit. Und er vergisst den Höhepunkt der Hinrichtungen zwischen 1947 und 49 zu erwähnen, ein ganzes Jahrzehnt nach dem Krieg und nach all dem Exil, den Verurteilungen und Hinrichtungen der Nachkriegsjahre.

Was Seidmans Kommentare über die nationalistische Agrarpolitik angeht: kann es sein, dass die flüchtigen Grundbesitzeren noch nicht zurückgekehrt waren, dass es stark an Arbeitskräften mangelte, da so viele Männer im erwerbsfähigen Alter an der Front dienten und dass das Angebot von Anreizen für die „besetzenden“ Bauern eine Übergangsstrategie für die Dauer des Krieges in Erwartung der Rückerstattung des gesamten fruchtbaren spanischen Bodens war? Bringt die Opposition um, steckt Leute wegen geringfügigerer Verfehlungen in den Knast, belegt so viele, wie es geht, mit Bußgeldern, zieht die im dienstfähigen Alter ein und ermutigt (!) den Rest, die Produktion zu steigern?

1957 wurde ein Juan García Suárez hingerichtet, allerdings erst, nachdem der kanarische Bischof persönlich an Franco geschrieben hatte, um ihn an die „Tausende Menschen“ zu erinnern, die die „Nationalisten“ auf den Kanaren getötet hatten. Bischof Pildain schrieb: “Sehr geehrter Herr Don Francisco Franco Bahamonde, spanisches Staatsoberhaupt. Sehr geehrter Herr: Ich, Antonio Pildaín y Zapiain, Bischof der apostolischen Diözese von Las Palmas, fühle mich als Hirte der Seelen und spiritueller Vater der Kanaren verpflichtet, sie zu ersuchen, die Todesstrafe von Juan García Suárez umzuwandeln, der von einem Kriegsgericht vor Ort zum Tode verurteilt wurde. Dieser Tod würde auf den Kanaren, wo nichts passiert ist, sehr schlecht aufgenommen werden, da hier all die barbarischen Handlungen von Nationalisten und nicht von Republikanern verübt wurden. Ich möchte dieses Thema lieber nicht zu sehr vertiefen und erinnere Eure Exzellenz an alles, was auf dieser Insel passiert ist, besonders in der Jinámar-Schlucht, wo mehrere Tausend umkamen.“ (Santos Julia [Hg.] Victimas de la Guerra Civil, Temas de Hoy, S. 335-336). Pildaín machte eine mündliche Aussage gegenüber den Historikern José Luis Morales und Miguel Torres, einer der beiden erinnert sich an folgendes: „Bischof Pildaín erwähnte mir gegenüber, dass zwischen 5000 und 6000 Menschen in dieser Gegend umgekommen sind. Die meisten von ihnen verschwanden.“

Stelle das “nicht passiert” der 5000:0-Todesbilanz auf den Kanaren gegenüber! Wann gab es auf den Kanaren eine militärische Bedrohung? Wenn „nichts passiert ist“, können wir davon ausgehen, dass die Inseln ohne ernsthaften Widerstand gefallen sind. Ergehe ich mich in Viktimologie, wenn ich frage, welche Auswirkungen dies auf die Versuche haben könnte, republikanische und nationalistische Gewalt gegeneinander aufzurechnen?

Ich könnte ewig so weitermachen, aber ich erkenne einfach Seidmans Bezugsrahmen nicht an, besonders sein Argument, dass “die spanischen Konterrevolutionäre keinen Rassenkrieg gegen die Juden geführt haben, sondern sich auf die Bekämpfung von Revolutionären konzentrierten, welche ihr Leben, ihr Eigentum und ihren Glauben bedroht haben.“ Wen meint er nur? Franco und seine Kohorte klero-faschistischer Mörder waren niemals „Konterrevolutionäre“, sondern reaktionäre Putschisten, die – mit Hilfe von Nazideutschland, dem faschistischen Italien und einflussreichen Teilen des britischen Establishments – eine regulär gewählte republikanische Regierung stürzten (was immer man von dieser Regierung halten mag) und wer weiß schon genau wie viele Zehntausende Unschuldiger massakrierten – die in keinster Weise eine Bedrohung von Leben, Eigentum oder Glauben darstellten (wie von Bischof Antonio bezeugt) – in einem Versuch, einem eingebildeten „proletarischen Barbarentum“ entgegen zu treten und Spanien 400 Jahre zurück zu werfen zu den mittelalterlichen katholischen Werten des Heiligen Römischen Reiches.

Nein, in Wirklichkeit waren die “Konterrevolutionäre” während der spanischen Revolution und des Bürgerkrieges Azaña, Prieto, Negrín, Companys, Jesús Hernández, Federica Montseny, Mariano R. Vázquez und all die anderen „angesehenen Führer“ auf der republikanischen Seite; ebenso waren es nicht Faschisten, Angehörige der fünften Kolonne, Priester und Nonnen, die vorwiegend hinter den republikanischen Linien verfolgt wurden, sondern Tausende Revolutionäre und einfache Kämpfer, die zwischen Juli 1936 und Dezember 1937 ihren Intrigen und Manövern entgegentraten, die bürgerliche Ordnung wieder herzustellen und zu festigen.

Die Entscheidung, Paul Prestons unbezahlbares Werk über den frankistischen Holocaust der Spitzfindigkeit eines solch offenen Pro-Franco-Kritikers wie Michael Seidman vorzuwerfen, wirft ein ungünstiges Licht auf die vormals hohen herausgeberischen Standards von TLS unter früheren Herausgebern wie Arthur Crook und John Gross (und Stellvertretern wie Nicolas Walter). Was ist nur aus „ernsthaft“ und „maßgeblich“ geworden?

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Das Orginal:

What has happened to editorial judgement at the TLS? What on earth led the editor to commission the patronisingly offensive twaddle from such a pro-Francoist apologist as Michael Seidman in his review of Paul Preston’s “The Spanish Holocaust”?

Apart from complaining about Preston’s ‘discrediting the moral capital of the Nationalists’, Seidman’s principal objection appears to be the use of the term “Holocaust” to describe the carnage triggered by the “rebellious officers, whom Hitler and Mussolini quickly aided” (the implication being that neither regime had been complicit in the plans to topple the Republic). This objection to the word Holocaust is either academic pedantry or a zealous political attempt by Seidman to ‘own’ the term on behalf, exclusively and of course unbidden, of the Jewish victims of Nazi anti-semitism at the expense of the other 5, 6 or 7 million victims of the Nazi killing machine — anti-Nazis (Jewish and non-Jewish), intellectuals, socialists, anarchists, communists, liberals, Jehovah’s Witnesses, gypsies, the mentally ill, the disabled, etc., etc. — between January 1933 and May 1945.

I have yet to come across the “avalanche of recent literature” Seidman writes about as ‘challenging’ Preston’s ‘antiquated views’ on the repression in the Republican zone, that it was

part of a largely deliberate and calculated effort to eliminate “fascists” (very broadly defined), rightists — and also members of the clergy, who were perceived as fifth columnists and potential obstacles to workers’ or people’s revolution. The murders were closely connected to, and usually approved by, the parties of the Left, Socialists, Communists and anarchists.’

How Seidman (or anyone else for that matter) concludes that there was such a conspiracy between such disparate and contending groups on the ‘Left’ escapes me, and reflects poorly on his understanding of the history, politics and culture of Spain between the two world wars. Had such a conspiracy existed it was more likely to have been targeted by the national and regional leaderships against their own known dissidents – rank-and-file militants and intellectuals who challenged party hegemony – not the unknown fifth-columnists caught behind Republican lines who more often than not joined the labour unions, including the CNT, and the communist and socialist parties and often proved to be the most ‘ultra’ of the party faithful.

Seidman speaks as though everything kicked off in 1936. Murder and mayhem on both sides: agreed. Grisly murder tainted by grudge, self-interest, gain, etc., it covered the whole spectrum. No one was above reproach, agreed, and as I relate in my own recent 3-volume work, ¡Pistoleros! – 1918-24”, there was no shortage of offenders in the anarchist camp either.

However, Seidman’s own figures taken from the period “during the Spanish conflict” (I’m assuming he means 1936-’39, i.e. the civil war) show a 13 to 5 kill rate in favour of the Nationalists (fascists, Catholic authoritarians and “One Spainers”). The latter explains how generals such as Cabanellas — who were freemasons and/or republicans under the early Republic and monarchy — morphed into “fascists” in 1936. Or were they perhaps always of the same authoritarian mind-set? A mind-set they shared with many (until yesterday monarchists) “new” republicans, explaining incidents such as the bloody repression at Castilblanco in 1931, Arnedo in 1932 and Casas Viejas in 1933, , etc., and the establishment of the Assault Guard as a public order-only police force. The notoriously “republican” and freemason Eduardo López Ochoa led the crackdown and repression of the Asturias uprising in 1934. “Republican” did not necessarily mean “leftist” or even “liberal”. Hence the scepticism in CNT ranks. See Melchor Rodriguez’s article “April to April” (KSL Bulletin) counting those who perished at the hands of the new Republic’s security forces.

Infatuation with romanticism about the Republic tends to blind us to its rougher edges as experienced by the poor and the working classes. The Church, the propertied classes and the One-Spainers might have taken offence at some of the rhetoric and legislation from the Republic, but they never had to suffer batons, bullets and artillery fire as did the workers. Was General Sanjurjo, after his attempted coup against the Republic in 1932, punished as severely as the peasant Seisdedos or the rebel coalminers and peasants of Upper Llobregat? It would be interesting to have the details of the differential treatment.

The Republic did not make mere disaffection an offence, unless it was translated into action in the form of desertion, obstruction, practical opposition. But under the Francoist’ Order 108 from the National(ist) Defence Junta (13/09/36) provision was made for the confiscation of goods from those deemed to have been “directly or subordinately responsible, by action or incitement” for opposition to the Nationalist Movement.

The Francoists’ Political Accountability Law of 9/2/39 (providing for confiscation of assets) was made retrospectively applicable to events from October 1934 (which must be some sort of a clue to the legislators’ mindset— why not 1931, ’32, ’33?), and in the event of the accused’s having died in the meantime all liability and penalties arising therefrom became applicable to his/her heirs or relations. Two thirds of these confiscation proceedings applied to working class “culprits” and most of these had to be set aside, not from melted hearts, but due to the lack of seizable assets. Fines were applied and enforced against republicans and others who had been shot back in 1936. The Popular Front socialist (PSOE) deputy Vicente Martin Romera (murdered on 7 August 1936 in Madrid on the orders of Colonel Cascajo) was hit with a post-war and posthumous fine of 125,000 pesetas which, his family had to pay in order to recover “free access to his assets”.

Fines and confiscations were often accompaniments (before as well as after the fact) to executions. In Albacete 43 per cent of those sentenced by courts martial had Political Accountability files opened on them and 80 per cent of those punished were farm labourers or manual workers. In 1942 an amendment to this Law replaced economic sanctions with positive disbarments before the law was repealed on 13/4/45, as far as fresh proceedings were concerned. Those already in train were pursued until 10/11/66. I don’t want romanticise the Republic but (barring a communist take-over) I doubt that it would have carried victimisation to those lengths.

As for Sediman’s extraordinary statement that “Nationalists may have integrated proportionally more POWs into their army than any other civil war belligerents in twentieth-century Europe” – Has it not occurred to Seidman that the POWs had little choice in the matter, the other option being a firing squad and a mass grave? This reference to the Nationalist recycling of POWS into their army is intended to counter Preston’s allegations regarding a “programme of extermination”, but does it? Into which units were they recycled? How were they officered, disciplined and deployed? In what sectors were they deployed? Facing which republican forces? Any chance they might have had a deterrent used against retreaters? (Machine guns à la Trotsky in the Russian civil war or à la Stalin in the Second World War? What was their rate of attrition as compared to Nationalist “volunteer” units or regulars? I do not know. I merely ask. In short such recycling was not necessarily in contrast to extermination plans but might well have been integral to them — using the enemy to kill the enemy while clearing one’s rearguard of the openly disaffected.) In his own Republic of Egos, Seidman admits to a manpower shortage in Nationalist Spain — a shortage of workers not of troops.

As to Preston’s so-called “exculpation” of the Spanish left and his alleged tendency to over-state the Soviet influence on the Paracuellos massacre of suspected or known anti-republicans by a motley crew of Spanish leftists, that massacre seems to have emanated from, among others, Santiago Carrillo, late of the Juventudes Socialistas Unificadas (JSU) and by then of the Spanish Communist Party (PCE) — and little was done by that last body that was not filtered through the politburo and its Comintern advisers.

Seidman’s point about Catalan Carlists in the Nationalist armies: does it not suggest that there might be some justification in suspicions of a 5th column operating in the rural areas of Catalonia where these characters came from, and of typical Requetés who might not have been of an age for military service but might have served in other ways? This is not to excuse but rather, perhaps, to partly explain the murderous treatment inflicted on right-wingers and the Catholic clergy.

When Preston suggests (according to Seidman) that the “radicalism” of republican leaders was more rhetorical than actual, the point is redundant. President Azaña’s alleged talk of “making mincemeat” of the army (“triturar el ejército”) with his reforms created as much (maybe more) alarm and rancour in those circles as any strike violence. Likewise the Jacobin, Enlightenment critique of the Church. The CEDA grew out of a desire to defend Catholic principles regardless of the regime, the eternal against the circumstantial: that’s what CEDA’s “accidentalism” was about: a focus on the (un) real over the formal. A republic observant of Catholic values was good, a monarchy unobservant of them, bad. Well, ditto libertarian or leftist values, surely?

Preston may underestimate the “street” attacks after February 1936 on property but Seidman needs to bear in mind the “Eat Republic” taunts of the right during the bienio negro, the legacy of the October ’34 repression, the severe curtailment of union rights, etc., the blatant flirtation of the Spanish Right with authoritarianism and fascism elsewhere in Europe, the Austrian example of 1934, etc. Is there just a chance that the street was moved by this and its own issues rather than some high-flown rhetoric from some republican luminary? He is right in what he says about the general downplaying of the rougher face of the class struggle but I would ask him this: how “safe” were the lives, liberties, offspring and roof over the heads of the NON-rightists and the NON—property-owner? As someone who specialises in the minutiae of revolt in all its uncomfortable and inconvenient manifestations that do not fit into neat ideological models, Seidman ought to trace a typical worker’s life 1923-1943 and spot the improvements. They might not overlap the defined outlines of Republic, Monarchy, Dictatorship and (again) Dictatorship. Mark Two. Look past the formal to the REAL is what he seems to be saying but if Preston’s focus is on working “from above”, a lot of this is going to be missed. Life isn’t always played out by the speechmakers or in print. The CNT was forever referring to the anonimos and there were anonimos players and factors outside the CNT as well.

The murder of Calvo Sotelo was indeed a “cold-blooded killing”. What were Casas Viejas and the many other similar incidents? It was not the government or judiciary that made a scandal of Casas Viejas, was it? What has Seidman to say of some working-class “Franco” pushed into “revolution” by Casas Viejas or the repression of some strike?

His mention of the Generalisimo’s Special Military Tribunal dismissing 15,000 cases in ’36-’38. How many of those named in the charges were already dead? Executed? Escaped? And another 15,000 were upheld and presumably sentencing followed. He cites the decline in death sentences “after 1941” (i.e. after 3 years of mass executions) but he misses out any “contextualization” such as references to WW2, (remember, this would have been about the time that Ramón Serrano Súñer was telling the Germans that Spain had no interest in the fate of any Spanish Reds in Nazi hands) Spain’s difficulty in feeding herself and the death rate in Francoist prisons from disease and starvation, aggravated by lack of medical attention and the regular use of torture. Better for the statistics if many of those prisoners died off-site, unemployed and unemployable, blacklisted, homeless, dependant on the charity of the Church or the social services wing of the Falange, hardly the hallmark of mercy. And he fails to mention the spike in executions in 1947-49, a full decade after the war and after all those exiles, convictions and executions in the post-war years.

As to Seidman’s comments about the Nationalists’ rural policies, was it the case that maybe the runaway estate-owners had not yet returned, that the workforce was seriously depleted due to so many men of economic age serving at the front and that the offering of incentives to the “squatter” peasants might have been a makeshift stratagem for the duration of the war pending the recovery of all of Spain’s productive land? Kill the opposition, jail the lesser offenders, fine as many as you can, conscript those of serviceable age and encourage (!) the rest to step up production?

In 1957 a Juan García Suárez was executed but not before the local bishop of the Canaries wrote to Franco in person to remind him of the “thousands of people” whom the “Nationalists” had killed in the Canaries. Bishop Pildain wrote: “Most Excellent Sir Don Francisco Franco Bahamonde, Spanish Chief of State. Most Excellent Sir: I, Antonio Pildaín y Zapiain, bishop of the apostolic diocese of Las Palmas, find myself obliged, as pastor of the souls and spiritual father of Canarians to ask that you commute the capital sentence on Juan García Suárez, sentenced to death at a council of war held in this place. That death would be looked at very dimly in the Canaries where nothing happened, since all the barbarity committed hereabouts came from the Nationalists and not the republicans. I would rather not go too deeply into this matter and remind your excellency of everything that happened on this island, especially in the Jinámar gorge where several thousands perished.” (Santos Julia [editor] Victimas de la Guerra Civil, Temas de Hoy, pp. 335-336). Pildaín made an oral statement to historians José Luis Morales and Miguel Torres, one of whose recollections was: “Bishop Pildaín mentioned to me that he reckoned from the figures that between 5,000 and 6,000 people must have perished hereabouts. Most of them vanished.”

Contrast the “nothing happened” with the 5,000-to-zero relative kill rate in the Canaries! At what point were the Canaries under military threat? If  “nothing happened” we can take it for granted that the islands fell without serious resistance. Am I indulging in victimology when I ask what implications this might have for attempts to equate republican and Nationalist violence?

I could go on and on, but I just don’t recognise Seidman’s terms of reference, especially his point that “The Spanish counter-revolutionaries did not wage a racial war against Jews, but concentrated on combating revolutionaries who threatened their lives, property and faith”. Who is he talking about? Franco and his cohort of clerico-fascist murderers were never “counter-revolutionaries”, they were reactionary golpistas who — with the help of Nazi Germany, Fascist Italy, and influential elements in the British Establishment — overthrew a legitimately elected republican government (whatever one might think of that government) and massacred who knows exactly how many tens of thousands of innocents — who posed no threat whatsoever to life, property or faith (as witnessed to by Bishop Antonio) — in an attempt to counter perceived “proletarian barbarism” and roll Spain back 400 years to the Medieval Catholic values of the Holy Roman Empire.

No, in fact, the “counter-revolutionaries” during the Spanish Revolution and Civil War were Azaña, Prieto, Negrín, Companys, Jesús Hernández, Federica Montseny, Mariano R. Vázquez, and all the other ‘notable leaders’ on the Republican side; nor was it fascists, fifth-columnists, priests and nuns whom they were primarily targeting behind republican lines, but the thousands of revolutionaries and rank-and-file militants who, between July 1936 and December 1937, challenged their plots and manoeuvres to restore and consolidate bourgeois order.

The decision to give Paul Preston’s invaluable work on the Francoist Holocaust to the sophistry of such a blatantly pro-Francoist reviewer such as Michael Seidman reflects poorly on the formerly rigorous editorial standards of the TLS under previous editors such as Arthur Crook and John Gross (and chief subs such as Nicolas Walter). Whatever happened to ‘serious’ and ‘authoritative’?

Yours, etc.,

Stuart Christie

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